Kommentar zur IOC-Entscheidung
IOC-Präsident Dr. Thomas Bach und der russische Präsident Wladimir Putin bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Sotchi 2014 (Foto: sampics/Augenklick)

Ein Winkelzug der Diplomatie

Das IOC hat es einmal mehr nicht geschafft, klare Kante zu zeigen und sich massiv gegen den Dopingbetrug zu positionieren.

Von Dr. Christoph Fischer

Unter dem Blickwinkel der Unschuldsvermutung, die in jedem Rechtsstaat gelten muss, scheint die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nachvollziehbar, sich dem Total-Ausschluss Russlands von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro zu verweigern. Man kann dem deutschen Präsidenten Thomas Bach zugutehalten, dass er sich einmal mehr als Meister der sportpolitischen Diplomatie erwiesen hat und den Ausschluss russischer Athleten ausschließlich in den Zuständigkeitsbereich der Weltverbände zurückverwies.
 
Aber verfängt das wirklich? Angesichts der ungeheuerlichen Verfehlungen des russischen Spitzensports einschließlich der empörenden Verwicklung des russischen Geheimdienstes in den groß angelegten Doping-Betrug scheint der Schiedsspruch von Lausanne doch arg zurückhaltend. Und möglicherwiese doch zu sehr von Rücksichtnahme gekennzeichnet. Auf Wladimir Putin. Oder wen auch immer.
 
Das IOC hat es einmal mehr nicht geschafft, klare Kante zu zeigen und sich massiv gegen den Dopingbetrug zu positionieren. Man muss Bach die Schwierigkeit der Entscheidung zugestehen, ob sie das Urteil der Exekutive rechtfertigt, ist eine andere Frage. Dass man Julia Stepanowa, die das russische Betrugssystem aufdeckte, den Start in Rio verweigert, mutet dagegen an wie ein schlechter Witz der olympischen Geschichte.

Dr. Christoph Fischer (Foto: privat) ist 2. Vizepräsident des Verbandes Deutscher Sportjournalisten.

24.07.2016






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