Kein Bild mehr im November vom ersten Skilangläufer auf dem Rennsteig, kein Foto mehr von den Weltcups im Januar in Oberhof, keine Aufnahme mehr im März von den letzten Skispringen der Saison im Thüringer Wald. Dass etwas seit Jahrzehnten Verlässliches fehlte im Olympia-Winter, war Lesern von Freies Wort und Fotografenkollegen nicht verborgen geblieben. Es waren die Bilder von Gerhard König. Seine letzten Aufnahmen machte einer der besten und dienstältesten Sportfotografen Deutschlands Anfang Oktober an der Rennrodelbahn in Oberhof. Wenige Wochen später fesselte ihn eine unheilbare Krankheit ans Krankenbett. Nun, am 6. März, ist er verstorben.
Gerhard König war nicht irgendein Fotograf und Sportfotograf, er war der Sportfotograf unserer Zeitung. Im Jahr 1974, also vor 52 Jahren, knipste er hobbymäßig sein erstes Bild für Freies Wort. Später wurde die Fotografie zu seinem Beruf, als Rentner seine Berufung. Gerhard König fotografierte alle und alles. Wintersport natürlich, den er selbst aktiv als Skilangläufer betrieben und geliebt hatte. Beim heute legendären Rennsteiglauf war er als Fotograf von Beginn an dauerhaft Begleiter (König-Foto: Sascha Fromm).
Fast auf jedem Sportplatz in Südthüringen hat er fotografiert, dazu bei Weltmeisterschaften in Oberhof oder Suhl, ebenso bei Großereignissen wie Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften fernab der geliebten Heimat. Gerhard König liebte den Sport als Fotograf in all seinen Facetten. Ob Wintersport, Ringen, Fußball, Handball oder Leichtathletik.
Doch nicht nur Olympiasieger und Weltmeister hatten es ihm angetan, sondern auch der Nachwuchs. Zeitdruck kannte er bei seinen Aufträgen nicht: Er nahm sich Zeit für Details, für das Besondere. Die Passion war sein Antrieb, nicht das Honorar. Bei widrigen Bedingungen demonstrierte er jenes Stehvermögen, das ihn als Langläufer geprägt hatte. Nicht selten kehrte er pitschnass ins Pressezentrum zurück. Jetzt bleibt vor allem Dankbarkeit – für einen einzigartigen Fotografen, der insbesondere den Sportteil von Freies Wort über ein halbes Jahrhundert geprägt hat. Danke, Gerhard!
Thomas Sprafke