Sportpresseclub Wiesbaden-Mainz (SPCWM)
Arnim Basche: geboren am 9. September 1934 und gestorben am 5. Januar 2021 (Foto: ZDF)

Zum Tode von Arnim Basche – Fachwissen und Teichbewohner

Pferdesport und Jagd waren seine Leidenschaften. Berühmtheit erlangte er für sein unglaubliches Fachwissen. Am 5. Januar ist Arnim Basche, legendärer ZDF-Reporter und Mitglied des Sportpresseclubs Wiesbaden-Mainz, gestorben. Er wurde 86 Jahre alt.

Von Gert Herrmann

„Sie werden es schwer haben, Herr Kollege“ waren die ersten Worte, die ich 1987 als junger Hospitant in der Sportredaktion des ZDF von Arnim Basche hörte. Er meinte dies nicht persönlich, sondern lehrte mich früh, dass sich in einer nicht zum Beispiel mit Fußball zu vergleichenden Sportart zu betätigen, es der besonderen Hartnäckigkeit bedarf.

Seine Sache, den Pferdesport in all seinen Facetten, hat er immer vertreten, auch gegen Widerstände. Das Fachwissen vom „Rittmeister“ (sein Spitzname, den ihm einst der ZDF-Kollege Klaus Angermann verpasste) in den olympischen Reitsportdisziplinen war immens. Detailverliebt konnte er Pferdestammbäume bis zu ihrem Ursprung verfolgen und – danach befragt – zu jeder Zeit herunterbeten (Logo: SPCWM).

Sein Wissen auf diesem Gebiet war jedoch nur ein Klacks im Vergleich zu dem, was er über seine wahre Leidenschaft zu berichten wusste – die Vollblutzucht und ihre Rennen. Wann immer es ihm möglich war, verfolgte er die großen Rennen vor Ort, ob es das Hamburger Galoppderby oder die Rennwoche in Iffezheim war. Noch lange nach seinem Verlassen des ZDF schrieb der am 9. September 1934 Geborene fundierte Fachartikel in diversen Magazinen.

Anekdote reihte sich an Anekdote aus seinem Jägerleben

Und beides zusammengenommen war ein Korn am Sandstrand seines Wissens über die Jagd, seiner Passion. Bei diversen Dienstreisen durfte ich seinen Gesprächen im Austausch mit Freunden der Jagd lauschen. Die dienstlichen Themen waren nach getaner Arbeit sofort vom Tisch. Anekdote reihte sich an Anekdote aus seinem Jägerleben.

Auf dem Weg vom Park- zum Reporterplatz bei der Europameisterschaft in Rotterdam 1989 passierten wir einen Teich. Prompt stoppten wir, und ein ausgesprochen informativer Vortrag über in kleinen Gewässern sich tummelndes Getier folgte. Eine Lektion, ohne Frage.

Seine Jagd-Expertise war im Übrigen auch in einem Kochbuch über Wildgerichte gefragt, die er mit Wissenswertem zum erlegten Wildbret versah. Als Autor verewigte er sich dazu unter anderem mit seinen Werken „Turf – Vollblutzucht und Galopprennsport“ und „Geschichte des Pferdes“, Pflichtlektüre für jeden Pferdesport-Interessierten (Cover-Abbildung: BLV).

Sein Ärger indes trat unmissverständlich zutage, wenn er Fachkollegen dabei ertappte, ihre Hausaufgaben nicht erledigt zu haben. Fleiß in der Vorbereitung, eines seiner Markenzeichen – in dieser Beziehung war er ein Vorbild, nicht nur für mich. Und regelrecht mürrisch wurde er, wenn jemand ihm nachgewiesenermaßen zu Unrecht, Faktenungenauigkeit vorwarf.

Mit den Worten „So viel, wie Sie vom Pferdesport wissen, habe ich schon wieder vergessen“, kanzelte er einst einen Kollegen der schreibenden Zunft ab und freute sich diebisch über seine Wortwahl. Die Lust, trefflich zu formulieren, lag ihm wohl in der Wiege und begleitete ihn sein ganzes Leben. Auch konnte er sich echauffieren über die Formulierung 32 Jahre „jung“ oder wenn „Stundenkilometer“ und „Kilometer pro Stunde“ verwechselt wurden.

In den vielen Stunden, in denen ich ihn als sein Redakteur bei Live-Reportagen begleiten durfte, erfuhr ich seinen großen Enthusiasmus, den er Reitern und Pferden entgegenbrachte, nicht nur den deutschen Teilnehmern. Er trat jedem mit großem Respekt gegenüber bei guten Leistungen; die nationale Brille war seine Sache nicht, auch in dieser Hinsicht für mich beispielhaft.

„Das war es jetzt für mich, jetzt bist du dran“

Nach seinem letzten Einsatz als Live-Reporter für das ZDF 1999 bei der Europameisterschaft in Hickstead entledigte er sich seines Kopfhörers und sagte zu mir: „Das war es jetzt für mich, jetzt bist du dran, für mich gibt es noch so viel anderes zu tun.“ Der sich anschließende unterhaltsame und höchst vergnügliche „Abschieds-Abend“ im Seebad Brighton, mit Blick auf den Ärmelkanal, bleibt allen Kollegen, die dabei waren, unvergesslich.

Arnim Basche war ein Herr im besten Sinne. Er bleibt in Erinnerung als seriöser Moderator, mehrfach ausgezeichneter, leidenschaftlicher Reporter, begeisterter Autor, ausgesprochener Fachmann, aufrechter, geradliniger Kollege und – als Mensch. Danke, Arnim.

19.01.2021






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