Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Für dieses Sprichwort gibt es viele Beispiele im Verband Deutscher Sportjournalisten. Aktuell erinnert daran der Name Küpper, Hansi und Corni. Vater Hansi wurde gerade 65 Jahre alt (am 20. Februar), Sohn Corni ist 34. Und beide kommentierten live und nebeneinander unlängst für den Fernsehsender Sky das Bundesligaspiel zwischen dem FC Bayern und der Gladbacher Borussia.
Ein O-Ton in der zweiten Generation, weit verbreitet in Funk und Fernsehen, besonders auffällig beim ZDF. Am Anfang standen dort die Krämers: Willi war 1963 der erste Sportchef, später wurde Sohn Bernd Redakteur für Motorsport beim Sender. Oder der Name Angermann: Hier folgte Sohn Ralf-Peter auf Vater Klaus. Und Thomas auf Oskar Wark, Kai auf Eberhard Figgemeier, Norbert auf Christian Thielmann und Jochen auf Wolfram Esser. Dagegen verzichtete Sportmedien-Preisträgerin Sabine Töpperwien auf eine Karriere beim Sender ihres Bruders Rolf, sie machte Hörfunk-Karriere beim WDR (Uhrig-Foto: VMS).
Sportjournalismus übertragen vom Vater auf den Sohn lehrt auch die Dynastie Dobbratz im Raum Stuttgart. Senior Kurt gründete hier 1947 die ISK. In der „Sportler des Jahres“-Agentur sein Nachkomme als Chef ist Klaus, dessen Bruder Guido war Redakteur beim Süddeutschen Rundfunk. Unter den Fotografen ging das Stuttgarter Büro von Erich Baumann an Sohn Dieter, in Hamburg die Agentur Wilfried Witters an Tochter Valeria. Otto Metelmann vererbte dort auf Filius Thomas. In Düsseldorf folgte Robert auf Norbert Rzepka, in Köln die Brüder Randolf und Roberto auf Heinz Pfeil, der Thüringer Sascha auf Manfred Fromm, aus dem Allgäu Rupert auf Markus Leser.
Familiensache auch in Frankfurt. Dort kamen bei BILD Roland auf Paul Palmert, Joachim auf Werner Bremser und bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Arne auf Hans-Joachim Leyenberg, Frank auf Herbert Neumann. Beim kicker in Nürnberg übergaben Rainer Franzke an Julian und Werner Schilling an Olaf, beim Offenburger Tageblatt Willi Kastler an Thomas, bei der Münchner Golftime Oskar Brunnthaler an Marcel. In der Spur ihrer Väter blieben als Freiberufler Frank Neußer hinter Paul-Joachim, Detlef hinter Horst Vetten und Katrin hinter Ulrich Kaiser.
Die Scheus, Cammanns und Wontorras präg(t)en die hiesige Sportberichterstattung
Das Mikrofon in der eigenen Reihe weitergereicht hat Hans-Reinhard Scheu. Seine Stimme ist vielen noch bekannt aus der ARD, etwa bei Nordischem Skisport oder Formel 1. Heute ist der Junior Joachim mit Reportagen zum Motorsport im Ersten zu hören. Ebenso in dieser Berufssparte des Vaters geblieben ist Matthias Cammann, dessen Vater Karl-Heinz einst NDR-Sportchef war (und Präsident des VDS). Hermann Walz gehörte zum ZDF-Gründerpersonal, sein Sohn Thomas ist seit fast 30 Jahren bei Sport1, ehemals Deutsches Sportfernsehen.
Hier begann auch Laura Wontorras Karriere, die von Kicken bis Küchenschlacht erfolgreiche Moderatorin und Tochter des legendären Jörg. Reingeredet zum Kochen wurde unter den Wontorras wohl kaum. Wie bei den Küppers im Spiel der Bayern gegen Gladbach. Hier beklagte sich der Kleine einmal kurz über den Großen: „Vadder, jetzt lass mich doch mal ausreden.“ Demnächst nicht möglich ist das beim Zweitliga-Spitzenspiel Darmstadt gegen Schalke, wo Vater und Sohn wieder im Einsatz sein werden, live nebeneinander – und gegeneinander: Hansi für Sky und Corni für RTL.
Wolfgang Uhrig war Chefredakteur des kicker, später produzierte er die OSB-Standardwerke zu Olympischen Spielen. Die Kolumne „Ansichtssache“ schreibt er für den Verein Münchner Sportjournalisten. Wir danken dem Autoren und den VMS-Kolleg:innen dafür, den Text nutzen zu dürfen.