50 Jahre "tennis MAGAZIN"

Ein Dinosaurier im Umbruch

03.06.2026

Das "tennis MAGAZIN" wird 50 Jahre alt. Andreas Hardt gratuliert.

 

"Warum Sie im MIXED nie mit Ihrer Frau spielen sollten!“ Bumm, da bekam man ja gleich ein Hammerthema angekündigt. Als zweiter Anreißer auf der Titelseite dieses neuen Magazins, das Anfang Juni 1976 erstmals in den Kiosken, Zeitungsgeschäften und Kaufmannsläden der Bundesrepublik Deutschland auslag. Für vier Mark.

Das Titelbild zierte Ilie Nastase, ehemals Nummer eins der Welt, damals Nummer sechs. Der Rumäne war ein charismatischer Superstar. Karl Meiler auf Platz 33 war der beste deutsche Profi, immerhin, aber für den Titel der Erstausgabe des "tennis MAGAZIN" reichte das nicht.

50 Jahre also ist das nun her. Herzlichen Glückwunsch! Dieses Jubiläum ist schon bemerkenswert, so lange kontinuierlich durchzuhalten, durch alle Hochs und Tiefs des Tennissports, aber auch der veränderten Medienlandschaft, das ist doch, darf man das sagen? Ein Ass.

"50 Jahre sind ein Meilenstein", sagt Chefredakteur Andrej Antic, der der Redaktion seit rund 30 Jahren angehört und seit zehn Jahren die Verantwortung für das Magazin hat. Das Bemerkenswerte ist auch aus seiner Sicht, dass die inhaltlichen Schwerpunkte im Wesentlichen gleich geblieben sind: "Stars, Schläger, Training", kürzt er die Themen ab. Also Reportagen über Profiturniere und Topspieler, Verbraucherhinweise und Equipmenttests, auch mal Reiseempfehlungen. (Foto Erstausgabe: tennis MAGAZIN)

"Qualitätsjournalismus und klare Zielgruppenfokussierung", attestiert Ardalan Sheikholeslami, der Geschäftsführer des Verlages Jahr Media, dem Magazin. Und Verlegerin Alexandra Jahr sieht die inhaltliche Kontinuität ebenfalls als Erfolgsfaktor: "Das Jubiläum bestätigt, wie sehr Inhalte auch nach fünf Jahrzehnten bewegen können."

Ob das auch für Tipps fürs Ehepaar-Doppel gilt, sei dahin gestellt. Ausgeschlossen ist das nicht. Natürlich änderten sich Aufmachung, Layout, Stil – "den gesellschaftlichen Wandel gehen wir mit", so Antic, "die alten Hefte sind auch ein Stück Zeitgeschichte". Die Anzeigen für Alkohol und Zigaretten zum Beispiel, die sind längst tabu. Aber die großen Tennisausrüster, Autobauer, Reiseveranstalter und Sponsoren von ATP, WTA, Spielern und Turnieren buchen ihre zum Teil großflächigen Anzeigen. "Da sind wir zum Glück gut aufgestellt", sagt Antic. Der Kontakt zu diesen anderen "Playern" im Tennismarkt ist gut und eng und wird auch durch Kooperationen wie Gewinnspiele gepflegt.

35.000 Exemplare werden aktuell gedruckt, rund 25.000 davon für 10,90 Euro verkauft. Tennis erlebt seit Corona als kontaktloses Spiel wieder einen Mitgliederboom. Rund 1,5 Millionen Menschen waren Ende 2025 im Deutschen Tennis-Bund (DTB) organisiert, es war das fünfte Wachstumsjahr in Folge. Vor 50 Jahren waren es etwa 700.000. 1994 gab es mit 2,3 Millionen den absoluten Höchstwert. Der vorhergehende Becker-Graf-Stich-Boom hatte sich auch auf die Auflage des Magazins ausgewirkt, dessen Cover niemand öfter zierte als Boris Becker. "Aber 100.000 Exemplare haben wir nie verkauft", sagt Antic.

Gemeinsam mit Tim Böseler und Christian Albrecht-Barschel ist Antic der einzige festangestellte Redakteur. Zahlreiche Inhalte werden von einem Netz freier Mitarbeiter geliefert. Und die Arbeit ist nicht weniger geworden. Die Internet-Präsenz erfordert auch ein viel höheres Maß an aktuellen Texten. "Wir sind in einem Umbruch", erklärt der Chefredakteur, "wir wollen die Website modernisieren, den Content bei Instagram erhöhen, auch Padel mit in das Themenspektrum aufnehmen." (Foto Antic: tennis MAGAZIN)

Im Laufe der Jahre erweiterte sich das Portfolio mit "tennis SPORT" (Fachmagazin für Trainer und Vereine) und "smash" (das Tennismagazin der Schweiz) sowie um die Verbandszeitschriften "Württemberg Tennis", "Baden Tennis" und "Return", das Tennismagazin von Rheinland-Pfalz. "Ohne all das würde es uns nicht mehr geben", weiß Antic. Heute erscheint das "tennis MAGAZIN" zwölfmal jährlich als Printprodukt und E-Paper, ergänzt um weitere digitale Kanäle.

Für Antic ist dennoch klar: "Das gedruckte Magazin wird immer bleiben, das ist die Philosophie. Ich bin ein Fan von Print." Jüngere Zielgruppen müssen dennoch dringend erschlossen werden, die Leserschaft des "tennis MAGAZIN" ist mehrheitlich älter. "Boomer" sozusagen, die dem Heft treu geblieben sind und aktiv immer noch Tennis spielen. Nur jetzt in Seniorenklassen. Und deren Ehen vielleicht gehalten haben durch die Jahrzehnte – womöglich auch, weil sie dem Rat aus dem allerersten Heft gefolgt sind.