Macromedia/VDS-Stipendiat Max Weinhold im Interview I
Macromedia/VDS-Stipendiat Max Weinhold als Mopo-Reporter im Einsatz (Foto: Max Weinhold)

„Livekommentierung ist die Königsdisziplin“

VDS-Stipendiat Max Weinhold trotzt Corona und studiert weiterhin an der Hochschule Macromedia in Hamburg Sportjournalismus. Warum für ihn Livekommentare einen herausragenden Stellenwert haben und welche Reporter besonders beeindruckend sind, verrät er im ersten Teil des Interviews aus der sportjournalist-Serie „Einsteiger, Aussteiger, Umsteiger“.

An der Hochschule Macromedia studiert Max Weinhold seit Oktober 2019 Sportjournalismus. Der VDS-Stipendiat, Jahrgang 1998, absolvierte zuvor ein Zeitungsvolontariat in seiner Geburtsstadt Hamburg bei der Morgenpost, an Elbe und Alster kurz Mopo genannt. Seit 2013 haben die Hochschule Macromedia und der VDS ein Stipendium vergeben. Mehrere Stipendiaten arbeiten nach Beendigung des Studiums mittlerweile in verschiedenen deutschen Sportredaktionen.

sportjournalist: Herr Weinhold, Sie sind bereits ein ausgebildeter Journalist. Warum haben Sie noch ein Studium begonnen?

Max Weinhold: Ich habe in meinem Zeitungsvolontariat sehr viel gelernt, hatte aber auch schon immer das Ziel und den Wunsch, mich journalistisch breiter aufzustellen. Für das Radio sowie insbesondere vor und hinter der Kamera will ich gewappnet sein. Ich kann mir gut vorstellen, nicht ewig im Printbereich zu bleiben. Und ich wusste, dass die Macromedia multimedial ausbildet. Deshalb hat es mich auch sehr gefreut, dass es mit dem Stipendium geklappt hat.

sj: Haben sich Ihre Erwartungen an das Studium bislang erfüllt?

Weinhold: Auf jeden Fall. Die ersten Semester fand ich sehr lehrreich, auch wenn ich einige Inhalte schon aus meinem Volontariat kannte. Es waren aber auch viele neue Dinge dabei, zum Beispiel, ein eigenes Magazin zu erstellen, mit Texten, Layout und allem, was dazu gehört. Zudem haben wir einen Imagefilm für ein Nahrungsergänzungsprodukt gedreht (Foto Ausschnitt aus Studierenden-Magazin: Macromedia).

sj: Was steht weiterhin an?

Weinhold: Livekommentar im TV zum Beispiel. Darauf habe ich mich immer am meisten im Studium gefreut habe. Auch mein Vorgänger-Stipendiat Robin Meyer, der gerade fertig wurde, hat mir schon vorgeschwärmt. Ich finde das Fernsehen extrem spannend, habe aber bisher kaum Erfahrung.

sj: Weshalb ist für Sie die Livekommentierung für das Fernsehen so reizvoll?

Weinhold: Ich finde es spannend und herausfordernd. Man muss dafür gut informiert sein und über ein großes Wissen verfügen. Es geht um die Spieler, die Spielweise und die Taktik. Man muss erklären und dauerhaft aufmerksam sein. Die Zuschauerinnen und Zuschauer sollen nicht berieselt werden, sondern etwas mitnehmen. Informiert und unterhalten werden eben. Für mich ist Livekommentierung die Königsdisziplin.

sj: Welche Kommentatorinnen oder Kommentatoren beeindrucken Sie am meisten?

Weinhold: DAZN berichtet über Taktik mit Tiefgang. Die haben Experten, die wirklich bereichern, Ahnung haben und nicht nur prominent sind. Total begeisternd ist für mich Wolff-Christoph Fuss von Sky. Er verfügt über Wortschatz und Wissen, hat die Kommentierung perfektioniert. Marcel Reif finde ich ebenfalls gut, auch wenn ihn viele nicht mögen. Ich schätze seinen ganz eigenen Stil.

sj: Sie arbeiten auch für die Hamburger Morgenpost. Das Blatt stand auf der Kippe und wurde durch den Einstieg eines Investors stabilisiert. Wie sehen Sie allgemein die Zukunft der Printbranche?

Weinhold: Zeitungsjournalismus hat es schwer, das gilt vor allem für die lokalen und regionalen Anbieter. Es ist eine traurige Entwicklung, aber auch eine, die logisch und erklärbar ist.

sj: Welche Gründe sehen Sie für den Niedergang der Zeitungen?

Weinhold: Der Kardinalfehler war, dass zu Beginn des Internets Inhalte kostenlos angeboten wurden. Es sind hausgemachte Probleme. Dazu zählt auch bei einigen, zu stark auf Reichweite und Werbeeinnahmen zu setzen und weniger auf eigene Geschichten. In der Corona-Krise sind die Anzeigenschaltungen flächendeckend eingebrochen, und einige Zeitungen mit diesen Herangehensweisen nehmen deswegen finanziell großen Schaden.

sj: Welche Auswirkungen auf Ihre Arbeit konnten Sie feststellen?

Weinhold: Vieles verlagerte sich ins Homeoffice. Eine Entwicklung, die lange verschlafen und nun durch Corona forciert wurde. Ich finde es durchaus praktisch, nicht für alles ins Büro zu müssen. Die Kommunikation wird allerdings deutlich schwieriger, wenn diese ausschließlich über Telefon und Chatprogramme erfolgt. Darunter leidet auch die Kreativität, Geschichten zu finden und Ideen zu entwickeln, wie man die angehen will. Gemeinsam in der Redaktion ist die Kreativität doch größer.

Mit Max Weinhold sprach Clemens Gerlach (er gehörte zur Jury für die Vergabe des Macromedia/VDS-Stipendiums). Lesen Sie im zweiten Teil und letzten des Interviews, was Max Weinhold auf seiner Asienreise erlebte und warum ihn vor allem die Menschen in Kambodscha so beeindruckt haben.

Dieses Interview stammt aus dem sportjournalist. Es wurde für die Verbreitung über die digitalen Kanäle des VDS als Zweiteiler angelegt. Hier geht es zur Bestellung von Einzelheften beim Meyer & Meyer Verlag. Mitglieder des VDS erhalten den alle zwei Monate erscheinenden sportjournalist automatisch per Post und können sich das Heft zudem im Mitgliederbereich kostenlos als PDF herunterladen. Dies gilt auch für ältere Ausgaben.

25.05.2021






« zurück
Magazin sportjournalist
Die aktuelle Ausgabe:
Oktober/November 2021

Titelthema

Sport und Politik: Untrennbar oder unvereinbar?
Von Thorsten Poppe

Interview
„Qualität kostet“ – Interview mit FAZ-Sportchef Anno Hecker
Von Frank Schneller

Intern
Vielen Dank! – Präsident Erich Laaser und Schatzmeister Christoph Schumann treten nicht mehr zur Wahl an

Weitere Informationen
Regionalvereine