Der 12. April war ein guter Tag für Europa und für die Demokratie. Nicht nur deshalb, weil in Ungarn nach 16 Jahren die Autokratie von Viktor Orban abgewählt wurde, sondern weil wir es in der AIPS und in der AIPS Europa geschafft haben, die angestrebte Machtübernahme der Vertreter Ungarns aufzuhalten.
Wir haben an diesem Wochenende auch in einem Zusammenschluss demokratisch gesinnter Sportjournalistenverbände aus verschiedenen Ländern quer durch Europa erreicht, dass bei den Wahlen auf dem AIPS-Kongress in Lausanne sowohl die
ungarische Präsidentschaftskandidatin nicht gewählt wurde, als auch der ungarische Vize-Präsidentschaftskandidat für die AIPS Europa seine Kandidatur mangels Erfolgsaussichten zurückzog.
Diese Entscheidung ist deshalb höchst erfreulich, weil die beiden ungarischen Vertreter nachgewiesenermaßen erklärte und teilweise auch lautstarke Parteigänger Orbans sind, wie sich relativ leicht durch ihre Meinungsäußerungen in verschiedenen Medien nachvollziehen lässt. (Foto Volkmar: vds/Matthias Koch)
Um nur ein Beispiel der versuchten Einflussnahme zu nennen: Vor den Wahlen wurden an die Delegierten großzügig Uhren verschenkt – übrigens mit AIPS-Logo, ohne dass die AIPS etwas davon wusste.
Trotzdem gingen die Ungarn ebenso wie ihre Verbündeten in beiden Wahlen leer aus, während sich in geheimer Abstimmung alle unsere Kandidaten für beide Exekutivkomitees klar durchsetzen konnten. Entsprechend froh bin ich über die Wahl in den zwölfköpfigen Vorstand der AIPS Europa.
Der Dank gilt vor allem meinen engagierten Kollegen aus den Niederlanden, Belgien und Frankreich, die federführend vor mehr als einem Jahr unsere Gruppe für einen neuen Aufbruch der AIPS ins Leben gerufen haben.
Dieser Zusammenschluss von inklusive dem VDS insgesamt elf Sportjournalisten-Verbänden, auch aus Tschechien, Portugal oder Rumänien, hat mit professionellem und konsequentem Management bis zum Ende den Erfolg bei den Wahlen sowohl in Europa als auch global möglich gemacht.
Allerdings wurde trotz unserer Skepsis der bereits seit 2005 amtierende Gianni Merlo als Präsident wiedergewählt, weil die ungarische Gegenkandidatin aus den genannten Gründen unwählbar war.
Der mit drei Vierteln der Stimmen gekürte Merlo hat aber erklärt, dass er sich in vier Jahren nicht mehr zur Wahl stellen und aktiv an der Suche eines Nachfolgers beteiligen wird – auch dank unserer demokratischen Initiative gibt es einige geeignete Kandidaten.
Darüber hinaus gab es leider nur zwei Frauen in unserem Wahlvorschlag – eine aus Estland und eine aus Luxemburg –, die nun beide als Vizepräsidentinnen amtieren. Hoffentlich sorgt der Neustart dafür, dass bei den nächsten AIPS-Wahlen noch mehr für uns wählbare Frauen kandidieren werden.
Zusammenfassend bleibt mir im Rückblick auf die Tage in Lausanne zu sagen: Es war ein ermutigender Aufbruch für den internationalen Sportjournalismus, und das Hochgefühl wirkt nach, sich demokratisch ein Stück weit die Macht zurückgeholt zu haben.
Nun aber geht der Blick nach vorne – und da kann der VDS als Vorbild dienen mit der klaren Fokussierung auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Sportjournalistinnen und Sportjournalisten. Hierfür möchte ich als Mitglied der Exekutive meinen Beitrag leisten.
Martin Volkmar