Der VDS-Wahlkongress in Dortmund

Lebhafte Tage

02.05.2023

Die Preisträger ausgezeichnet, das Präsidium wiedergewählt – doch beim Wahlkongress in Dortmund ging es um mehr. Unter anderem um Neven Subotic und den „sportjournalist“ in seiner neuen Form als Newsletter. Für alle, die nicht dabei sein konnten, blickt Stefan Freye zurück.

 

Der feierliche Teil der Veranstaltung fand in der "Arena" des Deutschen Fußballmuseums statt. Insofern traf es sich ganz gut, dass es dort einen kleinen Zweikampf zu erleben gab, allerdings einen der harmlosen Art. "Es war ein bisschen schwierig, hierher zu fahren", bekannte Werner Feugmann nämlich lächelnd. Er steht im Mittelpunkt des Fotos "Abschied vom Ehrenamt", mit dem Jürgen Fromme den 1. Platz in der Kategorie "Amateur- und Jugendfußball" gewann. Es zeigt Feugmann, wie er am letzten Tag seiner fast 40-jährigen Tätigkeit für den DJK Dülmen durch ein Spalier junger Kicker geleitet wird. Doch bevor er ein paar bewegte Worte an die rund 100 Gäste der Gala richtete, wies der bekennende Fan von Schalke 04 eben noch darauf hin, was ihm eine Reise nach Dortmund ganz grundsätzlich abverlangt.

Es sollte nicht lange dauern, da erschien Neven Subotic auf der Bühne, nahm den Faden auf und zeigte ein eher gespieltes Verständnis für Werner Feugmanns Probleme. Er kennt ja die Rivalität der beiden großen westfälischen Fußballvereine. Das Schmunzeln des einstigen BVB-Profis unterstrich: Subotic fand Gefallen an der Auseinandersetzung, und so stand das kleine Revierderby im Deutschen Fußballmuseum sinnbildlich für die VDS-Gala: Es ging unterhaltsam zu, mit gut gelaunten Gästen und tollen Leistungen, die eine würdige Anerkennung erhielten.

Dabei sorgte die Preisverleihung an Neven Subotic zweifellos für eines der zahlreichen Highlights. Seine 2012 gegründete Stiftung, mittlerweile unter dem Namen well:fair bekannt, baut Brunnen in Ostafrika und sorgt sich dort zudem um die Ausstattung von Schulen mit Sanitäranlagen. Über 500 Projekte wurden mithilfe von Spenden bereits realisiert. Für dieses soziale Engagement erhielt Subotic das Goldene Band des VDS und ziemlich viel Applaus, natürlich auch von Werner Feugmann. Der Geehrte bedankte sich unter anderen mit einem verschmitzten Hinweis auf die eigene Anreise: "Dass Sportler zu Journalisten kommen, hat man auch nicht alle Tage." (Foto Erich Laaser, Neven Subotic, André Keil, v.l.n.r.: Edith Geuppert)

Nachdenklich wurde es auch bei so mancher der prämierten Arbeiten. Ob nun beim Großen VDS-Preis ("Fifa – Der große Deal"), dem großen Online-Preis ("Missbrauch im Sport – das Grauen hinter der Kabinentür") oder beim Nachwuchspreis ("Ich muss dreimal pro Woche an die Steckdose") – die PreisträgerInnen widmeten sich nicht selten dem Geschehen abseits der Scheinwerfer und belegten eindrucksvoll, dass der Sportjournalismus so viel mehr sein kann als schlichte Berichterstattung. Das galt besonders angesichts der zahlreichen jungen KollegInnen, die erstmalig auch in der Kategorie "Foto" ausgezeichnet wurden. "Um den Nachwuchs ist mir nicht bange", meinte VDS-Präsident André Keil, fügte allerdings hinzu: "Wichtig ist, dass wir ihn an uns binden."

Die ernsten Worte des Präsidenten schlugen eine Brücke zur eigentlichen Arbeit dieses Wahlkongresses vor der Gala am Abend und am Morgen danach. Schließlich bestand ein Thema der Veranstaltung mit rund 50 Delegierten in der nach wie vor schwierigen Altersstruktur des VDS. Vizepräsident Arno Boes, der den Posten als kommissarischer Geschäftsführer mittlerweile an seinen hauptamtlichen Nachfolger Mathias Merschhemke abgetreten hat, rechnete dem Plenum vor: "Rund 50 Prozent der 3334 VDS-Mitglieder stammen aus den Jahrgängen 1951 bis 1970."

