Das Young Reporters Programme der AIPS

Ein idealer Einstieg

05.08.2026

Das Young Reporters Programme der AIPS dient der Förderung des Mediennachwuchses. Laura Ludovika Flöß berichtet von ihren Erfahrungen.

 

Noch während ich mich in den ersten Monaten meines Sportjournalismus-Studiums an der Hochschule für angewandtes Management in München zurechtfand, erhielt ich einen unerwarteten Anruf. Wenige Wochen später sollte ich Deutschland beim Young Reporters Programme des Internationalen Verbandes für Sportjournalisten (AIPS) während der UEFA U19-Frauen-Europameisterschaft in Bosnien und Herzegowina vertreten. Vom 27. Juni bis zum 10. Juli durfte ich gemeinsam mit NachwuchsjournalistInnen aus ganz Europa die EM journalistisch begleiten.

Das Programm war für mich ein Sprung ins kalte Wasser. Vor der Europameisterschaft hatte ich noch nie einen Artikel veröffentlicht oder ein Interview geführt, aber innerhalb weniger Minuten verwandelte sich Unsicherheit in Vorfreude. Der Wunsch, jede Erfahrung aufzusaugen, aus Fehlern schnell zu lernen und jede Gelegenheit zur journalistischen Weiterentwicklung zu nutzen, stand von Anfang an im Mittelpunkt. Ich hätte mir keinen besseren Praxiseinstieg in den Sportjournalismus wünschen können. (Foto Laura Ludovika Flöß: privat)

Ein typischer Tag begann mit frühen Unterrichtseinheiten, geleitet von den Mentoren Riccardo Romani und Martin Mazur. Beide verfügen über jahrzehntelange Erfahrung im internationalen Sportjournalismus und schreiben unter anderem für La Gazzetta dello Sport, The Guardian und die BBC. Anschließend begleiteten wir sämtliche Spiele der Europameisterschaft, pendelten mit von der UEFA bereitgestellten Vans zwischen den Stadien in Sarajevo und Zenica.

Post-Match-Interviews, längere Sit-Down-Gespräche, das Schreiben unter Zeitdruck und intensive Feedbackrunden bestimmten unseren Alltag. Wir arbeiteten uns von Interview zu Interview, von Artikel zu Artikel. Oft endeten die Tage erst spät in der Nacht. Begleitet wurden wir dabei nicht nur von unseren beiden Mentoren, sondern auch von einem Organisator der AIPS sowie drei Communications Representatives der UEFA. Ergänzt wurde das Programm durch Gastvorträge von Mitarbeitenden der UEFA und Persönlichkeiten aus der bosnischen Sportszene.

Die Anforderungen waren außergewöhnlich hoch. Tag für Tag mussten wir uns aufs Neue beweisen – und uns Kritik stellen. Bereits eine Minute Verspätung oder eine zum Interview mitgebrachte Notiz konnte ein Einzelgespräch nach sich ziehen. Das Feedback war direkt, ehrlich und manchmal unbequem, aber genau deshalb unglaublich wertvoll. Rückblickend war diese Konsequenz einer der Hauptgründe dafür, weshalb wir uns in so kurzer Zeit so stark weiterentwickeln konnten.

Während der EM durfte ich insgesamt 15 Post-Match-Interviews sowie ein längeres Sit-Down-Interview mit der deutschen Nationalspielerin Paula Rintzner durchführen. Ergänzt wurde die Arbeit durch das Schreiben mehrerer Artikel für die AIPS-Website sowie für das Shero Magazin. Besonders wertvoll war es, dass wir außerhalb des Programms auch eigene Projekte umsetzen konnten. Gemeinsam mit VDS-Juniormitglied Noah Becher entstand während dieser zweieinhalb Wochen auch unser Podcast "Blick Hinter Das Spiel", den wir durch das vor Ort erarbeitete Material auf die Beine stellen konnten.

Der DFB war während des gesamten Turniers äußerst zuvorkommend. Die deutschen Nationalspielerinnen sowie die Bundestrainerin Melanie Behringer kamen nach dem Schlusspfiff ganz selbstverständlich für Interviews in die Mixed Zone, sodass sich Nervosität zunehmend in Routine verwandelte. (Laura Ludovika Flöß und Anne Rei, Vorsitzende des Uefa-Komitees für Frauenfußball. Foto: privat)

Persönlich gab es auch einige Erkenntnisse. Als introvertierter Mensch und ursprüngliche Sportfotografin war ich es gewohnt, hinter der Kamera zu stehen. Das Interviewen und die Arbeit vor der Kamera wuchsen mir überraschend schnell ans Herz. Die direkten Gespräche mit Spielerinnen und Trainern vor der Kamera sowie das Moderieren kleiner Video-Beiträge waren für mich die absoluten Lieblingsmomente des ganzen Programms und haben meinen persönlichen Bezug zum Sportjournalismus nachhaltig verändert.

Besonders beeindruckt hat mich jedoch, dass sich die anfänglichen Worte unserer Mentoren bewahrheitet haben: Das Netzwerk der AIPS besteht auch nach dem Turnier weiter. Riccardo Romani und Martin Mazur bestanden von Beginn an darauf, dass wir ihnen auch nach dem Programm von unseren journalistischen Wegen berichten. Gleichzeitig machten sie uns immer wieder deutlich, dass wir sie jederzeit kontaktieren können, sei es bei fachlichen Fragen, neuen Projekten oder auch persönlichen Anliegen. 

Mein besonderer Dank gilt dem Verband Deutscher Sportjournalisten. Ohne die Unterstützung des VDS wäre diese außergewöhnliche Erfahrung nicht möglich gewesen. Aus Bosnien bleiben nicht nur wertvolle Praxiserfahrung und neue Kontakte, sondern vor allem die Gewissheit, im Sportjournalismus genau den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.