Serie „Einsteiger, Aussteiger, Umsteiger“
Andreas Burkert (Foto: privat)

Umsteiger Andreas Burkert – „Für Journalisten ist es schwieriger geworden“

Für die Süddeutsche Zeitung arbeitete Andreas Burkert als Reporter. Doch nach einem guten Jahrzehnt war Schluss. Er ging in die Medienabteilung der Bayern-Baskteballer. Dem sportjournalist erklärt Burkert, wie es ist, in einer „Nische“ tätig zu sein.

Der gebürtige Berliner Andreas Burkert war passionierter Basketballspieler und -trainer, volontierte beim Kölner Stadt-Anzeiger, ehe er ab 2001 bei der Süddeutschen Zeitung über Fußball, Radsport, sportpolitische Themen und Basketball schrieb. Im Herbst 2013 wechselte der heute 50-Jährige als Leiter Medien & Kommunikation zu den Basketballern des FC Bayern. Derzeit stehen die Münchner in den BBL-Playoffs. Die Endspielserie im Modus Best of five bestreiten sie gegen Alba Berlin. Im Halbfinale hatte sich der FCB 3:1 gegen Titelverteidiger Brose Bamberg durchgesetzt.

sportjournalist: Andreas Burkert, vermissen Sie das Schreiben über andere Sportarten?

Andreas Burkert: Momentan nicht und ich schreibe auch kaum noch. Die Aufgaben sind jetzt andere, mit sieben Mitarbeitern im Medienbereich und einer Art CvD­-Rolle im Office. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass es mir nicht fehlen würde, weil ich früher ja lieber drei Texte am Tag geschrieben habe als einen. Doch das ist nun ein anderer Job, wobei eine Sportmannschaft, ein Klub ähnlich lebendig ist wie eine Tageszeitung.

sj: Sie waren nicht für Gefälligkeitsartikel bekannt, das betraf auch Ihren jetzigen Arbeitgeber.

Burkert: Auch im Nachhinein ist es sicherlich ungewöhnlich und bemerkenswert, dass jemand gefragt wurde, der wohl eher als kritischer Geist galt (Foto Bayern-Basketballer Maik Zirbes: sampics Photographie/Augenklick).

sj: Ist Ihnen der Schritt auf die andere Seite schwergefallen?

Burkert: Ja, ich konnte mir das lange nicht vorstellen und hatte schlaflose Nächte, als die Entscheidung dann doch gefallen war. Aber ich habe eben eine persönliche Geschichte im Basketball. In eine andere Sportart hätte ich den Schritt wohl nicht gemacht. Zum Thema andere Seite: Die Brisanz, die diese Formulierung ja nicht ganz zu Unrecht impliziert, erlebe ich weniger. Basketball ist immer noch eine Nische, auch wenn es beim FC Bayern ein Ziel ist, diese zu verlassen.

sj: Fehlen Ihnen Fußball und Radsport?

Burkert: Nein. Wenn man mehr als zehn Jahre lang in diesem Sportkalender lebt, wiederholen sich Dinge. Den Champions-League-­Sieg der Bayern­-Fußballer als Reporter zu begleiten, war damals ein guter Abschluss. Und der Radsport ist ein hoffnungsloser Fall, der für mich auserzählt war.

sj: Sie haben 2003 ein Buch über Jan Ullrichs Comeback geschrieben. Hat es Sie getroffen, wie sich die Dinge in der Folge entwickelt haben?

Burkert: Ich brauche doch nicht persönlich beleidigt sein, wenn der Hauptdarsteller vor der Nation jahrelang eine Maske trägt. Als die Fuentes­-Affäre drei Jahre später aufkam, hat es sich zudem gut gefügt, dass ich die wahre Geschichte recherchieren konnte. Ich denke, die SZ hat da einen recht guten Job gemacht.

sj: Wie bewerten Sie das Buch heute?

Burkert: Eine interessante Erfahrung, die 15 Jahre zurückliegt. Man hätte sich natürlich gewünscht, dass es nicht nur ein Kapitel zum Doping enthalten hätte. Aber im Gegensatz zu Personen, die später behaupteten, sie hätten eh alles gewusst und nur nichts erzählt, waren andere eben weder Heuchler noch Hellseher.

sj: Wie intensiv schauen Sie noch Radsport?

Burkert: Das Metier fand ich faszinierend. Und wenn man zehn, zwölf Jahre diesen Tross begleitet, begegnet man vielen interessanten Menschen und Geschichten. Aber heute verfolge ich keine Tour de France mehr, keinen Radsport. Im vergangenen Jahr habe ich mal zufällig einige Etappen gesehen, im Frankreich­-Urlaub.

sj: Können Sie sich eine Rückkehr zu einer Zeitung vorstellen?

Burkert: Ausschließen würde ich nichts, wobei das derzeit nicht in meinem Kopf ist. Ich hatte einen Traumjob, doch auch das Projekt jetzt ist sehr spannend, und ich empfinde es als hilfreich, beide Seiten zu kennen. Wenn die Kollegen zu uns kommen, kenne ich beispielsweise ihre redaktionellen Zwänge.

sj: Wie bewerten Sie die Kritik am starken medialen Output der Vereine über Vereins-TV, Soziale Netzwerke und die hauseigenen Internetplattformen?

Burkert: Das hindert Zeitungsjournalisten nicht daran, informativ und meinungsstark zu berichten. Dass Vereine selbst Themen setzen, ist aus deren Sicht in der schrillen Welt von Internet und Social Media nachvollziehbar. Ja, für Journalisten ist es schwieriger geworden, ohne Frage. Aber trotzdem einen guten Job zu machen, wach zu sein und eine Haltung zu haben, bleibt eine schöne Herausforderung.

Mit Andreas Burkert sprach Katrin Freiburghaus.

Dieses Interview stammt aus der Ausgabe Februar/März 2018 des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS erhalten das Heft automatisch per Post und können sich es zudem als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

26.05.2018






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