VDS-Präsident André Keil

„2025 war ein Jahr der Sportpolitik“

16.12.2025

Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele, Aufarbeitung der NS-Zeit oder DDR-Unrecht – auch 2025 gab es viele sportpolitische Themen. Die Berichterstattung darüber komme jedoch häufig zu kurz, bilanziert VDS-Präsident André Keil.

 

Es ist schön, die großen Momente das Sportjahres noch einmal zu erleben. Im Rückblick zeigt sich aber, dass es ein Jahr der Sportpolitik war. Zu Jahresbeginn wäre das Sportfördergesetz fast Realität geworden, aber das Ende der Ampel-Koalition verhinderte das. Mit der neuen Regierung kam ein neuer Entwurf. Auffällig ist die starke Zugriffsmöglichkeit der Politik, die Beteiligten werden Kompromisse finden müssen.

Der Safe Sport Code wurde vor gut einem Jahr beschlossen. Seitdem war in der Öffentlichkeit nicht mehr viel davon zu hören. Das Regelwerk zur Bekämpfung jedweder Form von Gewalt im organisierten Sport wird aber mit Leben erfüllt. Safe Sport hat Fahrt aufgenommen, auch im Bereich der Aufarbeitung unter Einbeziehung von Betroffenen.

Für die Geschädigten des DDR-Sports geht das Jahr enttäuschend zu Ende. Der Bundestag hatte Anfang des Jahres zwar eine Erhöhung der Rente für Opfer der SED-Diktatur beschlossen, die erhoffte Aufnahme der Dopinggeschädigten in die Gruppe der anspruchsberechtigten Opfer blieb aber aus. Es gibt neue Anstrengungen zur Novellierung der SED-Unrechtsbereinigungsgesetze, für viele Betroffene wird die Unterstützung aber zu spät kommen. (Keil-Foto: Martin Hangen für VDS)

2025 war auch von der Auseinandersetzung mit der deutschen Sportgeschichte geprägt. Eine Expertenkommission hat die Biografien von Mitgliedern der „Hall of Fame“ überprüft, bei denen neue Fakten zur Verstrickung in das NS-Regime auftauchten. Die virtuelle Ruhmeshalle entwickelt sich zunehmend zu einem Ort der Aufarbeitung, das ist weltweit beispielgebend.

Noch ein großes sportpolitisches Thema: Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland. München hat schon mal „Ja“ gesagt. Das gibt der Initiative Rückenwind. Der DOSB entscheidet am 26. September 2026 hier in Baden-Baden final über die Bewerberstadt. Eine weitere Schlagzeile des Jahres: Mitgliederrekord! Der DOSB zählt über 29 Millionen Mitglieder. Die Zahl der freiwillig und ehrenamtlich Engagierten ist bei neun Millionen angekommen. Beeindruckend.

Und hier die sportpolitischen Ein- und Auswechselungen: Christiane Schenderlein (CDU) ist seit Mai Staatsministerin im Bundeskanzleramt für Sport und Ehrenamt, der frühere Fechtweltmeister Max Hartung verstärkt seit Februar den Vorstand der Sporthilfe, die Ruder-Olympia- und WM-Bronzemedaillengewinnerin Pia Greiten wurde Anfang November zur Präsidentin von Athleten Deutschland gewählt, und seit September steht Politikprofi Otto Fricke (FDP) dem DOSB-Vorstand vor. Für die Sportjournalistinnen und Sportjournalisten gehört die sportpolitische Berichterstattung zum Job. Häufig kommt sie zu kurz.

Dieser Text stammt aus dem Programmheft zur Gala „Sportler des Jahres“ 2025 am 21. Dezember im Kurhaus Baden-Baden. Wir danken dem Veranstalter Internationale Sportkorrespondenz für die Nutzungserlaubnis. Stimmberechtigt bei der Wahl der „Sportlerin des Jahres“, des „Sportler des Jahres“ und der „Mannschaft des Jahres“ sind die Mitglieder des Verbandes Deutscher Sportjournalisten, dem André Keil als Präsident vorsteht.