Verein Münchner Sportjournalisten
VMS-Jubilar Wolfgang Uhrig (Foto: Martin Hangen/Hangenfoto)

Wolfgang Uhrig zum 80. Geburtstag – Manisch gefangen in seinem Beruf

Er begann seine journalistische Laufbahn beim Sport-Informations-Dienst. Später kamen Bunte und Quick. Chefredakteur des kicker war er auch noch. Am 21. April wird Wolfgang Uhrig, Mitglied des Vereins Münchner Sportjournalisten, 80 Jahre alt.

Von Dieter Ludwig

Moni sagt: „Den Menschen Uhrig würde ich immer wieder heiraten – den Journalisten Uhrig nicht.“ Sie meint Ehemann Wolfgang, nach 55 Jahren kennt eine Ehefrau ihren Angetrauten. Sie war auch sein Kompass.

Wer so in seinem Beruf manisch gefangen ist wie er, hat nicht das Geringste vergessen. Geboren am 21. April 1940 in Darmstadt, aufgewachsen im Odenwalddorf Nieder-Klingen, wollte er immer nur Sportjournalist werden. Doch diese Jobs waren damals so ähnlich wie das Suchen nach Wasser eines Verdurstenden in der Wüste.

Nach Mittlerer Reife und Schriftsetzer-Lehre ging Uhrig dann jedoch einen sicherlich auch heute noch einmaligen, fast verwirrenden Weg: Er schrieb das Bundespresseamt mit damaligem Sitz in Bonn an und direkt Amtsleiter Felix von Eckhardt (Logo: VMS).

Der antwortete prompt und empfahl ihm den Sport-Informations-Dienst (SID) in Düsseldorf. Auch von dort kam Antwort, er solle sich mal vorstellen.

Uhrig bestand den Test und fing beim SID an

An einem Novembermorgen 1958 fuhr er mit dem Fahrrad zur Bahnstation ins Nachbardorf Lengfeld und weiter gen Düsseldorf. Im vierten Stock des Pressehauses am Martin-Luther-Platz stand er dann Alfons Gerz gegenüber, dem mächtigen Chefredakteur der damals größten Sportpresseagentur der Welt.

Und der fragte ihn auch noch aus über Olympia 1936 und Olympiasieger in Berlin in der Leichtathletik. Der Leichtathletikbegeisterte hatte damit keine Schwierigkeiten, er bestand den Test, mit dem Hinweis, er müsse die Schriftsetzer-Lehre zu Ende bringen und 120 Silben Steno lernen mit Abschlussprüfung, beides amtlich bestätigt durch eine Industrie- und Handelskammer – alles geregelt, als er am 1. April 1959 ein dreijähriges SID-Volontariat antreten konnte.

Familiärer Dienst während seiner Zeit beim SID

Nach der Beförderung zum Redakteur wurden ihm die Ressorts Kunstturnen und Eiskunstlauf übertragen, „weil die im SID niemand anderer wollte“. Seine erste größere Story hatte er schon zuvor für das Darmstädter Echo über das „Wettmelken der Landjugend“ geschrieben, für den SID erstmals 1961 von den Eiskunstlauf-Europameisterschaften in Berlin berichtet.

Und in jener Zeit leistete er so nebenbei auch noch einen familiären Dienst. Er brachte seinen späteren Schwager Paul-Joachim Neusser beim SID unter, der nach eigenen Angaben 44 Jahre, neun Monate und vier Tage in der Agentur mehr als guten Dienst leistete.

Stationen bei Bunte und Quick, später noch kicker-Chefredakteur

Nach 16 Jahren SID holte Hubert Burda Wolfgang Uhrig 1975 zu Bunte als Allrounder, 1987 wechselte er zur Illustrierten Quick, von 1988 bis 2005 war er Chefredakteur beim kicker, zusammen mit Rainer Holzschuh.

Uhrig, langjähriges Mitglied im Verein Münchner Sportjournalisten, berichtete von 20 Olympischen Spielen. Neben seiner kicker-Zeit war er nebenher auch Chefredakteur der Jahrbücher der Olympischen Sportbibliothek (1969 bis 2005), den Standardwerken von NOK beziehungsweise DOSB.

21.04.2020






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