100 Jahre Goldenes Band 

Ausgezeichnet!

02.04.2026

Der älteste deutsche Journalistenpreis feiert ein großes Jubiläum. Eine Reise durch 100 Jahre von Hanns Ostermann, Ehrenvorsitzender des VdSBB.

 

Es begab sich aber zu der Zeit ... keine Angst, wir feiern nicht Weihnachten ... es begab sich aber zu der Zeit, als Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen, kurz Wilhelm II., schon acht Jahre nicht mehr im Amt war – der ehemalige Kaiser von Deutschland und König von Preußen. Diesem Job ging er zwischen 1888 und 1918 nach. Dann dankte er, nach verlorenem Krieg, ab.

Es folgte die Weimarer Republik. Grau war, so die Historiker, vor allem zunächst die politische Wirklichkeit. Allerdings, frei von Zensur entwickelten sich Kunst und Kultur überaus rasant. Kinos erlebten einen enormen Zulauf. Und auch der Sport nahm einen ungeahnten Aufschwung. Seine Veranstaltungen zogen erstmals ein Massenpublikum an. So heißt es in einer Schrift des Deutschen Historischen Museums:

"Zum Fußball (...) strömten wöchentlich Hunderttausende in die Stadien. Rad- und Autorennen zogen ebenso wie Boxveranstaltungen riesige Zuschauermengen an, die Kämpfe von Max Schmeling verfolgten Millionen Zuhörer an den Radiogeräten. Das neue Medium Rundfunk trat ab 1923 unaufhaltsam seinen Vormarsch an, innerhalb von zehn Jahren erhöhte sich die Zahl der in Deutschland angemeldeten Rundfunkgeräte von knapp 10.000 auf über 5,4 Millionen." (1)

1926 fand die 3. Große Deutsche Funkausstellung in Berlin statt. Eröffnet wurde sie am 3. September mit der Einweihung des Berliner Funkturms. Der Funkturm, auch bekannt als "Langer Lulatsch", wurde als Sendemast und Wahrzeichen des Messegeländes errichtet.  

Was das Goldene Band betrifft, sind wir, das gebe ich gern zu, noch nicht weitergekommen. Allerdings sind jetzt die zeitlichen Umstände seiner Entstehung grob skizziert. 

Gut eine Woche nach der Einweihung des Funkturms, am 11. September 1926, fand eine Leichtathletik-Veranstaltung statt, die es in sich hatte: Auf dem Platz des SC Charlottenburg wurde ein 1.500-Meter-Lauf ausgetragen, der alles Bisherige in den Schatten stellte. 30.000 Zuschauer waren dabei (2). Ich gebe jetzt Erik Eggers wieder, den Journalisten und Historiker: (Foto Henning Harnisch: VdSBB)

"Der Finne Paavo Nurmi – der Wundermensch, Olympiasieger, Weltrekordler – führte lange. Dann zog langsam, aber stetig, der Schwede Edvin Wide an ihm vorbei und in seinem Windschatten Otto Peltzer. Peltzer gewann am Ende mit neuem Weltrekord.  Dabei hatte er noch eine Weltbestzeit über 800 Meter in den Beinen."

Dieser Lauf war wohl, so Erik Eggers, die Geburtsstunde für das "Goldene Band", der ersten und heute ältesten Auszeichnung im deutschen Sport. 

Drei Athleten wurden bei der ersten Auflage geehrt: Natürlich Otto Peltzer, der Journalist, "Rassenhygieniker" und bis 1935 Angehöriger der nationalsozialistischen SS (seine Geschichte ist eine eigene Geschichte wert ...). Außerdem: Der Galopp-Jockey Otto Schmidt und Ernst Vierkötter, der 20 Jahre lang den Rekord beim Durchschwimmen des Ärmelkanals hielt.

Auszeichnungen sind immer ein Spiegel der Zeit; hinzu kommen die Faszination der Bewegung, der Spannung, des offenen Ausgangs. Es wurden großartige Sportlerinnen und Sportler gewürdigt, allerdings nicht in der Zeit des 2. Weltkrieges, konkret in der Zeit zwischen 1933 und 1951.

Allerdings stellte sich später nicht selten heraus, dass bei dem einen oder anderen die Weste alles andere als weiß war. Nur ein Beispiel ist ein bekannter deutscher Radfahrer: Rudi Altig, die radelnde Apotheke. Im Jahr 1969 äußerte er sich wie folgt, Zitat: "Ich bin schlau genug, Mittel zu benutzen, die keine Spuren im Urin hinterlassen." (3) 

Aber nicht nur Doping überschattete manche Ehrung (wie auch die des Kugelstoßers Ralf Reichenbach). Auch die politische Biographie war hin und wieder, sagen wir, schwierig. Stichworte: NSDAP oder Stasi. Und im Reitsport spielte das Barren eine Rolle.

Auszeichnungen, die viele Fragen aufwerfen, gibt es immer wieder – wie in der Hall of Fame des deutschen Sports. Hier mit zusätzlichen Informationen Persönlichkeiten mit ihrem gesamten Hintergrund auszuleuchten, bleibt eine Aufgabe. Auch oder erst recht nach 100 Jahren! (Foto Ines Geipel: VdSBB)

Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass wunderbare Sportlerinnen und Sportler, auch Funktionäre, ausgezeichnet wurden: In der Berliner Deutschlandhalle vor vielleicht 10.000 Zuschauern in den 1960er- und 70er-Jahren. Später auf Bällen in großen Hotels und schließlich bei kleineren Veranstaltungen, weil uns in Berlin im Laufe der Zeit starke Partner fehlten. Damit ist die Veranstaltung 2014 gemeint, als ohne Unterstützung durch eine Agentur Michael Ballack und Ronny Ziesmer das Goldene Band erhielten. Es musste etwas geschehen, unsere regionalen Bordmittel reichten nicht mehr.

