Nach der These von Albert Camus (nein, kein renommierter Fußball-Kommentator) muss man sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen. Die griechische Mythengestalt musste bekanntlich ein ums andere Mal einen Felsblock den Berg hinaufrollen, bevor dieser kurz vor dem Gipfel wieder hinunterkullerte.
Folgt man dem französischen Schriftsteller und Philosophen, dann müssen alle Pädagogen, Übungsleiter, Medienvertreter, Politiker oder Funktionäre (natürlich alle nicht nur männlichen Geschlechts), die sich dem Fair-Play-Gedanken verschrieben haben, ähnlich fühlen wie die Sagenfigur aus der Antike. Denn so sehr sie in ihrem Tun auf einen fairen Umgang im Sport (und darüber hinaus) hinwirken, egal auf welcher Ebene, so kommen sie doch nie ans Ziel.
Ein ums andere Mal wird der Fair-Play-Gedanke mit Füßen getreten. Ob bei der Übertretung vorgegebener Regeln, ob mit Fouls gegenüber dem Gegner, ob durch Beleidigungen der Unparteiischen, ob beim Gebrauch von verbotenen leistungsfördernden Mitteln, sprich Doping, oder, oder, oder. Beispiele lassen sich (leider) immer noch und immer wieder genügend finden.
Aber müssen wir uns deshalb wie Sisyphos mit der
Situation abgeben? Es so hinnehmen? Klaglos? Die Folgen sind kaum vorstellbar. Der schon durch die zunehmende Kommerzialisierung geprägte, gebeutelte und deformierte (Spitzen-)Sport würde Sinn und Zweck verlieren. (im Bild: Simon Ehrhammer und Niklaus Kaul, Preisträger 2022. Foto: DOSB/picture-alliance)
Deshalb kann die Antwort nicht heißen "Kein Fair Play"! Vielmehr müssen wir weiter den Felsbrocken den Berg hinaufrollen, den Fair-Play-Gedanken ein ums andere Mal vertreten und propagieren. Deshalb ist auch die Verleihung des Fair Play Preises des Deutschen Sports vielleicht keine alternativlose Sache, aber eine weiterhin ungemein wichtige. Trotz alledem, wie man angesichts der vielen Negativ-Beispiele hinzufügen kann.
Denn es gibt sie, die fairen Gesten, Beispiele und Einstellungen. Immer und immer wieder. Um sie herauszustellen und als Beispiele wirken zu lassen, dafür gibt es den erwähnten Fair Play Preis des Deutschen Sports. Vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Verband der Deutschen Sportjournalisten (VDS) gestiftet und von zahlreichen Organisationen mitgetragen.
Aber greifen wir uns doch erst einmal selbst an die Nase. Gerade wir Medienschaffende im Sport sollten verpflichtet sein, für einen fairen Sport einzutreten. In Bild, Wort und Text. Und wir sollten die besonders fairen Gesten beachten und herausstellen. In unserer täglichen Arbeit, aber auch als Vorschläge für die Verleihung des Fair Play Preises des Deutschen Sports. Das ist nicht schwer.
Gehen Sie einfach auf https://fairplay.dosb.de/. Hier können Sie bis zum 31. Dezember 2023 Vorschläge für den Fair Play Preis des Deutschen Sports 2023 einreichen. Nominiert werden können Sportler*innen genauso wie Mannschaften, Vereine, Institutionen und Initiativen.
Und dann werde ich mich gerne mit der restlichen Jury daran setzen, die Preisträger 2023 zu ermitteln. Damit Fair Play wieder etwas mehr in den Blickpunkt rückt. Und vielleicht fühle ich mich dann ein bisschen wie Sisyphos.