MagentaTV will Hockey populärer machen

Der große Aufschlag

31.07.2025

Wie gut lässt sich Hockey abseits von Olympia "verkaufen"? Andreas Hardt berichtet über die Pläne für die EM im August in Deutschland.

 

"Ganz neue Wege für den Hockeysport." – "Das hat es so groß noch nie gegeben." – "So war Hockey noch nie im TV aufgestellt."

Bescheidenheit mag zwar eine Zier sein, doch damit kommt man offenbar nicht so weit. Schon gar nicht, wenn es darum geht, für das exklusive TV-Streamingangebot von einer Randsportart zu trommeln. Also haute und haut MagentaSport vor den Hockey-Europameisterschaften der Damen und Herren in Mönchengladbach vom 8. bis 17. August verbal kräftig auf die Pauke. Gut so, es soll ja jeder mitbekommen, wo die deutschen Nationalmannschaften bei den kontinentalen Titelkämpfen zu verfolgen sind.

So einfach ist das beim Hockey ja nicht. "Für uns geht es darum, die maximale Sichtbarkeit für unseren Sport zu erreichen", begründet Julien Keibel, Käufmännischer Vorstand des Deutschen Hockey-Bundes (DHB), die Entscheidung für MagentaTV. Das ist sicherlich auch aus den Erfahrungen aus der Vergangenheit gespeist: Die öffentlich-rechtlichen Sender konnten sich nur selten dazu entschließen, Großereignisse der erfolgreichsten deutschen Mannschaftssportart prominent zu präsentieren. Das mag auch quotengetrieben sein. Die Hockey-WM 2023 in Indien war immerhin bei DAZN im Stream zu verfolgen, der Titelgewinn der Männer aber war weder bei ARD noch ZDF live zu sehen. Hockey läuft bei den Öffis in der Regel eben nur, wenn Olympische Spiele anstehen. (Foto Keibel: DHB/LinkedIn)

Während die Spiele der Nationalmannschaft nun im Stream der Telekom auf diversen Apps oder Smart-TVs sowie gängigen Plattformen zu verfolgen sind, können eingefleischte Hockeyfans die Begegnungen der Bundesliga einschließlich der Final-Four-Endrunden ebenfalls im Stream bei Dyn anschauen. Seit der abgelaufenen Saison ist dafür ein kostenpflichtiges Abo nötig, nur eine Partie pro Spieltag läuft gratis bei YouTube. Je nach Laufzeit zahlt man derzeit zwischen 14,50 und 16 Euro pro Monat, erhält dafür aber das gesamte Dyn-Programm von fünf Sportarten einschließlich der Handball- und Basketball-Bundesligen.

Von der professionellen Übertragungsqualität in den Topligen können die Hockeyklubs jedoch nur träumen. Sie sind verpflichtet, die Übertragungen selbst zu produzieren. Das überfordert so manchen Verein. Da hört man schon mal jugendliche Fans am Mikrofon. Und auch die Kameraführung entspricht nicht immer hohen Standards. "Wir haben als Dyn für die unterschiedlichen Sportarten unterschiedliche Produktionskonzepte", erklärt Co-Geschäftsführer Marcel Wontorra: "Die Hockeyklubs statten wir mit vier Kameras und Regiesystem aus, außerdem gibt es für die Klubs Schulungen und eine Betreuung vom Produktionsmanagement am Spieltag."

Das wird bei Magenta mit Sicherheit anders und wesentlich professioneller sein. Die Ansprüche an sich selbst sind hoch, man möchte etwas beweisen. "Wir tragen dazu bei, dass Hockey noch populärer wird“, erwartet Jörg Krause von der Produktionsfirma thinXpool aus Holzkirchen südlich von München, die die Übertragungen für Rechteinhaber MagentaTV realisiert. "MagentaTV ist als innovativer Partner bei der Übertragung der wichtigsten Turniere der besten Spitzensportarten Deutschlands bekannt und wird den Hockey-Fans ein attraktives Paket aus emotionalem Live-Erlebnis und tiefgreifenden Analysen bieten", lässt sich DHB-Vorstand Keibel zitieren. (Foto Krause: thinXpool)

Ende November 2024 hatten der DHB und die Telekom die Lizenzvereinbarung bis 2026 verkündet. Der Vertrag umfasst alle Spiele der deutschen Herren- und Damen-Nationalteams in der ProLeague sowie die Heim-EM 2025 in Mönchengladbach und die Hallen-Hockey EM 2026 der Herren in Heidelberg. "Deutsche Nationalmannschaften spielen für uns eine große Rolle", sagt Krause. Er verweist dabei auf die Basketball- sowie Eishockey-Nationalteams. Für die Übertragung der Basketball-WM 2023 der Männer wurde Magenta TV mit dem deutschen Fernsehpreis 2024 ausgezeichnet. "Es lohnt sich für uns, die Menschen zu bedienen, die sich dafür interessieren", so Krause, "und wir wissen, dass wir es sehr gut können."

Nach dem Warmlaufen bei der ProLeague in Berlin folgt nun also der große Aufschlag. 30 Stunden, 16 Spiele, 30 Minuten Vorlaufberichterstattung auch aus der Kabine. MagentaSport will Vollgas geben. Simon Köpfer und Hans Finger moderieren, Lisa Ramuschkat berichtet als Field-Reporterin direkt aus dem Stadion, ebenso die Kommentatoren Adrian von der Groeben und Basti Schwele. Dazu agieren insgesamt sechs Ex-NationalspielerInnen als Experten. Die Spiele der deutschen Teams sind kostenfrei. "Mit der EuroHockey 2025 werden wir unsere Erfolgsgeschichte als Deutschlands Plattform für Teamsport weiter fortschreiben und eine innovative Sportberichterstattung bieten, mit der wir unsere Kundinnen und Kunden und alle Sportfans in Deutschland einmal mehr begeistern werden", verkündet Arnim Butzen, TV-Chef der Telekom. Na dann… (Foto Butzen: Telekom)

Und wenn Damen oder Herren nun in Mönchengladbach erfolgreich sein sollten und ins Finale einziehen werden? Wenn dann die Öffentlich-Rechtlichen doch wieder auf einen Erfolgszug aufspringen wollen wie das ZDF 2023 beim Basketball-WM-Finale? "Wenn es so weit kommt, werden wir dazu etwas sagen", meint DHB-Mann Keibel. Grundsätzlich ist die Telekom als Lizenzinhaber wohl bereit, eine Sublizenz abzugeben: "Es schadet uns nicht, wenn die Öffentlich-Rechtlichen das Finale erwerben", sagt Krause.

Mit Zahlen über Produktionskosten und Zusehende ist die Telekom bzw. MagentaTV sehr zurückhaltend. Mehr als 80 Millionen Live-Zuschauer sollen es im Rekordjahr 2023 gewesen sein. 28,7 Millionen Fans konnte der Sender allein in der abgelaufenen Spielzeit der 3. Fußball-Liga vor den Bildschirmen verzeichnen. Jubelmeldungen. Wie viele Ende Juni die Hockey-ProLeague in Berlin verfolgt haben, bleibt jedoch ein Geheimnis. "Wenn die Hockey-EM erfolgreich verlaufen ist, wie wir vermuten, dann können wir auch Zahlen verlautbaren", sagt Krause. Und wir sind jetzt gespannt.