Diese Zeit war die Geburtsstunde für den Schwerpunkt soziales Engagement.  Schon zuvor spielte dieser Gesichtspunkt eine Rolle: Bei Hans-Wilhelm Gäb zum Beispiel, dem erfolgreichen Wirtschaftsmanager, Tischtennisspieler, Sportfunktionär. Er sagte einmal: "Wenn wir den Leser daran gewöhnen, anständige Verlierer oder hart umkämpfte Plätze mit Pleite oder Blamage zu verbinden, pervertieren wir den Sinn des Sports." Eine Rolle spielte das Soziale auch bei Natascha Keller, der Hockey-Rekordnationalspielerin, die sich immer im Nachwuchsbereich engagierte. Oder bei Rainer Schmidt, dem Pfarrer, Tischtennis-Paralympics-Sieger. Der war lange Zeit Athletensprecher.

Mit einem Relaunch vor elf Jahren sollte dies also das entscheidende Kriterium werden: Inwiefern engagiert sich die Kandidatin, der Kandidat für die Probleme der Gesellschaft? Für den sozialen Zusammenhalt, für ökologische Fragen? Für 2015 wurde als erster Preisträger nach dem Relaunch völlig überraschend Welcome United gewählt, ein Potsdamer Fußballklub, der seinen Verein für die Arbeit mit Flüchtlingen öffnete. Und noch einige Beispiele: Wir haben Henning Harnisch gleich zwei Mal geehrt: Anfang der 1990er-Jahre für seine Leistungen bei Alba. Und später für seine wunderbaren Konzepte, was die Zusammenarbeit von Verein und Schule betrifft. 

Auch Ines Geipel wurde ausgezeichnet, die langjährige Sprecherin der Doping-Opfer-Hilfe. Gefallen hat das damals manchen KollegInnen nicht. Es gab einige Austritte. Es sei ja auch im Westen gedopt worden, so die zum Teil erwartbaren und entrüsteten Stimmen. Ja, es wurde auch im Westen gedopt. Allerdings nicht derartig systematisch wie im Osten dieses unseres Landes.  

Und noch zwei jüngere Beispiele: 2023 erhielt Neven Subotic, der frühere Fußballprofi von Borussia Dortmund, die Auszeichnung. Schon im Alter von 23 Jahren gründete er eine Stiftung, die Kinder in Ost-Afrika unterstützt, Brunnen und Sanitäranlagen werden gebaut. Mittlerweile wurden 450 Projekte abgeschlossen, 200.000 Menschen und vor allem Kinder haben davon profitiert. (Preisträger Neven Subotic, M., mit VDS-Ehrenpräsident Erich Laaer, l., und VDS-Präsident André Keil. Foto: Edith Geuppert)

Im vergangenen Jahr in München stand der frühere Skirennläufer Felix Neureuther als Preisträger ganz oben auf dem Treppchen. "Beweg Dich schlau" heißt sein Trainings-, Aktions- und Präventionsangebot. Kinder weg von Handys und iPads plus Sensibilisierung für den Umweltschutz, das ist das Motto.

Ich möchte zu guter Letzt einigen wenigen Weggefährten herzlich danken. Ohne sie wären wir nicht so weit gekommen. Könnten wir nicht die älteste Sportauszeichnung in Deutschland, das 100. Jubiläum des Goldenen Bandes feiern: Norbert Skowronek, ehemaliger LSB-Direktor und Vorsitzender des Kuratoriums; Kaweh Niroomand, Geschäftsführer der BR Volleys und heute unter anderem Sprecher der Berliner Olympiabewerbung. Er war Mitglied der Jury, immer hilfsbereit und klug; Friedhelm-Julius Beucher, Ehrenpräsdent des DBS, Ratgeber im Kuratorium, selbst Träger des Goldenen Bandes als einer von insgesamt drei Sportfunktionären (Willi Daume und Manfred von Richthofen sind die anderen beiden); Jürgen Holz, inzwischen verstorbenes Ehrenmitglied des VdSBB und langjähriger 2. Vorsitzender: unermüdlich seine Arbeit für den Verband; Lutz Grotehusmann, ehemaliger Schatzmeister des VdSBB. Er unterstützte das Projekt, legte aber kaufmännisch völlig zu Recht den Finger in manche Wunde.

Und schließlich möchte ich dem Ehrenpräsidenten und Präsidenten des Dachverbandes danken, Erich Laaser und André Keil: Schön, dass Ihr die Chancen dieser Auszeichnung, die Strahlkraft dieser ältesten deutschen Sportauszeichnung gesehen habt. Euch und Eurem Team weiter eine gute Hand!

Quellen: (1) Arnulf Scriba © Deutsches Historisches Museum, Berlin, Stand: 2. September 2014;  (2) Erik Eggers, "Ein Preis als Spiegel". Das "Goldene Band" des VDS; (3) https://de.wikipedia.org/wiki/Rudi_Altig