TV-Rechte
Abschluss der Olympischen Sommerspiele in Rio (Foto: firo Sportphoto/Augenklick)

Letztes Olympia für ARD/ZDF?

Die Verhandlungen mit dem Rechteinhaber Discovery/Eurosport gestalten sich schwierig. Am Ende könnten ARD und ZDF künftig ohne Olympia-Übertragungen dastehen.

Von Gregor Derichs

Es war ein wahres Mammutprogramm, das ARD und ZDF aus Rio de Janeiro in deutsche Haushalte lieferten. Mehr als 300 Stunden haben die Sender live berichtet. 19 Stunden täglich wurden Olympia-Bilder im Fernsehen gezeigt. Rund 1000 Stunden wanderten zusätzlich in die Internet-Livestreams, dazu kamen noch die Beiträge des ARD-Radios. Ein 480-köpfiges Team war im Einsatz, darunter 169 Journalisten.

Mit dem Ergebnis waren die Macher sehr zufrieden. Selbst die schwächsten Quoten der Übertragungen lagen durchgehend weit über dem Durchschnitt, den ARD/ZDF sonst erreichen. In den besten Fällen wurden sogar 30 Prozent Marktanteil und mehr erzielt – und das nicht selten in den Abendstunden, in denen wegen der hohen Zahl der TV-Zuschauer die bedeutendsten Quoten gemessen werden.

Kurz vor Olympia-Ende begann die PR-Arbeit in eigener Sache. Eine von der ARD/ZDF-Medienkommission in Auftrag gegebene Umfrage bescheinigte dem Team gute Arbeit. 68 Prozent der 1000 Befragten stuften die Berichterstattung als sehr gut oder gut ein. 88 Prozent begrüßten die abgebildete Vielfalt. Die Berichte wurden von 94 Prozent als professionell bezeichnet.

Die Absicht für die Umfrage liegt auf der Hand. Es muss Stimmung gemacht werden, denn ARD/ZDF könnten in Rio ihre olympische Abschiedsvorstellung gegeben haben. Noch haben die Sender keine Sublizenz von Discovery/Eurosport für die nächsten Olympischen Spiele erwerben können. Die Verhandlungen sind offenbar festgefahren.

„Die finanziellen Vorstellungen liegen noch weit auseinander. Wir haben unser Angebot auf den Tisch gelegt – und ich hoffe, dass wir noch zusammenkommen“, sagte ZDF-Chefredakteur Peter Frey (Foto: ZDF/Carmen Sauerbrei) der dpa. Er räumte ein, dass die Zeit knapp wird. OBS, der Host Broadcaster in Diensten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), dränge schon, weil er wissen wolle, welche Ausstattung die deutschen Sender bei den Winterspielen 2018 in Südkorea brauchen. „Je länger wir im Ungewissen sind, desto schmaler wird das Zeitfenster, um uns professionell vorzubereiten“, sagte Frey.

„Grundsätzliche Zurückhaltung der öffentlich-rechtlichen Sender“

Vor den Äußerungen des ZDF-Chefredakteurs hatte Jean-Briac Perrette, Chef bei Discovery fürs internationale Geschäft, ARD und ZDF am 2. August in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kritisiert. „Nach einigen Monaten der Verhandlungen wundere ich mich aber über die grundsätzliche Zurückhaltung der öffentlich-rechtlichen Sender. Es wachsen die Zweifel, wie ausgeprägt ihr Interesse an der Olympia-Berichterstattung tatsächlich ist“, sagte Perrette, dessen Konzern die Europa-Senderechte für 1,3 Milliarden Euro an den vier Olympia-Terminen zwischen den Jahren 2018 und 2024 gekauft hat.

„Wenn es zu keiner Übereinkunft kommt, dann machen wir Olympia zu 100 Prozent selbst bei Eurosport“, sagte Perrette, „wir haben bereits begonnen, uns darauf vorzubereiten.“ Die Ressourcen besitze der Sender. ZDF-Mann Frey unterstrich, dass den gebührenfinanzierten Sendern finanzielle Grenzen gesetzt sind. „Wir wissen, dass Eurosport auf jeden Fall parallel zu uns senden will. Das wirkt nach und nach wertmindernd.“

Laut manager magazin verlangt Discovery für Olympia 2018 in Südkorea und 2020 in Tokio 150 Millionen Euro, ARD und ZDF wollen höchstens 100 Millionen Euro zahlen. Angeblich will Perrette die Forderungen reduzieren, wenn ARD/ZDF andere Sportrechte an Discovery abtreten. Das könnte durchaus im Interesse der Sportverbände sein, die sich von den Öffentlich-Rechtlichen stiefmütterlich behandelt fühlen.

Als sicher gilt bisher nur: Falls ARD/ZDF die Sublizenz noch ergattern, dürften die Quoten von Rio unerreichbar bleiben – wegen der Eurosport-Konkurrenz und der zunehmenden Bedeutung des Streamings. Sendet ausschließlich Eurosport, wird dieser Sender niemals mit dem gigantischen Apparat von 480 Mitarbeitern allein für den deutschen Markt vor Ort sein.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe September 2016 des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich das Heft als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

30.09.2016






« zurück
Magazin sportjournalist
Die aktuelle Ausgabe:
August/September 2020

Titelthema

Corona – und jetzt? Über die Auswirkungen der Krise auf die Arbeit von Sportjournalisten
Von Gregor Derichs

Studie
#MeToo in deutschen Sportredaktionen: Ergebnisse einer Umfrage der TU München
Von Prof. Dr. Michael Schaffrath

Medien
In der Zange: Ein kritischer Blick auf die zunehmende Anzahl von Sportdokumentationen
Von Thorsten Poppe

Weitere Informationen
Regionalvereine