Home of Sports von Ippen.Media

Antwort auf die Quereinsteiger

01.07.2026

Ippen.Media reagiert mit Home of Sports auf den steigenden Wettbewerb durch Soziale Medien. Der Kampf um Aufmerksamkeit werde nicht auf Kosten seriöser Berichterstattung gehen, versprechen die Verantwortlichen. Von Marcel Grzanna

 

Der Verlust ihrer Monopolstellung zwingt Sportjournalisten in einen Wettbewerb mit Quereinsteigern. Die Konkurrenz in Sozialen Medien aus Content-Creatorn, Streamern oder Fans ist jung, unkonventionell und schnell. Sie generiert Inhalte, die sich sowohl mit den Wettkämpfen selbst, als auch mit den bunten Themen drumherum befassen. Junge und auch zunehmend reifere junge Menschen fühlen sich bei Tiktok, Youtube und Co. von den emotionalisierten Posts abgeholt.

Genau in diesem Spannungsfeld treibt Ippen.Media sein "innovatives Modell" für Sportjournalismus voran. Unter den Marken Home of Sports und Absolut Fußball versucht das Medienhaus, journalistischen Anspruch in einen Informationskosmos zu übertragen, in dem Aufmerksamkeit in hohem Maße auf Videoplattformen und weniger bei Fach- oder Nachrichtenportalen generiert wird.

Das Modell setzt auf eine zentrale Sportredaktion, deren Inhalte auf verschiedenen Wegen ausgespielt werden. Eine Geschichte wird crossmedial für ein ganzes Netzwerk produziert. Aus einer Recherche können Artikel, Livestreams, Podcasts, Instagram-Reels, TikTok-Clips oder YouTube-Formate entstehen. Das eigentlich Besondere daran: Home of Sports versteht sich dabei als offene Plattform, auf der neben der eigenen Redaktion auch Creator, Freelancer und externe Marken eingebunden werden. Creator bilden die Ergänzung des journalistischen Angebots und sind Bestandteil der Community-Strategie. (Foto Florian Jamer: Ippen.Media)

Die Wurzeln des Ippen-Konzepts reichen bis ins Jahr 2015 zurück. Damals entstand mit Absolut Fußball zunächst ein digitales Fußballportal. Ippen.Media entwickelte daraus schrittweise über Beteiligungen eine zentral organisierte Sportredaktion, die die Inhalte über eigene Marken, Soziale Netzwerke sowie die Regionalmedien des Konzerns verbreitet.

Home of Sports bildet seit gut einem Jahr das Dach dieser Strategie. Über 80 Medienmarken aus dem Hause Ippen sind daran angeschlossen. "Die Menschen haben in herausfordernden Zeiten wie diesen ein stärkeres Bedürfnis denn je nach verlässlichen Informationen. Gerade jetzt gewinnt der Journalismus weiter an Bedeutung. Was sich verändert, sind die Geschäftsmodelle, weil sich die Medienwelt rasant weiterentwickelt", sagt Florian Jamer. Der 41-Jährige verantwortet die multimediale Sportwelt innerhalb des Konzerns.

Vor Jahren gründete Jamer die DeichStube, eine journalistische Plattform rund um Werder Bremen mit einer starken Einbindung der Fans. Aus einer digitalen Vereinsberichterstattung entwickelte er damals eine eigenständige Medienmarke mit Podcasts, Newsletter, App, Community-Angeboten, Veranstaltungen und Mitgliedermodell. Dazu zählten Lesetouren und Bühnenformate mit Ex-Werder-Trainer Thomas Schaaf.

Heute liefert diese Strategie die Blaupause für die Monetarisierung sportjournalistischer Inhalte bei Ippen.Media. Die Produktion von Home of Sports fließt inzwischen in 101 Zeitungstitel. Online erreiche man mit einem monatlichen Publikum von rund 28 Millionen Besuchern fast die Hälfte aller deutschen Online-Nutzer. Darüber hinaus verzeichne man über alle Sportkanäle 620.000 Follower und erziele in der Spitze 155 Millionen Social-Views, sagt Jamer. Home of Sports soll das Modell auf weitere Sportarten, Vereine und Zielgruppen übertragen.

Die laufende Fußball-WM gehört zu den sportlichen Großereignissen, bei denen Home of Sports von dem arbeitsteiligen Modell besonders profitieren möchte. Fünf Reporter begleiten das Turnier vor Ort und liefern Eindrücke, Interviews und Geschichten. In München bündelt eine Redaktion die Inhalte und entwickelt daraus verschiedene Formate, die dann wieder rückkoppeln.

Eine tägliche Youtube-Show um 12.00 Uhr mittags dient dabei als zentraler Anlaufpunkt für Gespräche und Einordnung. Experten wie Ex-Nationalspieler Marcell Janssen, Journalisten und Content-Creator schauen aus individuellen Perspektiven auf die Geschehnisse. Bunte Inhalte und professionelle Analysen teilen sich die Sendezeit. Die Inhalte werden anschließend für Artikel, Videos, Reels oder Clips über die angeschlossenen Medienmarken des Netzwerks weiterverarbeitet.

Sport-Infotainment haben die Macher ihren Ansatz getauft. Bei einem solchen Begriff mag es dem klassischen Journalisten eiskalt den Rücken herunter laufen. Die Sorge, dass Lautstärke und die Einbindung der Content-Creator ohne journalistische Ausbildung ihre Seriosität ersetzen könnte und sie selbst als gründliche Berichterstatter nicht mehr benötigt würden, ergibt sich zwangsläufig.

Jamer sagt, dass es erlaubt sei, durch Unterhaltung Aufmerksamkeit für eine Medienmarke zu schaffen, aber "exzellenter Journalismus bleibt die Basis von allem. Er muss die Orientierung geben." Es sei legitim, Sportjournalismus emotional, modern und unterhaltsam zu erzählen. Zumal die Sportfans mitfieberten, jubelten, litten und leidenschaftlich über Sport diskutierten. Aber im Gegensatz zu Streamern oder Fans "haben wir eine Verantwortung für gründliche Recherche, eine journalistische Einordnung und belastbare Fakten".

Jamer sieht deshalb keineswegs das Ende des klassischen Journalismus' am Horizont. "Qualitätsjournalismus wird auch in der Zukunft unverzichtbar sein", meint er. Er selbst habe bei der DeichStube die Erfahrung gemacht, dass Konsumenten nur dann bereit seien zu zahlen, wenn Relevanz vorhanden ist. Es sei wichtig, die Monetarisierung von Inhalten nicht auf einzelne Ereignisse wie ein Buch oder einen Gala-Abend zu reduzieren, sondern eine "kontinuierliche Berichterstattung" zu entwickeln, die sich in verschiedensten Erzählformen äußert.

 

Marcel Grzanna ist Freelancer. Hier geht es zu seiner Facebookseite.