VFS-Jubilar

Steffen Haffner zum 85. Geburtstag – Prägende Figur des Sportjournalismus

28.12.2025

Er prägte die Sportberichterstattung der FAZ ganz entscheidend. Und er achtete stets auf Unabhängigkeit. Am 28. Dezember wird Steffen Haffner 85 Jahre alt.

 

Vor 22 Jahren ist Steffen Haffner als Leiter der Sportredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ausgeschieden. Seither hat sich die Medienwelt durch digitale Revolutionen von iPhone über Social Media bis KI schneller gedreht als je zuvor. 22 Jahre lang konnte der Autor dieser Zeilen mit und für Steffen Haffner arbeiten. Er war Chef, Mentor, Förderer, Motivator für zahllose junge Reporterinnen und Reporter, Redakteurinnen und Redakteure – und zählt auch gerade deshalb zu den prägenden Figuren des deutschen Sportjournalismus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Im schlesischen Liegnitz 1940 geboren, kam Haffner mit seiner Familie gegen Ende des Zweiten Weltkriegs als Vertriebener zunächst nach Mitteldeutschland und lebte seit 1955 in Frankfurt am Main. Nach dem Abitur 1961, Wehrdienst und einem begonnenen Studium trat er am 1. Dezember 1963 in die damals noch kleine Sportredaktion der FAZ ein. Gemeinsam mit Karlheinz Vogel baute er den Sportteil systematisch aus. Der Durchbruch gelang 1972 mit der Berichterstattung über die Olympischen Spiele in München, die neue inhaltliche und gestalterische Maßstäbe setzte.

1980 übernahm Haffner die Leitung der Sportredaktion und führte sie bis Ende 2003. In dieser Zeit wurde das Ressort mehrmals ausgezeichnet, Haffner selbst erhielt viermal den Titel „Sportjournalist des Jahres“. Er verstand die Rolle des Ressortleiters weniger als die eines exponierten Autors, denn als die eines Teamkapitäns, der große Fachkompetenz, erzählerische Qualität und publizistische Distanz zu den Akteuren des Sports verband. Er lenkte sein Team mit Bedacht und Empathie. Begeisterung für Sport-Ereignisse kam nie zu kurz, aber sie führte nicht zur Kumpanei mit Personen, Vereinen oder Verbänden. Zu seinen Schwerpunkten zählten Olympische Spiele, Sportpolitik, Sportgeschichte sowie das Verhältnis von Sport und Medien. Für seine Verdienste wurde Haffner mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt (Logo: Verein Frankfurter Sportpresse).

Nach seinem selbstbestimmten, vorzeitigen Ausscheiden als Ressortleiter (um in wirtschaftlich schwierigen Zeiten für jüngere Kollegen eine Bleibe-Perspektive zu schaffen) blieb er publizistisch aktiv, schrieb für Fachzeitschriften und veröffentlichte auch noch Beiträge in der FAZ. „Seine“ frühere Redaktion (heute in der Verantwortung von Anno Hecker) macht ihm als Leser nach wie vor Freude, gleichwohl ist Haffner bewusst: „Gedruckte Zeitungen wird es nicht mehr lange geben.“

Sport heißt für ihn auch – selber machen, um beweglich zu bleiben. Zweimal in der Woche geht es ins Fitnessstudio (mit dem schönen Namen „Optimum“). Spaziergänge und Schach tun ein Übriges, um körperlich und geistig auf der Höhe zu bleiben. Bis heute verfolgt Steffen Haffner die Entwicklungen des internationalen Sports mit analytischem Interesse und kritischem Blick – eine Haltung, die sein journalistisches Wirken geprägt hat. Der 85. wird im engeren Familienkreis gefeiert. Herzliche Glückwünsche.

Jörg Hahn