In den kommenden Jahren sind demnach zahlreiche Austritte durch das Erreichen des Rentenalters zu erwarten. Sie lassen sich durch die Eintritte jüngerer SportjournalistInnen vermutlich nicht kompensieren, gilt deren Nachfrage nach einer Mitgliedschaft in einem berufsständischem Verband doch nach wie vor als überschaubar. "Wir müssen uns gemeinsam Gedanken machen: Wie interessieren wir jüngere Mitglieder für den VDS", forderte Boes also. Der Verband selbst hat sich unter anderen mit einem eigenen YouTube-Kanal, diversen Kooperationen und dem Campus Sportjournalismus mit seinen umfassenden Fortbildungsangeboten neu aufgestellt. Aber auch die Regionalvereine sind gefordert, so lautete die klare Botschaft des Präsidiums (VDS-Präsidium v.l.n.r: Der neue Fotografensprecher Kevin Voigt, Präsident André Keil, Schatzmeister Wolfram Köhli, Beisitzer Thorsten Poppe, 1. Vizepräsidentin Elisabeth Schlammerl, Beisitzer Martin Volkmar, 2. Vizepräsident Arno Boes. Foto: Wolfgang Rattay)

Ähnlich deutlich positionierte sich VDS-Präsident André  Keil hinsichtlich der Einstellung des gedruckten "sportjournalist" zum Ende des Jahres 2021: "Das Thema ist hinsichtlich der Nachhaltigkeit schwierig und hinsichtlich der Kosten, die wir bereits vor anderthalb Jahren benannt hatten, noch schwieriger." Sicher ist: Ein "sportjournalist" in alter Gestalt würde mindestens eine Summe im fünfstelligen Bereich erfordern, ganz unabhängig von Auflage und Erscheinungsweise. Die Wiederauflage des nun seit rund anderthalb Jahren durch den monatlichen Newsletter ersetzten Magazins müsste also durch eine deutliche Erhöhung der Mitgliedsbeiträge refinanziert werden.

"Wir sind noch der günstigste Presseverband", kommentierte André Keil die Diskussion vielsagend. Sie war entstanden durch den Hinweis auf den Unmut in einigen Regionalverbänden – vor allem ältere Mitglieder würden sich das Magazin zurück wünschen. Andere Delegierte berichteten dagegen von einem allgemeinen Verständnis für das Ende der kostspieligen Druckversion. "Auch an uns ist niemand herangetreten", unterstrich Arno Boes. Einen Kompromissvorschlag unterbreitete er trotzdem: Eine Meinungsumfrage unter den VDS-Mitgliedern soll demnächst für "gesicherte Zahlen" sorgen.

Der Nachfolger des gedruckten "sportjournalist", eben der monatlich erscheinende VDS-Newsletter, hat sich offenbar etabliert. "Wir haben ihn im April bereits 4500 Mal verschickt", berichtete Elisabeth Schlammerl, 1. Vizepräsidentin und für den Newsletter verantwortlich. Sie verzeichnete einen weiteren Erfolg durch die Umgestaltung der digitalen Verbandsmedien, die nach Jahren der Zusammenarbeit mit Agenturen und Verlagen nun gänzlich durch VDS-Mitarbeiter betreut werden. "Wir sind jetzt frei und damit flexibler", unterstrich Arno Boes.

Da fehlten eigentlich nur noch Wolfram Köhli und seine Zahlen. Der Schatzmeister berichtete von einem "im Prinzip ausgeglichenen" Haushaltsergebnis und einem Verbandsvermögen in Höhe von rund 275.000 Euro. Davon abzuziehen ist allerdings eine Rücklage von 100.000 Euro. Sie wird vorsorglich gebildet, um die Kosten einer ganz besonderen Veranstaltung auch im schlechtesten Fall decken zu können: 2027 sollen in Berlin "100 Jahre VDS" gefeiert werden.

Die kommende VDS-Kongresse werden nach Auslaufen des Vertrages mit dem Deutschen Fußballmuseum in Dortmund dagegen wieder durch Regionalvereine ausgerichtet, voraussichtlich in Hamburg (2024) und München (2025). Geleitet werden sie aber ganz sicher durch ein Präsidium, das auf diesem Kongress einstimmig wiedergewählt wurde. Lediglich Wolfgang Rattay (Rattay-Foto: Edith Geuppert) zog sich vom Posten des Fotografensprechers zurück und wurde durch den zuvor auf der Fotografenversammlung vorgeschlagenen Kevin Voigt ersetzt. Dabei machte sich Rattay zum Abschied ernsthafte Sorgen um seinen Berufsstand und den zunehmenden Preisdruck: "Ich gehe nicht im Gram, aber mit einem faden Beigeschmack."

So waren die Tage in Dortmund: Es ging um Herausforderungen und positive Entwicklungen, es wurde fröhlich gelacht und ernsthaft diskutiert, nach Lösungen gesucht und die Zukunft geplant. Es waren lebhafte Tage.