Bericht vom Galaabend und der JHV des VDS

Wertschätzung

06.05.2026

Ehrungen, Gespräche, Diskussionen: Stefan Freye berichtet von der VDS-Hauptversammlung und dem anschließenden Galaabend.

 

Erschöpft, aber glücklich, wie viele Sportlerinnen und Sportler nach erfolgreicher Arbeit – so kamen sich die Delegierten der VDS-Hauptversammlung in Berlin in den späten Abendstunden auch vor. Hinter ihnen lagen einige Stunden voller Informationen, Diskussionen, Preisverleihungen und schließlich auch guter Unterhaltung.

"Es begab sich zu der Zeit", mit diesen Worten hatte Hanns Ostermann seine Rede zum Auftakt der abendlichen Gala eingeleitet. Er bezog sich damit natürlich auf das Goldene Band, den ältesten Preis im deutschen Sportjournalismus, der in diesem Jahr stolze 100 Jahre alt wird. Mit dem historisch gewählten Einstieg unterstrich der Ehrenvorsitzende des VdSBB ganz nebenbei die gute Wahl des Veranstaltungsortes: Die Niedersächsische Landesvertretung liegt ziemlich genau zwischen dem Brandenburger Tor und dem Potsdamer Platz. Dort weht der Wind deutscher Geschichte kräftiger als anderswo. (Hanns Ostermann bei seiner Rede. Foto: vds/Matthias Koch)

Mit der Historie des Goldenen Bands lässt sich ein "Who is Who" des deutschen Sports verbinden, zahlreiche Topathleten mit Medaillen und Titeln. Aber die Zeiten haben sich geändert. Mittlerweile wird das Band nicht mehr für Spitzenleistungen an Weltmeister und Olympiasieger verliehen (weitere Informationen und eine Liste der Preisträger finden Sie hier). Es geht um soziales Engagement. Deshalb trat diesmal auch Thomas Weickert an zur Dankesrede vor den rund 100 Gästen im Foyer der Niedersächsischen Landesvertretung.

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes sprach allerdings nur stellvertretend. Denn mit der Ehrung des DOSB wollte der VDS die Arbeit der fast neun Millionen ehrenamtlich tätigen Menschen im deutschen Sport würdigen. Eine gute Wahl von Erich Laaser und seiner Jury, darin waren sich die Gäste der Preisverleihung einig. Aber der VDS-Ehrenpräsident lebt diese Auszeichnung eben auch wie kein Zweiter, und das wurde denn auch schnell deutlich. Unter Tränen berichtete Laaser von der Ehrung des ehemaligen Fußballprofis Neven Subotic: Er wurde 2023 ausgezeichnet für sein Projekt "wellfair", das sich für den Bau von Brunnen in Afrika engagiert. Dessen tolle Arbeit war damals in einem Video dokumentiert worden.

Diesmal verlief die Ehrung ein bisschen abstrakter, aber nicht weniger bedeutend. "Ohne die Ehrenamtlichen gäbe es den deutschen Sport in dieser Breite nicht", betonte VDS-Präsident André Keil, während Weickert dafür warb, die unentgeltliche Arbeit von staatlicher Seite mit einer Anerkennung zu versehen: "Es kann nicht sein, dass sie gar nichts bekommen."

So ähnlich sah es auch der Laudator, und auch er wusste, wovon er sprach: Philipp Lahm ist selbst ehrenamtlich tätig. Er ist Co-Trainer der Fußballmannschaft seines Sohnes bei der FT Gern. "Sportvereine haben einen enormen Wert für die Gesellschaft",  betonte der Weltmeister von 2014. (V.l.n.r.: Frederick Humcke, Thomas Weickert, Gerd Thomas, Philipp Lahm und Erich Laaser. Foto: vds/Matthias Koch)

Und Sportvereine sind nun mal angewiesen auf die Arbeit ehrenamtlicher Menschen. Menschen wie Gerd Thomas vom FC International Berlin und Frederick Humcke von der TG Herford, die wiederum stellvertretend für all die Ehrenamtlichen zur Preisverleihung geladen waren. Dabei fand Thomas ebenfalls deutliche Worte: "Wir wollen nicht mehr Geld, sondern Wertschätzung."

