Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
Halbzeit bei beim Mammut-Turnier in den USA, Mexiko und Kanada – und schon wieder ist die deutsche Nationalmannschaft früh bei einer Fußball-WM gescheitert. Die meisten Kolleginnen und Kollegen, die das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann über Chicago nach Winston-Salem und zu den vier Spielen begleiteten, werden in diesen Tagen heimreisen. Das vorzeitige deutsche Aus mag den Medienhäusern ein paar Euro sparen – falls die schon im Voraus gebuchten Flüge und Unterkünfte überhaupt noch zu stornieren sind.
Aber angesichts der insgesamt immensen Kosten spielt das vermutlich keine große Rolle. Im Gegenteil: Das Interesse an einer WM sinkt aus den Erfahrungen von 2018 und 2022 nach einem deutschen Aus, erst recht, wenn ein Turnier wie jenes aufgeblähte ohnehin schon kritisch gesehen worden ist – und das wirkt sich auf Page Views, Click-Through-Rates und Times on Pages aus. Jetzt geht es in den nächsten Tagen und Wochen wieder einmal vor allem um die Zukunft des deutschen Fußballs und nicht mehr so sehr um Messi, Ronaldo, Mbappé oder Kane. (Foto Elisabeth Schlammerl: Martin Hangen)
Die Kolleginnen und Kollegen haben sich bei diesem Turnier auf ein paar Neuerungen und landestypische Infrastruktur einstellen müssen. Statt Pressetribünen gibt es in den USA meist Pressboxes, die zwar komfortabel ausgestattet sind, aber in der sich die Journalisten hinter Glasfenstern "wie in einem Terrarium" (O-Ton eines Münchner Kollegen) fühlen, oft auch noch ungewohnt platziert – nahe der Eckfahne oder gar auf deren Höhe. In der Mixed Zone ist für Non-Right-Holder und Print/Online grundsätzlich geregelt, wer wo stehen darf und wer mit welcher Akkreditierung was und wie lange filmen oder eine Audiodatei aufnehmen darf. Allerdings werden diese Vorschriften oft nicht durchgesetzt, so dass "jeder macht, was er will" (wieder der Münchner Kollege).
Ausgenommen von diesen Regeln, die keiner so richtig zu kennen scheint, sind die von der FIFA eingekauften Influencer, die erstmals in großer Zahl und überall auftauchen. Mit einer blauen Weste ausgestattet, dürfen sie als "FIFA-Creators" sowohl vor dem Anpfiff aufs Spielfeld als auch hinterher in fast alle Bereiche der Mixed Zone – und selbstverständlich filmen, was sie wollen und so lange sie wollen.
Anders als bei den vergangenen Weltmeisterschaften ist die Anreise zu den Stadien manchmal nicht ganz so einfach, jedenfalls, wenn man nicht in einer der offiziellen Medien-Hotels wohnt und der in der Regel gut funktionierende Mediashuttle um die Ecke losfährt. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind die Stadien schwer zu erreichen – oder teuer wie die schon oft beschriebene Zugfahrt von Manhattan ins MetLife Stadium in East Rutherford/New Jersey für 98 Dollar.
Apropos überhöhte Kosten für Medienvertreter: Bei der Verpflegung im Stadion wird ordentlich abkassiert. Essen muss bei großen Turnieren üblicherweise bezahlt werden, selten zu marktüblichen Preisen. Aber die 33 Dollar für das Tagesgericht im MetLife Stadium, das man selbst in der Mikrowelle erwärmen darf, sind dann auch für das hohe Preisniveau in den USA sehr stattlich.
Herzlichst
Ihre Elisabeth Schlammerl
(1. Vizepräsidentin des VDS)