Kolumne „Ansichtssache“
Erich Kühnhackl: „Eishockeyspieler des Jahrhunderts“ (Foto: firo sportphoto/Augenklick)

Jahrhundertsportler allerorten

Die Wahl zum Jahrhundertsportler ist inzwischen geläufig. Doch wer hatte in Deutschland die Idee dazu? Nur so viel: Es war ein Münchner Sportjournalist.

Von Wolfgang Uhrig

In unserer Verbandszeitschrift sportjournalist wurden einmal die neuen Mitglieder der „Ruhmeshalle des deutschen Sports“ vorgestellt, neudeutsch: der „Hall of Fame“. Darunter waren Erich Kühnhackl, aufgeführt als „Eishockeyspieler des Jahrhunderts“, Alexander Pusch, „Fechter des Jahrhunderts“, oder Erhard Wunderlich, „Handballer des Jahrhunderts“.

„Jahrhundertsportler“, was für ein stolzer Beiname – wer hat wann und wie diesen prächtigen Titel eigentlich ins Leben gerufen? Das war Jupp Suttner aus dem Verein Münchner Sportpresse. Er hatte vor dem Januar 2000 die Idee zu einer Wahl „Sportler des Jahrhunderts“ in Deutschland. Umgesetzt und veröffentlicht wurde die Aktion durch die Redaktion des kicker-sportmagazins (Suttner-Foto: privat).

Eine Erfindung mit Langzeitwirkung – so wie heute Kühnhackl und Co. tragen seitdem insgesamt 29 deutsche Sportler(innen) dieses Ausrufungszeichen vor sich her wie eine Monstranz, kaum einen öffentlichen Auftritt ohne dieses Adjektiv.

Die Prozentzahl der abgegebenen Stimmen entschied

Suttner ließ damals eine Jury aus Sport und Medien abstimmen, zum Beispiel beim „Läufer des Jahrhunderts“ (Armin Hary) Walther Tröger (seinerzeit Präsident des Nationalen Olympischen Komitees), Klaus Wolfermann (Speerwurf-Olympiasieger), Steffen Haffner (FAZ-Sportchef), Gustav Schwenk (Leichtathletik-Experte), Heinz-Florian Ortel (TV-Kommentator der einstigen DDR) oder mich (kicker-Chefredakteur).

Es gab 29 Wahlen mit jeweils zehn Namensvorschlägen aus 19 Sportkategorien. Unter den knapp 300 Athletinnen und Athleten entschied die Prozentzahl der abgegebenen Stimmen. In Frankreich hat einst Félix Lévitan von L’Equipe die Tour de France erfunden, der Kollege Jacques Goddet von France Football den „Goldenen Fußball“, in Italien Eugenio Costamagna von der Gazetta dello Sport den Giro d'Italia.

Nur mal so: Willkommen im Club, lieber Jupp!

Die Kolumne „Ansichtssache“ schreibt Wolfgang Uhrig für den Verein Münchner Sportjournalisten. Wir danken den VMS-Kollegen für die großzügige Überlassung des Textes.

01.02.2017






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