Marcel Reif schickt als Geburtstagsgruß eine kleine Reminiszenz. Unbedeutend sei die Wichtigkeit einer Viererkette am Tag vor dem Spiel. „Was morgen in der Begegnung geschieht, können wir nicht beeinflussen“, hätte ihm Dieter Kürten immer wieder eingetrichtert, gerade als der eifrige Reif für den Reporter Kürten Fußballfakten als damaliger Assistent sammelte. „Aber wie wir den Abend vor dem Spiel mit einem warmen Essen und einem Kaltgetränk gestalten, in entsprechender Qualität, das können wir schon beeinflussen“, sagte einst Kürten und setzte zum Klassiker an. „Denn nur ein gut genährter und gutgelaunter Zeisig kann fröhlich trällern.“
375 Mal, so oft hat Dieter Kürten das aktuelle sportstudio moderiert. Zwischen Lässigkeit und Leichtigkeit, zwischen Seriösität und Show. Das hat ihm den respektvollen Beinamen „Mr. Sportstudio“ eingebracht. 1971. Seine Gäste: Tarzan-Darsteller Johnny Weissmuller mit Ehefrau und ein Schimpanse. Und ausgerechnet der reißt Weissmullers Frau die Perücke vor laufender Kamera vom Kopf. Kürten zwischen Charme und Schimpanse, zwischen Tarzan, Triumphen und Torwand (Foto: GES-Sportfoto).
Kürten ein Unterhalter der Herzen. Nicht grundlos. Im Alter zwischen vier und zehn Jahren entkommt er Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg. Aus der Angst ist Leichtigkeit entstanden. Für ein Musikstudium fehlt das Geld. Über die Umwege Speditionskaufmann und Pressestelle eines Stahlkonzerns kommt er zum Düsseldorfer Mittag, einer Tageszeitung. Später sagt Kürten über sich: „Ich habe viel Glück gehabt.“
1963 folgt ein Vorstellungsgespräch in den sagenumwobenen Baracken von Eschborn, danach Pionier-Arbeit beim neu gegründeten ZDF, Abteilung „Wim Thoelke“ mit einer Unterhaltungssendung aus Musik, Show und sportlichem Charakter. Von 1967 bis 2000 moderiert Kürten das aktuelle sportstudio. Kürten und der Glaube – daraus hat er nie einen Hehl gemacht. Sein Lieblingsgast wäre, hätte er wählen dürfen, Jesus gewesen. Es wurden, eine kleine Auswahl, Pelé, Cindy Crawford, Michael Schumacher, Boris Becker, Steffi Graf und der spätere Freund Franz Beckenbauer. Ein Gebet vor jedem Auftritt, auch das gehört zu Dieter Kürten. „Lass das gelingen.“
Als Dieter Kürten am 1. November 2011 einen Herzinfarkt erleidet, rettet ihn auf der Straße eine marokkanische Altenpflegerin. Kürten war auf der Rückkehr von einem Kirchgang. „Ich habe den Tod überlebt“, sagt er dankbar. Seine Herzschwäche hat er, typisch im Duktus eines Kürtens, „von meiner Mutter vererbt bekommen“. Seitdem engagiert sich Kürten in der Deutschen Herzstiftung und gründete den Verein „Hand aufs Herz“.
Beim ZDF kommt heute noch Fanpost an, für den einstigen Krawattenmann des Jahres. Einer, der Wolf-Dieter Poschmann, Günther Jauch und Michael Steinbrecher zu Moderatoren gemacht hat. Der Reporter war, 1980 im EM-Finale zwischen Deutschland und Belgien. Eigentlich hätte jeder solch „einen Typen“ wie Kürten gerne in seinem Freundeskreis. Aber das wäre dann doch des Guten zu viel, von einem, der die Freiheiten des aktuellen sportstudios noch heute als „große Möglichkeit seines Lebens“ beschreibt. Dieter Kürten – einer, wie keiner, der aus Duisburg in die Welt zog.
Autor Eike Schulz ist Sportredakteur beim ZDF und gehört dem Sportpresse-Club Wiesbaden-Mainz an. Wir danken metropress, das Aufmacherfoto von Dieter Kürten nutzen zu dürfen. Die Agentur ist gemeinsam mit dem Verband Deutscher Sportjournalisten und dem Verein Frankfurter Sportpresse Veranstalter des Deutschen SportpresseBalls in der Alten Open Frankfurt. Dieses Jahr steigt das Gala-Event am 8. November. Hier finden Sie Informationen zum Ball.