Am Anfang stehen die Mühen der Ebene. "Der erste reine Frauensportsender", kostenlos dazu, verbirgt sich in den Untiefen des Internets. Dabei hatte alles so einfach geklungen. Einen von zwei Gratis-Streamingdiensten auswählen, also waipu.tv. oder Samsung TV plus (zwei weitere sollen folgen) – und los geht's.
Doch natürlich muss man sich erst registrieren – nur, um dann auf ein ganzes Potpourri an Angeboten zu stoßen, die so ziemlich alle Aspekte des Fernsehens abdecken. Nur den einen nicht: kostenlos zu sein.
Am nächsten kommt dem bei waipu noch das vierwöchige Gratis-Angebot, das danach kostenpflichtig wird. Jede Wette, dass sich neun von zehn Frauen-Sport-Interessierten irgendwann genervt für diese Option entscheiden.
Juhu, Wolfsburg gegen PSG!
Zumindest dann, wenn sie nicht doch noch in ihrer Verzweiflung ganz weit nach unten scrolle
n, wo nach vielen Dutzend Senderlogos das schwarz-weiße Label "DAZN Rise" erscheint. Der Rest ist dann wirklich einfach: Ein Doppelklick und man sieht Alexandra Popp gestochen scharf. Juhu, Wolfsburg gegen PSG! Und zwar das Hinspiel, das zu diesem Zeitpunkt bereits über eine Woche zurückliegt. (Foto Svenja Huth: firo sportphoto/augenklick)
Hier taugt es – warum auch nicht – als Einstimmung für das eigentliche Highlight des Tages. Nämlich das Rückspiel, das am frühen Abend live gestreamt wird und das den Wölfinnen den Einzug ins Halbfinale der Champions League bescheren wird – der Wettbewerb wird bekanntlich schon jetzt bei DAZN gezeigt.
Danach gibt es dann wieder viele internationale Wolfsburger Tore aus der Konserve zu betrachten. Und auch an den Folgetagen jeweils abends ein Frauenfußball-Livespiel. Ab September sollen hier auch Spiele der Frauen-Bundesliga gestreamt werden.
Handball, Hockey, Golf und mehr
Der gut gemachte Trailer, der in rasanten Bildern und schnellen Schnitten alle Sportarten anteasert, die DAZN Rise zeigt, läuft nicht gerade selten durchs Programm. Doch das nimmt man gerne in Kauf bei einem Gratis-Angebot, das viele Spiele und Wettkämpfe zeigt, die sonst unter Ausschluss der Öffentlichkeit oder hinter Bezahlschranken stattfinden würden.
Gezeigt werden unter anderem im Handball die Champions und die Europa League sowie eine Auswahl an Wettkämpfen im Feldhockey, Golf, Basketball, Kampf- und Wintersport. "Der Frauensport ist ein enorm wichtiger Entwicklungsbereich", hat Alice Mascia, DAZN-CEO für Deutschland, Österreich und die Schweiz, zum Start am 16. März der Vogue gesagt.
"Er ist das nächste große Ding, sowohl aus gesellschaftlicher als auch aus Fanperspektive", betonte sie, "das Interesse daran wächst exponentiell." Das sei auch wirtschaftlich interessant: "Der Männersport ist schon ausgereift, während sich der Frauensport noch im Wachstum befindet." Tatsächlich beträgt dessen Anteil an der gesamten Sportberichterstattung derzeit lediglich zwölf Prozent.
Talkformat mit Offenheit und Intellekt
Auch deshalb ist es der Anspruch der Programmgestalter, nicht nur Livesport-Übertragungen, sondern auch Features zu zeigen. Am Tag nach der Wolfsburger Champions-League-Partie läuft frühmorgens das Format "Talk unfiltered" mit Torhüterin Almuth Schult, die charmant und interessant durch ihr Leben und ihren Heimatort Lomitz führt. Und dabei sowohl über die Freiwillige Feuerwehr im Ort spricht, als auch über die Schwierigkeit, Fußball und Mutter-Sein unter einen Hut zu bekommen. (Foto Almuth Schult: firo sportphoto/augenklick)
Dabei zeigt sie eine Offenheit und einen Intellekt, den man bei männlichen Promis, aus welchen Gründen auch immer, so oft vermisst. Und da wäre er dann auch, der nächste wichtige Grund, warum man froh sein muss über einen reinen Frauensportkanal.
Christoph Ruf arbeitet als Freelancer von Karlsruhe aus. Hier geht es zu Rufs Website.