Warum Legende? Ganz einfach: „Honki“, wie seine Freunde Raimund Hinko nennen, liefert seit über 50 Jahren fast immer Außergewöhnliches, keine 08/15-Ware. In einem Alter, in dem andere längst ihren Ruhestand genießen, wirbelt er noch immer mit Kolumnen, Interviews, Hintergrundgeschichten.
Raimund hat, vorbildlich unterstützt von seiner verständnisvollen Frau Gerti, eigentlich immer gearbeitet. Auch an freien Tagen, auch im Urlaub. Am Adria-Strand, im geliebten Rom und in vielen anderen Orten, die vorzugsweise mit dem Auto oder dem Zug erreichbar sind - Raimund hat nämlich Flugangst. Er produzierte und produziert einen schier unglaublichen Ausstoß an Geschichten und Zeilen (Hinko-Foto: privat).
Seit Anfang der 1970er-Jahre für BILD, ab 1990 dann für Sport BILD. Hier finden wir heute zum Beispiel seine Kolumne „Meine Bayern“. Nebenbei war er Ghostwriter für Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Udo Lattek und andere „Big Shots“. Nicht mal von einem gebrochenen Handgelenk nach einem Sturz bei einem Besuch von Andreas „Andy“ Möller in Turin ließ er sich am Schreiben hindern. Er schrieb natürlich auch selbst Bücher, wie beispielsweise „FC Bayern München – Fussball-Zauber in München“, „Karl-Heinz Rummenigge“ und „Bayern München - Titel Tore & Triumphe“.
Bei aller Hektik und Härte des Boulevardjournalismus hatte „Honki“ stets ein offenes Ohr für Kollegen, nahm jüngere Kollegen unter seine Fittiche und befeuerte ihre Karrieren: Pit Gottschalk (unter anderem Chefredakteur Sport BILD und Sport1), Michael Schilling (Chefredakteur Abendzeitung) oder Christian Falk (Fußballchef BILD-Gruppe), um nur einige zu nennen. Auch die beiden Verfasser dieser Zeilen sind ihm zu Dank verpflichtet. Wir, wie viele andere, haben von der Sportreporter-Legende eine Menge gelernt: Interviews führen und umsetzen, Schreiben, Netzwerken - nicht zuletzt mit den ganz Großen des Fußballs.
Raimund Hinko ist ein sehr lebenslustiger Genuss-Mensch, der auf allen Reisen immer die besten Restaurants kannte
Raimund ist bei aller Leidenschaft für seinen Beruf auch ein sehr lebenslustiger Genuss-Mensch. Egal, wohin man mit ihm reiste, zum Uefa-Cup nach Norditalien oder Champions-League-Finale, nach Japan zur Fußball-WM – Raimund kannte immer die besten Restaurants. Und das in Zeiten, als an Google noch nicht zu denken war. Sehr beeindruckend war das. Sehr schnell erfuhr man auf solchen Reisen auch, was „Honki“ unter dem Begriff „Champagnisieren“ verstand – Champagner trinken halt. Am liebsten genau sieben Grad Celsius kühl. Das hat er von Willi O. Hoffmann gelernt. Im Gegenzug verpasste Raimund dem damaligen Bayern-Boss seinen legendären Spitznamen „Champagner-Willi“.
Seine große Leidenschaft neben dem Schreiben und gutem Essen ist der FC Bayern und die Berichterstattung über den FCB. Raimund weiß alles über diesen Verein, hat vieles miterlebt, aber längst nicht alles veröffentlicht. An dieser Stelle sei ein kleines Geheimnis verraten: Schon als 18-Jähriger trainierte „Honki“ beim FC Bayern eine Jugendmannschaft. Sehr schnell musste er sich aber zwischen Fußball- und Reporter-Karriere entscheiden - das Ergebnis ist bekannt. Möglicherweise hat der Fußball dadurch einen großen Trainer verloren. Ganz sicher aber ist: Der Sportjournalismus hat dadurch einen ganz Großen gewonnen!
ja./fh.