Es gibt Indikatoren, anhand derer man merkt, dass man nun doch schon zehn Jahre auf dem Buckel hat. Bei Kindern hat dann langsam aber sicher auch die pflichtvergessenste Patentante mitbekommen, dass der Kleine doch schon in die Schule geht. Und bei Streamingdiensten mit eher ungewöhnlichen Namen wie DAZN? Stellt man erstaunt fest, dass kaum noch einer herumstottert, wenn er den ausspricht.
Darüber freut sich auch Haruka Gruber, dem sein Titel "Senior Vice President Media Central Europe" genau so leicht über die Lippen geht. Zwar gebe es noch Menschen, die DAZN "irgendwie französisch" aussprechen. Aber ja: "Es gibt wenige Brands, die aus dem Nichts gekommen und so haften geblieben sind. So lange das so ist, ist uns auch eher egal, wie wir ausgesprochen werden."
Überhaupt hat der Jubilar am 10. August Grund zum Feiern. "Ziel war, für die neue Generation das zu werden,
was Spotify in der Musik und Netflix bei fiktionalen Inhalten ist", sagt Gruber. Und das habe man geschafft: "Viele Indikatoren belegen, dass wir heute der größte Sportbroadcaster Deutschlands sind." (Foto Haruka Gruber: DAZN)
Zugute kommt dem aus der Perform Group hervorgegangenen Londoner Unternehmen mit Redaktionssitz in München dabei der gewandelte Medienkonsum bei der jungen Generation. Die interessiert sich auch für American Sports und andere Sportarten, die ihren Eltern weitgehend egal waren. Damals, als DAZN noch in den Kinderschuhen steckte und mit einem kleinen Budget haushalten musste, setzte man auf die Rechte für günstig zu erwerbende Ligen wie die spanische La Liga, die italienische Serie A oder die französische Ligue 1 – und American Sports, allen voran die NFL und die NBA. Dass das derart einschlug, das gibt Gruber zu, sei nicht zu berechnen gewesen: "Es war eine glückliche Fügung, weil die Jüngeren digitalaffiner sind und die Rechte, die für diese Zielgruppe interessanter sind, auch finanzierbar waren", sagt Gruber. Man habe allerdings "durchaus schon damals gesehen, was funktioniert".
Bis 2019 war DAZN ein reines Streamingportal, das sich im Fußball auf wenig beachtete ausländische Ligen konzentrierte, ehe die Einkäufer mit der englischen Premier League ein erstes Ausrufezeichen setzten. In den Anfangsjahren arbeitete man hochdefizitär, die Rede ist von einem zwischenzeitlichen Minus von über neun Milliarden Euro. Heute überträgt DAZN Premium-Content wie die Bundesliga und die Champions League – die ab 2027 allerdings vom Marktneuling Paramount gesendet wird.
Ein absehbarer Verlust wie jener der europäischen Königsklasse bedeute aber nicht, dass man Sportereignisse, deren Übertragungsrechte der Konkurrenz gehörten, links liegen lasse, betont Gruber.
"Wir haben schon vor Jahren verinnerlicht, dass Sport mehr ist als nur Live-Sport. Deswegen haben wir auch so viel rund um die Fußball-Weltmeisterschaft gemacht, obwohl wir an ihr keine Live-Rechte hatten." Dazu kämen interaktive Features wie "Multiview" oder die "Fanzone", die jeder dritte User auch nutze. (Startseite von DAZN mit Auswahl der Sportarten. Foto: Screenshot sj/vds)
Allerdings: Seitdem DAZN auch die teuren Blockbuster überträgt und immer mehr Rechte dazugekauft hat, ist das Abo, das anfangs 9,99 Euro kostete, teuer geworden: 35 bis 45 Euro kostet das Vergnügen heute monatlich. Geschadet hat das dem Jubilar offenbar nicht. Die Abonnentenzahlen liegen eigenen Angaben zufolge im einstelligen Millionenbereich.
Natürlich, sagt Gruber, gebe man als Unternehmen, das in den vergangenen Jahren "in Gänze viel erwachsener" geworden sei, Marktanalysen in Auftrag. Und die hätten ergeben, dass viele Menschen bereit seien, für prominente Sportereignisse tief in die Tasche zu greifen. Ein Umstand, der sich auch bei der zurückliegenden WM bestätigte, als von bild.de über kicker bis zu Magenta und den Öffentlich-Rechtlichen Rekordzahlen gefeiert wurden. "Allen Unkenrufen zum Trotz schauen derzeit noch mehr Menschen Fußball als je zuvor", sagt Gruber.
Dass DAZN nun die Rechte an der Champions League verlieren wird, dürfte intern deshalb auch als Schlag ins Kontor verbucht worden sein. Doch zum einen habe man "in den vergangenen Jahren gezeigt, dass wir uns immer wieder neu erfinden können", beteuert Gruber. Und zum anderen sei ihm vor den kommenden zehn Jahren allein deshalb schon nicht bange, weil man den Weg vom nationalen zum globalen Player weitergehen wolle. "Selbst wenn es in einem regionalen Markt mal Rückschläge geben sollte – als globaler Sportbroadcaster wollen wir weiter wachsen."