EM-Kolumne „C‘est la vie“
Lyons Stade des Lumieres: Hohe Investitionen in Infrastruktur für EM (Foto: firo Sportphoto/Augenklick)

Es kann ein teures Rendezvous werden

Frankreich freut sich auf die Fußball-EM, die vom 10. Juni bis 10. Juli ausgetragen wird. Die Erwartungen sind hoch, auch hinsichtlich eines wirtschaftlichen Erfolges. Das könnte sich jedoch leicht als Irrtum erweisen.

Von Rainer Kalb

Nach einer Studie, welche die UEFA bei einem Institut in Frankreich in Auftrag gegeben hat, darf der Staat dank der EM mit Steuer-Mehreinnahmen in Höhe von 178 Millionen Euro rechnen (Mehrwertsteuer auf Benzin, Diesel, Essen und Hotels). Die Fans – erwartet werden 2,5 Millionen, davon ein Drittel aus dem Ausland – werden nach der Studie des Rechts- und Wirtschaftszentrums Sport Limoges (CDES) rund 800 Millionen Euro an Umsatz generieren. Hinzu kommen laut der Analyse 400 Millionen Euro Einnahmen, die Firmen durch mit der EM zusammenhängende Aufträge erhalten.
 
Die Renovierung von sechs und der Neubau von vier Stadien kostete 1,5 Milliarden Euro, zu denen der Staat allerdings nur zehn Prozent Zuschuss gab. Den Rest zahlen die Vereine und Investoren. Das schaffte 20.000 Arbeitsplätze. 94.000 zeitlich befristete Arbeitsplätze kommen rund um die EM hinzu. Erstmals zahlt die UEFA Miete für die Stadien, statt zu fordern, sie gratis zur Verfügung zu stellen. So ist es auch heute noch Regel bei der FIFA.
 
Jacques Lambert, früherer Präfekt und schon 1998 bei der WM Chef des lokalen Organisationskomitees, verwies in einem SID-Interview auf einen weiteren Effekt: „Der Profi-Fußball wird 30 bis 50 Jahre von den Modernisierungen und größeren Stadien profitieren. Wir haben von den Deutschen und ihrer WM 2006 einiges gelernt.“ Nachhaltigkeitseffekt also, keine „weißen Elefanten“. Eben weil die Stadien unmodern und klein waren, lag der Zuschauerschnitt in der Vergangenheit bei lediglich etwa 20.000.
 
Die wahren Kosten aber kann noch niemand kalkulieren. Denn für die Fanzonen in den Austragungsstädten sind die Kommunen selbst zuständig. Diese offiziellen Fanzonen (es gibt in anderen Städten auch inoffizielle, teilweise im Freien, teilweise Public Viewing in Bistros) bereiten den Verantwortlichen die größten Sorgen (Foto: firo Sportphoto/Augenklick).
 
Täglich werden 20.000 bis 100.000 Fans beim Public Viewing erwartet. In Marseille beispielsweise wird der Strand dafür hergerichtet. In allen Städten soll es eine Kirmes werden, die der Werbekolonne bei der Tour de France gleicht. Aber vor das fröhliche Fest haben die Behörden die Pflicht gesetzt. Einlasskontrollen auch hier, teilweise sind Taschen verboten, Abtasten, Streifen von Polizisten, teilweise in Zivil, private Sicherheitsdienste. Die eingezäunten Gebiete werden Tag und Nacht bewacht.
 
Bordeaux hatte für seine 60.000 Personen fassende Fanzone 700.000 Euro Kosten eingeplant – vor dem Terroranschlag vom vergangenen November. Danach wurde die Kalkulation nach oben korrigiert. Saint Denis rechnet mit drei Millionen Euro Kosten für seine Fanzone, 25 Prozent davon für Sicherheit. Die UEFA gibt keinen Zuschuss, stellt lediglich die Großbildschirme und das Fernsehsignal gratis zur Verfügung. Frankreich hat zum Rendezvous gebeten. Außer den 2,5 Millionen Ticketbesitzern werden weitere 7,5 Millionen Besucher in den Fanzonen erwartet. Die Party kann teuer werden.

25.05.2016






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