Der WM-Titel der deutschen Basketballer sorgt beim Fachmagazin BASKET für einen Schub bei den Verkaufszahlen. "Wir haben schon bei der WM gemerkt, dass die Lust, mehr über Basketball zu erfahren, riesengroß ist", sagt Chefredakteur Tobias Enke im Gespräch mit dem sportjournalist.
Bereits die Sonderausgabe im Vorfeld der Weltmeisterschaft hatten die Fans außerordentlich gut angenommen. Eine regelrechte Euphorie verzeichnete Enke jedoch beim Verkaufsstart der jüngsten Ausgabe – inklusive Poster der WM-Helden. Die neue Ausgabe der BASKET erzielte in der ersten Woche den stärksten Verkaufsstart der vergangenen Jahre.
Für das Magazin, das nach dem Rücktritt von Dirk Nowitzki über mehrere Jahre eine kontinuierlich sinkende Auflage plagte, sind das gute Nachrichten. Mit Sitz in Köln richtete sich die Redaktion ab 2022 neu aus. Sie entwickelte neue Formate und fokussierte digitale Strategien. Sie verstärkte den Austausch mit der Zielgruppe, druckt jetzt wieder Leserkommentare ab und wählt noch gezielter ihre Themen aus. (Foto BASKET-Chefredakteur Tobias Enke: BASKET)
Tatsächlich gelang die Kehrtwende, die jetzt mit der neuen Basketball-Euphorie weiteren Schwung gewinnt. Die Auflage erreichte zuletzt 12.000 Printausgaben: zehn Prozent mehr Abos, 56 Prozent mehr Online-Verkäufe von Einzelheften und ein Plus von zehn Prozent am Kiosk.
Dabei haben die euphorischen Nachwehen des WM-Titels gerade erst begonnen. ProSieben und ProSieben MAXX zeigen ab dieser Saison wieder Livespiele aus der nordamerikanischen Profiliga NBA im Free-TV, samt Play-offs und Finals. Das Interesse an den Stars der deutschen Nationalmannschaft, die in den USA ihr Geld verdienen, ist drastisch gewachsen und dürfte durch die steigende Fernsehpräsenz bis auf Weiteres stabil bleiben.
Die Neugier auf die Rolle von Dennis Schröder (Toronto Raptors), Daniel Theis (Indiana Pacers) oder der Brüder Moritz und Franz Wagner (beide Orlando Magic) kommt damit auch der BASKET zugute. Nach vielen Jahren hat der Verlag sogar wieder ein vergünstigtes Schüler-Abonnement eingeführt, um auch den zunehmend interessierten Taschengeld-Lesern den Einstieg zu ermöglichen.
Allerdings spielen die Deutschen in der BASKET nur die zweite Geige. Das Magazin hat sich immer als deutsches Fachmedium für die Berichterstattung über die NBA verstanden und wird das auch weiterhin tun. Auf den Titeln prangen vornehmlich die All-Stars der besten Basketballliga der Welt.
Die Strategie ist nicht untypisch für die Köln.Sport Verlag GmbH, die das Heft herausgibt. Im Redaktionsbüro produzieren zahlreiche Schwester-Redaktionen etliche weitere Titel mit ähnlicher Konzeption. Beispielsweise die Bravo Sport. Wer es dort auf den Titel schafft, ist schon ein Star.
Dennoch rücken nach dem WM-Titel Spieler wie Isaac Bonga oder Andreas Obst, die beide beim FC Bayern unter Vertrag stehen, zunehmend in den Fokus der Redaktion. Deren Ansatz für Geschichten über die beiden Bundesliga-Profis: Weshalb spielen sie nicht in der NBA? Hätten sie das Zeug dazu? Eine Analyse der Spielweise von Bayern München dagegen interessiert die Leser der BASKET weniger.
Darum kümmert sich das zweite große deutsche Basketballmagazin – BIG Basketball in Deutschland. Hier steht die Bundesliga klar im Zentrum der Aufmerksamkeit, erst danach folgen deutsche Basketballer im Ausland. "Kritisch, aber konstruktiv" wolle man "die Basis des Basketballs in unserer Gesellschaft verbreitern", heißt es auf der Website des Mediums.
Chefredakteur Martin Fünkele ist der Reflex, vom WM-Titel auf einen möglichen Boom zu schließen, zwar suspekt, aber zweifellos hätten die Auftritte von Spielern wie Schröder den Basketball "wieder sexy gemacht" und die Akzeptanz der Sportart in Deutschland erhöht. Schon das Vorschau-Magazin auf die Weltmeisterschaft habe deutlich über der Ausgabe vor der EM im vergangenen Jahr gelegen. Bis zu 40.000 Exemplare groß ist die Auflage für die Vorschau auf die Bundesliga-Saison. (Foto BIG-Chefredakteur Martin Fünkele: BIG)
Die Bundesliga selbst hat an den ersten drei Spieltagen der neuen Saison einen Zuschauerzuwachs von 20 Prozent erlebt. Mehr Interesse an der Liga mündet bestenfalls auch in steigendem Interesse an BIG. Im Vergleich zur BASKET ist die Leserschaft der BIG deutlich älter. Ihren Schwerpunkt bildet die Gruppe der 35- bis 49-Jährigen, die sich für eine andere Aufbereitung von Themen interessieren als das jüngere Publikum der BASKET.
Insofern ist die geringe Zahl von lediglich vier Bundesliga-Spielern in der Goldmedaillen-Mannschaft für die BIG-Redaktion weniger tragisch, weil sie ihr Publikum vornehmlich aus der Fanbasis der Vereine und des Breitensports schöpft. Dennoch nutzt auch die BIG den WM-Titel als Aufhänger. Im November ziert Weltmeister Johannes Thiemann von Alba Berlin den Titel des Blattes. Die Geschichte dahinter wird sich mit Thiemanns persönlicher Entwicklung zum wertvollen Element für den deutschen Basketball befassen – weniger mit der Idee, dass er eine Marke darstellt.
Einen weiteren Effekt für das Heft erkennt Fünkele im gestiegenen Interesse von potenziellen Werbepartnern für Anzeigen oder Sonderaktionen. Gemeinsam mit einem Sponsor des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) konnte nun erstmals ein Teamposter im A1-Format realisiert werden. Ob sich daraus eine Serie ergibt, die alle Spieler des WM-Kaders umfassen soll – also nicht nur die großen Namen aus der NBA –, ist noch nicht sicher. "Ohne diese WM hätten wir über eine solche Aktion im Print sicher erst gar nicht nachdenken müssen", sagt Fünkele.
Marcel Grzanna ist Freelancer. Hier geht es zu seiner Facebookseite.