Der DFB als Fernsehanbieter

Noch näher am Menschen

06.05.2026

Am 22. Mai startet der Verband einen eigenen TV-Sender und eine kostenpflichtige App. Angeblich geht es nicht ums Geld, sondern um Sichtbarkeit für Spiele, die sonst nirgendwo laufen, schreibt Frank Hellmann.

 

 

Die Palette der Fernsehanbieter ist bald um eine prominente Institution reicher. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) startet einen eigenen TV-Sender, um "Themen aus dem DFB-Kosmos zu bündeln, die derzeit nicht im medialen Hauptinteresse sind oder verstreut gezeigt werden", wie Generalsekretär Holger Blask erklärt. Der Senderstart ist für den 22. Mai am Vorabend des DFB-Pokalfinales zwischen dem FC Bayern und dem VfB Stuttgart geplant. Am 23. Mai werden bereits Live-Spiele vom Finaltag der Amateure zu sehen sein.

Blask spricht für den Verband vom "nächsten großen Schritt in der medialen Weiterentwicklung". Zum Programm sollen Live-Übertragungen der Junioren und Juniorinnen-Nationalteams, aus der 2. Frauen-Bundesliga bis hin zu Futsal, Beachsoccer und dem DFB-ePokal gehören. Eine Besonderheit für diesen Sommer werden Live-Streams und Videos aus dem WM-Basecamp der deutschen Nationalmannschaft in Winston-Salem sein, um Einblicke zwischen den Spielen bei der WM 2026 zu geben. Die Übertragung der Pressekonferenzen ist geplant, zudem Live-Schalten ins "German House of Soccer" im Herzen von New York.

DFB.TV wird über bestehende Sender wie Sky und DAZN sowie Plattformen wie HD+, Vodafone und Zattoo ausgestrahlt. Verhandlungen mit der Telekom laufen. Wer beispielsweise schon ein DAZN-Abo besitzt, hat keinerlei Mehrkosten. Wer allerdings keinen solchen Zugang besitzt, muss für die App DFB.TV+ monatlich 5,99 Euro oder im Jahresabo 59,99 Euro zahlen. Und als besonderes Bonbon: Am 24. Mai wird auf dieser Plattform exklusiv die Dokumentation "Der Weg ist das Team" über die deutsche Frauen-Nationalelf bei der EM 2025 in der Schweiz ausgestrahlt. Sechs Folgen, die den besonderen Weg dieses Teams nachzeichnen. (Logo DFB.TV: DFB/Screenshot VDS)

Eine Zielvorgabe für verkaufte Abos nennt der DFB nicht. Ohnehin geht es ihm angeblich nicht ums Geld, sondern um Sichtbarkeit für Fußballspiele, die sonst nirgendwo laufen würden. Schaffen beispielsweise die Fußballerinnen von Borussia Dortmund mit ihrem prominenten Sommer-Neuzugang Alexandra Popp den Aufstieg in die 2. Frauen-Bundesliga, wäre dieses Team sicherlich ein erstes Zugpferd für den DFB-Sender.

Blask, der gleichzeitig auch als Vorsitzender der Geschäftsführung der DFB GmbH & Co. KG agiert, glaubt: "Mit diesem Angebot bringen wir den Fußball in seiner ganzen Breite noch näher an die Menschen." Vor allem würden sie das Bewegtbildangebot gebündelt auf einer Plattform vorfinden. Zuvor war es mitunter mühsam, die DFB-Videos zu finden und zu sichten.

Blask findet, man setze ein klares Signal "für mehr Sichtbarkeit, für alle Facetten des Fußballs, für eine zeitgemäße Form der Fanansprache". Der neue Player in der deutschen Sportmedienlandschaft gibt sich selbstbewusst. Logisch, dass der DFB bei seinen mehr als acht Millionen Mitgliedern auch Imagepflege betreiben kann, wenn er das Angebot selbst steuert. Insgesamt soll täglich ein Acht-Stunden-Programm zusammenkommen. (Foto Blask: GES-Sportfoto/Markus Gilliar)

Die Produktion übernimmt die Sportainment Media Group aus Hamburg, die mit dem größten Einzelsportverband der Welt ein Joint Venture eingeht. Deren Know-how hilft beim technischen und redaktionellen Sendebetrieb.

Für Kommunikationsdirektor Steffen Simon, früher Leiter der ARD-Sportschau und WDR-Sportchef, ist es nur logisch, dass sich der Verband eine eigene Bezahlplattform zulegt, die seit anderthalb Jahren in der Planung war. "Es geht um alle Inhalte, die wir als DFB nicht exklusiv oder gar nicht vermarkten", sagt Simon im Gespräch mit dem VDS-Newsletter. "Wir haben nicht nur drei Nationalmannschaften, sondern 16, die alle einen Adler auf der Brust tragen und ein öffentliches Interesse erzeugen."

Man solle auch nicht vergessen, mit welcher Geschwindigkeit beispielsweise "das zarte Pflänzchen" Futsal wachse. Klar sei auch, dass dieser Kanal den Verband letztlich nichts kosten darf. Die Finanzierung basiere auf zwei Säulen: "Zum einen bekommen wir von den Plattformen, die DFB.TV einspielen, eine finanzielle Entschädigung. Zum anderen haben wir mit Publicis eine der größten Werbeagenturen der Welt, die uns Werbekapazitäten für die ersten drei Jahre abgekauft hat", erklärt Simon. Die Publicis Groupe soll die Markteinführung, den Reichweitenaufbau und die Vermarktung steuern. (Foto Simon: GES-Sportfoto/Markus Gilliar)

Bereichert wird das Angebot durch Sonderformate wie Pokalauslosungen oder die Verleihung des Julius Hirsch Preises, der Sepp-Herberger-Awards, Veranstaltungen auf dem DFB-Campus oder Tipps zu Talentförderung und Trainingsmethoden. Es gibt aber auch Zusammenfassungen des DFB-Pokals der Männer und Frauen, der 3. Liga, der Frauen-Bundesliga und der Spiele der Nationalmannschaften sowie Rückblicke auf die Geschichte des DFB, große Turniermomente der Auswahlteams und legendäre Pokalspiele.

Keineswegs soll DFB.TV ein journalistisches Angebot sein, sondern Teil der PR-Strategie, heißt es. Angeblich will der Verband auch keine Konkurrenz zu bestehenden Medienangeboten aufbauen. Dass die Grenzen für den Zuschauer jedoch dabei zerfließen, ist gar nicht zu vermeiden. Ebenso wenig, dass König Fußball sein Hoheitsgebiet in Sportdeutschland immer weiter ausbaut.