Verein Hamburger Sportjournalisten (VHS)
Deutschland Fußball-Weltmeister 1990 (Foto: GES-Sportfoto/Augenklick)

Wolfgang Golz wird 75 Jahre alt – Teamplayer mit Hang zu Extra-Einsätzen

Im großen Fußball war er zuhause. Doch vor allem ging es Wolfgang Golz um die besonderen Geschichten. Am 20. April feiert der Schleswig-Holsteiner, der dem Verein Hamburger Sportjournalisten angehört, seinen 75. Geburtstag. Der langjährige Mitstreiter Werner Rudi gratuliert.

Klingt verdächtig floskelös. Stimmt aber: Er war immer korrekt. Verlässlich sowieso. Fleißig. Ehrgeizig – muss ja nicht schädlich sein. Leider auch pünktlich, was für einen wie mich gelegentlich arg provozierend wirkte. Ein Teamplayer mit dem Hang zu Extra-Einsätzen – siehe Ehrgeiz. Mit Terrier-Talent – wehe, er hatte bei einem Thema eine erfolgversprechende Fährte erschnüffelt.

Freundlich, höflich und respektvoll zu allen, das haken wir mal unter erfolgreicher Kinderstube ab. Familienmensch, Sportler, begabter Netzwerker, als dieses Terrain noch das Hoheitsgebiet für Zukunftsforscher war. Aufgeräumter Schreibtisch (Stichwort: Provokation), geschätzter Gesprächspartner von Beckenbauer über Weisweiler bis Breitner und Rummenigge. Von Werner Rudi sowieso.

Da Laudatio und Lobhudelei oft in trivialer Kumpanei nur noch zu Erinnerungs-Optimismus fähig sind, schreiben wir jetzt mal Klartext: Der Kerl konnte nerven. Als wir bei der Welt am Sonntag zusammenarbeiteten, wollte er ein Stück über die Besonderheiten des FC Barcelona schreiben. Hatte ja noch keiner vor ihm getan (Golz-Foto: privat).

„So besonders besonders ist Barcelona“ – nun gewürdigt von Special Agent Golz aus Norderstedt. Ich habe oben vergessen: Hartnäckigkeit ist eine seiner weniger verborgenen Charakterschwächen. Er fuhr also nach Barcelona. Wir druckten dann eine dreiteilige Serie „Der verrückteste Club der Welt“ – die Rechte haben wir anschließend sogar nach Spanien (!) verkauft.

Dann wollte er gegen Marc-Kevin Goellner – wer erinnert sich? – Tennis spielen. Der vor allem läuferisch herausragende Tennis-Amateur Golz gegen den ausgebufften Profi – was sollte das denn werden? Es wurde eine amüsante und informative Geschichte, die viel über den Spieler und Menschen Goellner offenbarte. ­Ein Psychogramm, das von dem konditionsstarken journalistischen Vorhandspezialisten höchsten körperlichen Einsatz verlangte.

„Ich stelle mir das so vor“

Die Liste der Golz-Geschichten, die mit dem Prolog „Ich stelle mir das so vor“ und gegen die Skepsis vieler Redaktionskollegen entstanden sind, kann fortgesetzt werden. Aber nicht hier und jetzt. Auch Festschriften mit intaktem Langzeitgedächtnis haben ihre Grenzen.

Wir haben einige Bücher zusammen gemacht. Welt- und Europameisterschaften im Fußball, Borussia Dortmund, Bayern München und und. Eines war echt kompliziert. Für einen deutschen Discounter, der aber auch seinen österreichischen Ableger bedienen musste. Also für Deutschland sechs Seiten Löw, für Österreich nur zwei. Österreich wollte üppige Spielerporträts, die deutsche Variante gern längere Fotostrecken. Und zwei Stunden nach dem Schlusspfiff des Finales war Andruck. Geschwindigkeit bedeutet Geschäft.

Also tüftelte Golz, Mitglied im Verein Hamburger Sportjournalisten (VHS), einen Lieferplan fürs Finale aus. Ungefähr so: „Die ersten beiden Absätze mit Ergebnis und viel Atmosphäre liefere ich 15 Minuten nach Spielende. Der Mittelteil mit Analyse zum Verlauf des Turniers kommt zwölf Stunden vor dem Anpfiff. Nach dem Mittelteil kommt der Spielverlauf erste Halbzeit, den liefere ich noch vor dem Anpfiff der zweiten Hälfte. Spielverlauf zweite Hälfte schicke ich direkt nach den ersten beiden Absätzen. Aktuelle Stimmen könnt ihr euch von den Agenturen besorgen. Alles klar?“ Wir haben pünktlich angedruckt.

Wer so jung 75 wird, hat noch viel vor. Also Glückauf bei all Ihren Plänen und die nötige Gesundheit, damit Sie das Alter weiterhin – mit Fleiß, Ehrgeiz, Hartnäckigkeit und Extra-Einsätzen – leichtfüßig abschütteln.

Herzlichst Ihr Werner Rudi

20.04.2019






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