Medien-Meeting des VWS

Warum Eishockey anders ist

24.11.2025

Die Lanxess Arena in Köln war Veranstaltungsort des 2. Medien-Meetings des Verbandes Westdeutscher Sportjournalisten. Es ging um Eishockey. Haie-Geschäftsführer Philipp Walter und dessen DEL-Pendant Gernot Tripcke sorgten für Erhellung.

 

Manche Sätze werden im Sport schnell formuliert – und vergessen. Aber gelegentlich wird doch ein Satz gesprochen, der es schafft, im Gedächtnis zu bleiben. Als Philipp Walter, erfolgreicher Geschäftsführer der Kölner Haie in der Deutschen Eishockey Liga, versucht, den großen Unterschied zu beschreiben, sagt er im Pressesaal der Lanxess Arena beim 2. Medien-Meeting des Verbandes Westdeutscher Sportjournalisten: „In unserem Sport zahlt jede Regel auf das Spiel ein, beim Fußball habe ich den Verdacht, dass dieser Sport irgendwann falsch abgebogen ist. Wir haben uns professionell entwickelt, aber unsere Profis gehen immer noch auf Straßenfeste, reden mit den Menschen – das ist unsere Identität, unsere Identifikation.“

Moderator Burkhard Hupe vom WDR, einer der verbliebenen Eishockey-Experten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, sehnt sich danach, endlich wieder ein Ligaspiel zwischen den Kölner Haien und der Düsseldorfer EG „kommentieren zu dürfen“. Die DEG verabschiedete sich vergangene Saison (vorläufig) als Absteiger aus der DEL. „Im Fußball weiß keiner mehr, wer was überträgt, wann spielt eigentlich wieder die Champions League?“, fragt Walter. „Im Eishockey gibt es keinen VAR, bei uns lamentieren die Profis nicht, bleiben nicht liegen, wenn es mal hart auf hart geht, unser Publikum ist anders, die Leute hätten dafür gar kein Verständnis.“ (Logo: VWS)

18.600 Menschen sind in die Arena kommen. Die Haie verlieren gegen die Augsburger Panther 3:4 nach Penaltyschießen. Die Halle ist fast immer ausverkauft – und zwar vollkommen unabhängig davon, ob der 1. FC Köln parallel in der Bundesliga spielt. „Das betrifft uns nicht“, sagt Walter, Absolvent der Deutschen Sporthochschule Köln, Ex-Journalist aus Freiburg, bei den Haien zum Geschäftsführer aufgestiegen. Dazwischen lagen zwei Jahre als Mediendirektor beim SC Freiburg.

„Man sagt von uns immer, wir seien die Sportart Nummer zwei in Deutschland, das stimmt aber nicht. Dafür sind 30.000 Spieler zu wenig. Im Basketball sind 800.000, im Handball noch viel mehr organisiert. Aber wir sind nach der Fußball-Bundesliga ganz klar und eindeutig die Liga Nummer zwei“, sagt Gernot Tripcke, Jurist und seit einem Vierteljahrhundert Geschäftsführer der DEL. Er machte aus dem Eishockey eine funktionierende Profi-Liga. „Wir sind trotzdem Lichtjahre vom Fußball entfernt“, sagt Walter.

600.000 Fans pilgern pro Saison in die Lanxess Arena, sicher eine der schönsten Eishockeyhallen Europas, die aber an der einen oder Stelle renovierungsbedürftig ist. Das kennt man in Köln. Der reformfreudige neue Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) hat Hilfe signalisiert. Was 2030 sein werde, fragt Moderator Hupe zum Abschluss. Tripcke: „Ich rede nicht von Visionen, obwohl die angeblich gefragt sind. Wir wollen uns weiter entwickeln und glaubwürdig bleiben. Wir wollen wirtschaftliche Stabilität. Und wir wollen die Eishockey-Community vergrößern.“

Christoph Fischer