Kolumne „Hardt und herzlich“
Behindertensportler Markus Rehm (Foto: sampics Photographie/Augenklick)

Echte Integration, bitte!

Sportler- und Trainerwahlen sind immer subjektiv. Objektiv Quatsch ist allerdings eine Auszeichnung für Weltmeister-Coach Joachim Löw. Dafür sind die paralympischen Aktiven zu Recht im Aufwind.

Von Andreas Hardt

Sie haben doch sicher schon abgestimmt. Sportler des Jahres. Große Gala, Roter Teppich, Baden-Baden. Hambüchen, Kerber, Ludwig/Walkenhorst – doch die Handballjungs? Oder haben Sie für Markus Rehm gestimmt, Vanessa Low oder unsere Goldmedaillengewinner aus der 4x100-Meter-Staffel? Die standen auch zur Wahl.

Egal, dass sie ihre Medaille bei den Paralympischen Spielen gewonnen haben. Toll. Das Wort „Integration“ wird gerne benutzt, bei der von der Internationalen Sportkorrespondenz (ISK) organisierten Wahl zum Sportler des Jahres wird diese umgesetzt.
 
Bei der Publikumsabstimmung für das „Bambi“ des Burda-Verlages stand kein Athlet mit körperlicher Einschränkung zur Wahl. Dafür erhielt Bundestrainer Joachim Löw von der Jury einen Preis für „Integration“. Bitte? Weil er bei der EM zehn Spieler mit Migrationshintergrund berufen hatte. Das sei „ein Signal für multikulturelles, weltoffenes, modernes Deutschland“. Mit Verlaub: Das ist Quatsch. Diese Spieler hat Löw berufen, weil sie die besten auf ihrer Position sind. Das hat mit einem Signal nichts zu tun, sondern ist selbstverständlich. Alles andere wäre Rassismus.
 
Der Deutsche Behindertensportverband hat seine eigene Wahl zum Behindertensportler des Jahres. Wer weiß, wie lange das noch möglich ist. Denn einer der oft übersehenen Sprengsätze in dem gerade vorgestellten Reformpaket zur Spitzensportförderung stellt die Zukunft des DBS ernsthaft in Frage.
 
„Mittel- bis langfristig (sollen) möglichst alle paralympischen Sportarten von dem jeweils zuständigen Spitzenverband verantwortet werden“, steht da wörtlich. Also Rollstuhlbasketballer zum Basketball, Prothesensprinter zur Leichtathletik und so fort. Das wäre dann echte Integration bis hin zur Inklusion. Wie bei unserer Sportlerwahl. Wie immer öfter im Leben – hoffentlich.

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26.11.2016






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