EM-Kolumne „C‘est la vie“
Immer ein Menu einem Essen à la carte vorziehen (Foto: Fotoagentur Kunz/Augenklick)

Frankreich-Tipps – Nur Brot und Wasser sind gratis

Vom 10. Juni bis 10. Juli läuft die Fußball-EM in Frankreich. Es gibt einiges zu beachten. Hier ein paar Hinweise in puncto Transport und Gastronomie.

Von Rainer Kalb

Frankreich ist ein großes, weites Land. Man muss es sich grob so vorstellen wie die alte Bundesrepublik mit doppelter Fläche, aber nur der Hälfte der Einwohner. Das heißt für die Kollegen, die mit der deutschen Nationalmannschaft fast in der Schweiz wohnen, immer rechtzeitig aufzutanken (wenn der Pegel auf ein Viertel gesunken ist). Die günstigsten Tankstellen finden sich immer bei Supermärkten; der Preisunterschied kann bis zu 25 Cent pro Liter im Vergleich zur Autobahn betragen.
 
Weder im Osten Frankreichs (Straßburg, Nancy und Metz) noch im Westen (Nantes, Rennes und Angers) haben sich die Bürgermeister – aus finanziellen Gründen – entschieden, EM-Austragungsstädte zu werden. Damit gibt es ein erhebliches Nord-Süd-Gefälle unter Ausschluss der Ränder. Die zehn Austragungsstädte sind im Endeffekt Lille/Lens im Norden, Paris (Prinzenpark) und St. Denis im Zentrum, Lyon und St. Etienne im Südosten sowie Marseille, Nizza, Toulouse und Bordeaux im Süden.
 
Oliver Bierhoff hat nach Absprache mit seinen Kollegen und dem DFB das ostfranzösische Évian-les-Bains als Basislager gewählt. Selbst wenn das dortige stille Mineralwasser für die Spieler sehr gesund ist – für die Kollegen, welche die deutsche Nationalmannschaft begleiten, ist die Ortswahl eine Katastrophe. Zum ersten Spiel nach Lille sind es 804 Kilometer, zu den beiden anderen in Paris je 600. Die Züge kosten für den, der jetzt nicht noch mit Zugbindung bucht, zwischen 100,00 und 150,00 Euro pro Strecke.
 
Bei der WM 2006 in Deutschland reisten alle Akkreditierten gratis mit der Deutschen Bahn. Davon war bei der SNCF bis Redaktionsschluss nicht die Rede. Allerdings werden in allen EM-Bahnhöfen Kickertische aufgestellt, damit man sich beim Warten auf den nächsten Zug die Zeit vertreiben kann. Wer vom deutschen Standort zu den Spielen fliegen will, bucht am besten ab Genf. Aber Achtung! Es muss eine Grenze überschritten werden, Schengen hin oder her.
 
Wer kein Nationalmannschaftsreporter ist, sondern schlichtweg EM-Flair schnuppern will, ist in Paris am besten aufgehoben. Dort finden in Stade de France und Prinzenpark zwölf der 51 Spiele statt. Aber Achtung auch hier! Das internationale Pressezentrum liegt in St. Denis am Stade de France, nördlich von Paris und rund 20 Kilometer vom Zentrum entfernt (Verbindung mit der Metro oder der S-Bahn RER).
 
Essenstechnisch ist zu beachten: Immer ein Menu einem Essen à la carte vorziehen. Der französische Restaurant-Betreiber will seinen Grundumsatz machen, da ist ein Gericht aus der Karte plus ein Getränk oft so teuer wie das gesamte Menu. Man muss ja nicht alles aufessen, wenn der Appetit fehlt.
 
Auf dem Land gibt es an Wochentagen „Arbeitermenüs“ für 12,00 Euro (drei Gänge, ein Viertel Wein und oft Kaffee). In Paris kostet so etwas als „Geschäftsmenü“ schon um die 16,00 Euro (oft nur zwei Gänge). Brot und Leitungswasser („carafe d’eau“) sind immer gratis.
 
Eine Warnung an Bierliebhaber. In Frankreich haben sich die Winzer gegen die Brauer durchgesetzt. Deshalb wird Bier extrem hoch besteuert. Ein „Demi“ (also ein Halbes, was aber eine grobe Täuschung ist, denn in Wirklichkeit handelt es sich nur um 0,25 Liter) kostet selbst auf den Dörfern leicht 2,50 Euro, in Paris 4,00 Euro und mehr. In den UEFA-Luxushotels können auch 7,00 Euro fällig werden. Wenn am Tresen ein Becher mit einer Art Messer drin steht, dann dient das dazu, den Schaum abzuschaben. Der Franzose will nur das Bier und nicht auch noch den Schaum bezahlen.

09.05.2016






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