sportjournalist-Fragebogen „Ich über mich“
Fatih Demireli (Foto: privat)

Socrates-Chefredakteur Fatih Demireli – „Gerne mal gegen den Strom“

Er wollte immer Sportreporter werden, dieses Ziel hat Fatih Demireli erreicht. Mit einer anderen Sache hat der 33-Jährige größere Schwierigkeiten. Stichwort: ordentlich Appetit.

Fatih Demireli (33), geboren in München, wollte schon als Kind Sportreporter werden. Nach seinem Volontariat und der Funktion als stellvertretender Leiter bei der offiziellen Webseite der Deutschen Fußball Liga (DFL) folgten weitere Stationen bei Spox.com und als Live-Chef bei Perform. Seit August 2016 ist er Chefredakteur des Sportmagazins Socrates. In der Türkei ist er unter anderem Bundesliga-TV-Experte und Deutschland-Korrespondent des größten Sportsenders NTV Spor.
 
sportjournalist: Fatih Demireli, was war Ihr Berufswunsch als Kind?
 
Fatih Demireli: Ich wollte nie Astronaut oder Feuerwehrmann werden, sondern nur Sportreporter. Ich las den kicker und war fasziniert, wie gut die Reporter von ihren Klubs informiert waren (Foto: GES-Sportfoto/Augenklick).
 
sj: Ihre Lieblingsfächer in der Schule?
 
Demireli: Erdkunde und Deutsch.
 
sj: Ihre erste journalistische Aufgabe?
 
Demireli: Ein Interview für die Schülerzeitung des St.-Anna-Gymnasiums in München. War ich aufgeregt.
 
sj: Welchen Beruf haben Vater und Mutter ausgeübt?
 
Demireli: Schlosser und Betriebsrätin.
 
sj: Gibt es für Sie in der Sportberichterstattung ein Leitmedium?
 
Demireli: Bei der Schnelligkeit die Bild, beim Tiefgang die SZ, bei der Aufarbeitung der kicker.
 
sj: Wo beziehungsweise von wem haben Sie für den Beruf am meisten gelernt?
 
Demireli: Sport1 war Anfang der 2000er-Jahre eine sehr gute Schule. Lieben Gruß an dieser Stelle an Mark Mittasch, meinen Fußballchef von damals. Mit welcher Geduld er mir zur Seite stand – sensationell. Die WM 2002 werde ich nie vergessen.
 
sj: Worüber berichten Sie besonders gern?
 
Demireli: Gerne mal gegen den Strom. Über das in dem Moment Unerwartete (Foto: Fotoagentur Kunz/Augenklick).
 
sj: Ihre größte sportliche Leistung?
 
Demireli: Ein 11:0 gegen den TSV Trudering in der C-Jugend des SV Türk Gücü München – Traumtor aus 25 Metern mit links zum 10:0 und danach mit Standing Ovations (15 Zuschauer) ausgewechselt. Dass ich danach die Käsesemmel nicht umsonst bekam, verzeihe ich dem Klub heute noch nicht.
 
sj: Welche Begabung hätten Sie gern?
 
Demireli: Die Disziplin, eine Diät bis zum nächsten Tag durchzustehen.
 
sj: Ihre persönliche Stärke/Schwäche?
 
Demireli: Dauer-Optimismus und Spontaneität / Ungeduld.
 
sj: Haben Sie ein Hobby?
 
Demireli: Reisen.
 
sj: Was wäre für Sie ein Traumjob?
 
Demireli: Spielerfrau.
 
sj: Was (oder wer) motiviert Sie?
 
Demireli: Mein neugeborener Neffe Aras.
 
sj: Haben Sie ein Lieblingslaster?
 
Demireli: Ich trinke seit dem 1. November kein Rasenballsport-Hauptprodukt mehr. Damit habe ich keines mehr.
 
sj: Auf was wollten Sie nie verzichten?
 
Demireli: Auf das Rasenballsport-Hauptprodukt. Ich hab es aber geschafft.
 
sj: Haben Sie einmal eine Entscheidung bereut?
 
Demireli: Ich lebe nicht in den Sphären, in denen ich über Entscheidungen, die eine negative Folge hatten, lange nachdenke. Wenn ich es nicht ändern kann, geht es weiter.
 
sj: Wem sind Sie ewig dankbar?
 
Demireli: Meinen Eltern und meinen Schwestern. Für ihre Liebe.
 
sj: Was ist für Sie ein perfekter Tag?
 
Demireli: Einer, an dem der Terror in der Welt besiegt ist und Unschuldige nicht mehr sterben müssen. Einer, an dem ich mich für mein eigenes Glück nicht mehr schämen muss, während andere unschuldig leiden.
 
sj: Woran glauben Sie?
 
Demireli: Dass das Gute niemals verlieren wird. Ihr werdet schon sehen.
 
sj: Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
 
Demireli: Eine Diät durchstehen.
 
sj: Welche Überschrift würden Sie Ihrem Leben geben?
 
Demireli: Was ich noch zu sagen hätte, reicht für eine Zigarette und ein letztes Glas im Stehen.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe Januar 2017 des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich das Heft als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

26.02.2017






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