Serie „Einsteiger, Aussteiger, Umsteiger“
Unternehmer Michael Gronau: „Natürlich hielten mich die Kollegen für verrückt“ (Foto: privat)

Umsteiger Michael Gronau – „Das iPhone ist quasi an meiner Hand angewachsen“

Für Apple-Produkte hatte Michael Gronau schon immer ein riesiges Faible. Inzwischen hat der frühere Sportjournalist sein Hobby zum Beruf gemacht.

Michael Gronau (52) begann 1987 beim Sportmagazin kicker in Nürnberg. Ab 1993 arbeitete er über 22 Jahre lang im Sport der BZ in Berlin, zuletzt zwölf Jahre als Ressortleiter und Mitglied der BZ-Chefredaktion. Im Jahr 2011 startete er die Website iTopnews.de neben seinen BZ-Verpflichtungen. Als der Dienst mehr und mehr User fand, gründete Gronau eine eigene Firma, kündigte und ist seit 1. Juli 2015 Unternehmer.

sportjournalist: Herr Gronau, was bewog Sie nach 22 Jahren BZ den Job als Sport-Ressortleiter und Mitglied der Chefredaktion für eine ungewisse Zukunft aufzugeben?

Michael Gronau: Natürlich hielten mich die Kollegen für verrückt, meinen langjährigen, sicheren Vertrag einfach zu kündigen. Es war eine Entscheidung, die ich lange und gut abgewogen hatte.

sj: Wer oder was hat Sie zur Gründung einer eigenen Firma inspiriert?

Gronau: Die Arbeit im Sportjournalismus hat mir immer groß Freude bereitet. Aber nach 28 Jahren Sportjournalismus habe ich mir zu Herzen genommen, was Apple-Gründer Steve Jobs einmal vor Studenten der Stanford Universität sagte: „Stay hungry, stay foolish. Have the courage to follow your heart and intuition.“

sj: Waren Sie schon immer ein IT-Fan? (iPhone-Foto: firo Sportphoto/Augenklick)

Gronau: Ich kaufte den ersten bunten iMac mit Tragegriff, ich besaß den ersten iPod, ich kaufte mir das erste iPhone – und ja, das iPhone ist quasi an meiner Hand angewachsen. Ich wäre vermutlich der erste Mensch, der sich ein iPhone auch unter die Haut implantieren lassen würde. (lacht)

sj: Welchen Service liefern Sie?

Gronau: iTopnews ist eine App für iPhone und iPad. Wir berichten – auch auf der Website – über Apple-News, testen Apple-Produkte, neue Apps und Gadgets, die Apple-Nutzer interessieren. Und wir verraten Tipps und Tricks, wie die Geräte sich besser, cleverer nutzen lassen. Am Tag können das schon mal 25 Beiträge sein, die die Redaktion für die Zielgruppe der Apple-affinen Nutzer erstellt.

sj: Wie muss man sich Ihren Alltag vorstellen?

Gronau: iTopnews ist nicht anders organisiert als eine Zeitung. Es gibt feste Dienstzeiten für die Mitarbeiter, jeder hat bestimmte Aufgaben und Rubriken. Marketing, Kunden- und Leserkontakt liegen bei mir. Ich schreibe auch fleißig. iTopnews ist aber nicht mein einziges Projekt. Ich bin an der erfolgreichen Gadget-App upcoming beteiligt, für die BZ schreibe ich regelmäßig Technik-Kolumnen, ich berate Unternehmen und halte Vorträge.

sj: Wie groß war Ihr Unternehmen am Anfang, wie sieht es heute aus?

Gronau: Als es im Mai 2011 losging, waren wir zu zweit. Der erste Tag brachte 24 Seitenaufrufe. Vermutlich zwölf von mir und zwölf von meinem langjährigen iTopnews-Mitstreiter Jörg Heinrich. Niemand kannte iTopnews. Ohne Werbung haben wir das Projekt innerhalb von fünf Jahren Richtung zwei Millionen Seitenaufrufe gebracht. Wir lagen in den App-Store-Charts auch schon vor FAZ und Süddeutsche. Inzwischen stemmen allein sieben Leute in Redaktion und Technik iTopnews (Foto: Sreenshot iTopnews-Website).

sj: Wie finanziert sich Ihr Unternehmen?

Gronau: Unsere App ist kostenlos erhältlich. Wir finanzieren uns über Werbebanner und weitere Werbeeinnahmen. Unser oberstes Prinzip ist die Glaubwürdigkeit: Werbung ist bei uns auch als Werbung gekennzeichnet.

sj: Und wie sieht die Partnerschaft mit Apple aus, werden Sie unterstützt?

Gronau: iTopnews ist keine Newsseite von Apple, sondern eine unabhängige Seite für Apple-Nutzer. Als Journalist habe ich an diversen Apple-Events, auch einmal an der iPhone-Präsentation von Steve Jobs in San Francisco, teilnehmen können. Aber wenn ich im nächsten Jahr den neuen riesigen Apple-Campus in Cupertino besuchen will, muss ich schon selbst Urlaub in Kalifornien buchen. Und das mache ich dann auch.

sj: Mit Sportjournalismus haben Sie jetzt nichts mehr am Hut?

Gronau: Meine Frau sagt, früher hätte ich fast jedes Fußballspiel auf Sky geschaut – „und heute schaust du alle“. So gesehen können Sie mich, glaube ich, alles fragen. Und ich könnte theoretisch morgen wieder am Sport-Balken sitzen. Aber im Moment sitze ich wirklich lieber an meinen eigenen Projekten.

Mit Michael Gronau sprach Wolfgang Uhrig

03.07.2016






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