Podcast-Report – Teil III
Auch die Betreiber von Podcasts brauchen Geld, um ihr digitales Angebot aufrechterhalten zu können (Foto: Fotoagentur Kunz/Augenklick)

Nur Luft und Liebe reichen auf Dauer nicht

Podcasts sind beliebt. Doch alleine vom Enthusiasmus können die Macher ihr Programm nicht bestreiten. Welche Modelle der Monetarisierung gibt es?

Von VDS-Stipendiat Marc Wiese

Im ersten Teil des dreiteiligen Reports über Podcasts ging es um die Gründe für die Beliebtheit des Webradios. Der zweite Teil widmete sich der Frage, wie Randsportarten in punkto Steigerung der Bekanntheit vom Einsatz dieses Mediums profitieren können.

Momentan laufen die meisten Audiosendungen auf Freiwilligenbasis. Die Podcaster betreiben ihre Programme, ohne dafür einen Cent zu bekommen. Vielmehr müssen sie sogar für technisches Equipment und Serverkosten draufzahlen. Bei erfolgreichen Formaten wie dem Rasenfunk, der einen gewissen Qualitätsanspruch besitzt, ist das auf Dauer nicht mehr zu stemmen.

Aus diesem Grund haben sich die Gründer Max-Jacob Ost und Frank Helmschrott entschieden, von einer Finanzierungsmethode Gebrauch zu machen, die immer mehr Einzug in den Journalismus hält: Crowdfunding. „Die Hörer können damit im Grunde demokratisch bestimmen, wo es langfristig mit dem Rasenfunk hingeht“, erklärt Ost. „Wir haben uns bewusst gegen Werbung im Podcast oder Kooperationspartner entschieden, da uns diese Monetarisierungsansätze nicht genug auf das einzahlen, was Podcasts ausmacht: eine klar definierte Zielgruppe sowie sehr hohe Authentizität.“

In diesem Zusammenhang sieht Ost gerade im Sportbereich einen Interessenkonflikt. Er könne beispielsweise nicht für einen Wettanbieter werben und damit indirekt das System unterstützen, das Spielmanipulationen und Spielsucht unterstützt, sagt er. Dasselbe Problem gäbe es auf der Ebene der Werbung für Automobilhersteller, von denen mehrere sprichwörtlich Aktien in Bundesliga-Klubs haben.

Allerdings kann der Werbemarkt für den Journalismus und für Podcasts in Zukunft auch eine Chance darstellen. So könnten sich Verlagshäuser in der Printkrise neu auf dem Markt positionieren und durch Einbindung von Podcasts wieder mehr Kunden für sich gewinnen.

Ein populäres Beispiel findet sich in England. Football Weekly ist so etwas wie das britische Pendant zum Rasenfunk und gehört zur Tageszeitung Guardian. Gleich zu Beginn einer Folge verweist Moderator James Richardson auf einen Website-Building-Service, den Hauptsponsor der Sendung. Davon profitieren sowohl Sponsor als auch Podcast und Verlag.

Einen ähnlichen Ansatz hat sport1.fm gefunden. Der Online-Radiosender, der die Bundesliga-Übertragungsrechte noch für die kommende Bundesliga-Spielzeit hält, betreibt mit seinem Format „90+2“ allerdings lediglich Eigenwerbung. Die Analysen der Spiele vom Wochenende werden mit Einblendungen der Live-Reportagen von Toren geschmückt.

Gerade jetzt, wo die 54. Saison der Fußball-Bundesliga läuft, dürften sich die Podcaster über einen weiteren Zuwachs der Hörerschaft freuen. Finden die Audioformate einen derart großen Zuspruch, dass die Fans sogar bereit sind, dafür zu zahlen, könnten Podcasts in Zukunft tatsächlich eine gute Rolle im Journalismus spielen.

Sollte sich das Medium als Werbeträger nicht etablieren können und Formate wie der Rasenfunk mit Finanzierungsmodellen wie dem Crowdfunding scheitern, wird der Podcast wohl auch künftig nur ein Randmedium bleiben.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe August 2016 des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich das Heft als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

17.10.2016






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