Sportfrauen.net-Macherin Nina Probst
Screenshot der Sportfrauen-Website (Foto: sportfrauen.net)

„Ich möchte den Athletinnen eine Plattform geben“

Über den Leistungssport der Frauen wird zu wenig berichtet, findet Nina Probst. Mit ihrem Online-Projekt Sportfrauen.net will die 28-jährige Journalistin aus Augsburg dies ändern. Im sportjournalist-Interview erklärt Probst, was sie vorhat.

sportjournalist: Nina Probst, seit gut einem Jahr betreiben Sie die Website Sportfrauen.net. Wie sind Sie darauf gekommen?
 
Nina Probst: Die Idee hatte ich schon vor einigen Jahren. Ich bin sportlich sehr interessiert und treibe auch selbst viel Sport. Mir ist allerdings aufgefallen, dass über den Leistungssport der Frauen kaum berichtet wird. Ich möchte solche Nachrichten bekannter machen, den Athletinnen eine Plattform geben und die Leser auf ihre Erfolge hinweisen. Ich versuche Aktualität und Vielfalt zu wahren. Die Leser sollen immer einen Mehrwert geboten bekommen.

sj: Woher stammen die Inhalte?
 
Probst: Ich habe mich bei zahlreichen Vereinen und Verbänden für Newsletter und Presseverteiler angemeldet. Häufig beziehe ich den Content daraus und bereite ihn entsprechend auf. Mindestens einmal im Monat veröffentliche ich ein selbst geschriebenes Porträt einer Sportlerin. Darunter waren zum Beispiel schon die Bundesliga-Fußballerin Laura Lindner, die Profiboxerin Tina Rupprecht oder die Kanutin Elena Apel (Probst-Foto: privat).
 
sj: Es gibt leider noch immer Vorbehalte gegen Frauensport. Was entgegnen Sie solchen Verächtern?
 
Probst: Klar, Frauen-Eishockey ist nicht so schnell wie das der Männer, der Fußball nicht so trickreich und der Basketball nicht so spektakulär. Das liegt aber am körperlichen Unterschied zwischen Mann und Frau. Ich wollte, dass der Fokus mehr auf die Frauen gerückt wird. Auch hier gibt es wahnsinnig spannende Persönlichkeiten und nicht weniger Ehrgeiz oder Talent. Im Gegenteil: Die Leidenschaft bei den Frauen muss oft deutlich höher sein, schließlich verdienen beispielsweise Bundesliga-Eishockeyspielerinnen keinen Cent mit ihrem Sport.
 
sj: Wie finanziert sich Ihre Site?
 
Probst: Momentan kostet sie nichts. Programmiert hat sie mein Freund. Content beziehe ich kostenlos oder schreibe ihn in meiner Freizeit selbst. Mein Plan ist aber, durch ausgewählte Werbung auf der Seite in Zukunft einmal etwas Geld zu generieren, das ich dann wiederum in Werbung und Marketing stecken kann.
 
sj: Was machen Sie hauptberuflich?
 
Probst: Ich habe fünf Jahre bei der Augsburger Allgemeinen als freie Mitarbeiterin gearbeitet und später beim Münchner Merkur volontiert. Jetzt arbeite ich in einer Augsburger Medienagentur.

sj: Kriegen Sie das Redaktionelle alleine hin?
 
Probst: Ich würde gerne Leute finden, die, ohne Geld dafür zu bekommen, auf Sportfrauen.net schreiben möchten. Die brauchen keine Profi-Journalisten zu sein. Liebe zum Frauensport und ein annehmbares Deutsch reichen. Die Facebook-Seite gibt es schon etwas länger. Hier unterstützt mich hin und wieder eine Journalistin vom Handelsblatt.

Mit Nina Probst sprach Clemens Gerlach

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe Oktober/November 2018 des sportjournalist. Hier geht es zur Bestellung des Einzelheftes beim Meyer & Meyer Verlag. Mitglieder des VDS erhalten den alle zwei Monate erscheinenden sportjournalist automatisch per Post und können sich das Heft zudem im Mitgliederbereich kostenlos als PDF herunterladen. Dies gilt auch für ältere Ausgaben.

08.11.2018






« zurück
Magazin sportjournalist
Die aktuelle Ausgabe:
Oktober/November 2018

Titelthema

Unterschiedliche Erwartungshaltungen – über einen Konflikt zwischen Sportlern und Sportjournalisten
Von Thorsten Poppe

Fernsehen
Brüder im Geiste – das vielgelobte Eurosport-Duo Matthias Sammer/Jan Henkel
Von Silke Keul

Medien
„Das Beste, was passieren konnte“ – „#MeToo“-Debatte im deutschen Sportjournalismus
Von Alex Raack

Weitere Informationen
Regionalvereine