Man konnte meinen, diese Aufforderung war auch ein bisschen an Kai Wegner gerichtet. Der Berliner Regierende Bürgermeister hatte den Abend mit einer launigen Rede begleitet, dabei die Bedeutung des Sportjournalismus betont und vor allem auch die Gelegenheit zum Wahlkampf genutzt. Berlin konkurriert schließlich mit München, Hamburg und der Region Rhein-Ruhr um die Bewerbung für die Olympischen Spiele ab 2036. Also hob Wegner die Möglichkeiten seiner Stadt hervor und ließ Weickert wissen: "Wir bieten uns an." In aller Bescheidenheit, natürlich. (Foto Wegner: vds/Matthias Koch)

Ohne jeden Zweifel bescheiden traten die zahlreichen Preisträger des Abends auf. Dabei zählen ihre Beträge sicher zu den herausragenden Leistungen des jüngeren Sportjournalismus. Einmal mehr wurde jedenfalls deutlich, wie unterhaltsam, kompetent und hintergründig sich die Kolleginnen und Kollegen der vielfältigen Themen annahmen. Ein Blick auf die prämierten Arbeiten lohnt sich also auf jeden Fall (Preisträger und prämierte Arbeiten finden Sie hier).

Angesichts eines Gala-Abends voller beeindruckender Momente hatte es die eigentliche Hauptversammlung nicht ganz leicht. Aber das VDS-Präsidium war in den Stunden zuvor ja auch nicht angetreten, um die Delegierten zu unterhalten. Es ging um Informationen. Also: VDS-Präsident Keil kündigte für das kommende Jahr – dann feiert der Verband ebenfalls in Berlin sein 100-jähriges Bestehen – eine sehr umfangreiche Studie zum Thema "Sportjournalismus im Nationalsozialismus" an. Auf mittlerweile rund 600 Seiten und mit 1,6 Millionen Zeichen wird das Thema aufgearbeitet.

Derweil berichtete der unlängst in die Exekutive der AIPS gewählte Martin Volkmar von der letzten Sitzung des internationalen Verbandes und durfte erfreut feststellen, dass "die Machtübernahme Ungarns verhindert" werden konnte. "Das ist ein ermutigendes Zeichen", fand der VDS-Beisitzer angesichts der zuvor betriebenen Lobbyarbeit der ungarischen Kollegen (siehe eigenständigen Bericht in diesem Newsletter).

Ebenfalls von einer positiven Entwicklung wusste Geschäftsführer Thorsten Poppe zu berichten: Zwar hatte der VDS 2025 "ein bisschen" mehr Mitglieder verloren als neue gewonnen. Aber die insgesamt 100 Zugänge konnten sich sehen lassen. Daneben wies Poppe auf die Notwendigkeit der restriktiven Handhabung der Presseausweis-Vergabe hin: "Wir müssen sauber arbeiten, um diesen bundeseinheitlichen Ausweis ausgeben zu dürfen." (Foto Galaabend/Niedersächsische Landesvertretung: vds/Matthias Koch) 

Als Wolfram Köhli ins Spiel kam, ging es natürlich ums Geld. Der Schatzmeister berichtete von einem vor allem infolge der neuen Serviceleistungen (Digitale Datenbank und VDS-App) entstandenen Minus. Aber Köhli macht sich mehr Sorgen um die Beiträge, die nicht geeignet sind, die Leistungen des VDS zu finanzieren. Das kommende Jahr soll also genutzt werden, um sich mit den Regionalvereinen auf neue Modelle zu verständigen. Sicher scheint: Die Abgabe wird steigen – oder der VDS muss sein Angebot reduzieren. "Wir machen Diskussionsangebote", sagte Köhli.

Der daraufhin recht engagiert geführte Austausch lässt vermuten, dass es wohl eine Menge zu besprechen geben dürfte. Dabei wird vermutlich auch Debbie Dobbratz mitmischen, nun in einer Doppelrolle: Das Vorstandsmitglied der Sportpresse Württemberg wurde als Beisitzerin ins VDS-Präsidium kooptiert. Ihre eigentliche Wahl soll im kommenden Jahr erfolgen. Wieder in Berlin, aber an einem anderen, noch geheimen Ort. Historisch sollte es aber erneut werden. Schon wegen der 100 Jahre VDS.