Drei- bis viermal pro Woche trat er in die Pedale und kehrte nach einer großen Runde zurück. Es schien, als hätte Volker Brix die Zeit lange nichts anhaben können. Vor wenigen Wochen ist er im Alter von 85 Jahren eingeschlafen. Die Zahl 85 verbindet sich auf fast schicksalshafte Weise mit einem Ort, der mit dem Weg des Erfurters verknüpft ist. Als „Suppenschüssel“, auch als „Hexenkessel“ wird die 1885 eingeweihte Erfurter Radrennbahn in einer Broschüre beschrieben. Unter anderem dafür hatte Volker Brix eine Menge Stoff beigesteuert.
Das Oval ist für ihn aber mehr gewesen: ein Ort der Rad-Leidenschaft, ein Platz zum Gestalten, zum Mitfiebern, zum Erleben, zum Leben. Der „Spiritus Rector im Erfurter Andreasried“ – so wurde der Jubilar anlässlich seines 80. Geburtstages genannt. Die Steilkurven der Betonpiste umschlossen im Geist das, was er mit Hingabe mitgestaltete, die Steherrennen besonders. Ohne ihn gäbe es die Jagd hinter den Schrittmachermaschinen in Erfurt vielleicht nicht bis heute (Bahnradrennen-Foto: GES-Sportfoto/Marvin Ibo Güngör).
Als „ganz schön dünner Hecht“ turnte er zunächst. Er tauschte das Reck mit kleinen Rollen für Schnelllauf und Hockey. Aus Rollen wurden zwei Räder – und eine große Leidenschaft. Er fuhr selbst sehr erfolgreich Rad. Er atmete aber vor allem den Erfolg anderer. Volker Brix begegnete den Großen von Uwe Ampler bis Emil Zatopek. Er kannte sie alle, weit über Radrennen hinaus: den Olympiasieger und den Helfer, den Boxer wie den Star-Trainer im Ring. Er sprach mit dem Talent und dem Oldie. Er sah in unzählige Gesichter von Akrobatik bis Wasserball und hielt mit Herz und Akribie ihre Geschichten fest.
„Tach, Ihr Athleten.“ Dieser Satz fiel, wenn Volker Brix die Redaktion der Thüringer Allgemeine betrat. Herzlich, bescheiden – ein Erkennungszeichen wie eine Botschaft und Einladung zugleich, sich auf einen Erzähler einzulassen und ebenso auf einen neugierigen Hörer. Für die Radsport-Woche schoss er 1956 beim Traditionsrennen „Rund um die Hainleite“ sein erstes Foto.
Vor fast sechs Jahrzehnten bestand er die Fotografenmeister-Prüfung, arbeitete als Protokoll-Fotograf der Thüringer Staatskanzlei. Als freier Sportjournalist erzählte er unzählige Geschichten vom Leben für den Erfurter Sport und breitete den stillen Sporthelden hundertfach eine Bühne. „Wegbereiter des Erfurter Sports“ hieß die Zeitungs-Serie. Wer, wenn nicht Volker Brix, ist so einer gewesen.
Steffen Eß