Außerordentliche Hauptversammlung des VDS
VDS-Präsidium (v.l.n.r.): Jochen Zwingmann (1. Vizepräsident), Erich Laaser (Präsident), Günther Pfeistlinger (Gast der Vereinigung Österreichischer Sportjournalisten Sports Media Austria), Christoph Fischer (2. Vizepräsident) und Christoph Schumann (Schatzmeister) (Foto: Metelmann Photographie)

Aufbruchsignale aus dem Norden

Die Probleme sind da, doch es gibt Lösungen. Der Verband Deutscher Sportjournalisten hat bei seiner außerordentlichen Hauptversammlung in Hamburg die Weichen in Richtung Zukunftsfähigkeit gestellt. Zum Glück noch rechtzeitig.

Von Harald Pistorius

So wurde die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge beschlossen. Eine reduzierte Erscheinungsweise des VDS-Organs sportjournalist zeichnet sich ab. So wird auch das Präsidium, das beim Wahlkongress am 13./14. März 2017 in Hannover nach den Vorstellungen von Präsident Erich Laaser verjüngt werden soll, die Spielräume haben, um den VDS-Leistungskanon zu erhalten.
 
Und das, obwohl die Zeiten des Sponsorings auslaufen: In den vergangenen zwei Jahren haben vier zum Teil langjährige Partner aus der Wirtschaft ihr Engagement eingestellt. Gleichwertiger Ersatz wurde trotz etlicher Bemühungen nicht gefunden.
 
„Harte Schläge“ nannte das Laaser (Foto: GES-Sportfoto/Augenklick), der von vielen Verhandlungen und ebenso vielen Absagen berichtete. Seine größte Sorge: „Wenn dieser Trend anhält, wird es immer schwieriger werden, die Berufswettbewerbe in der bisherigen Form aufrechtzuerhalten.“
 
Der VDS muss sparen und neue Quellen auftun. Die dazu notwendigen Beschlüsse wurden in Hamburg gefasst beziehungsweise vorbereitet. Der Beitragserhöhung – die erste seit 2010 – wurde nahezu geräuschlos zugestimmt und dürfte dem mehrheitlichen Willen der rund 3500 Mitglieder entsprechen. Dieser Schluss ist zulässig, weil bei der von immerhin 700 Mitgliedern genutzten Umfrage 73 Prozent einer Erhöhung zugestimmt hatten.
 
In dieselbe Richtung gingen die Aussagen der Vertreter mehrerer Regionalvereine, die das Thema in ihren Reihen diskutiert hatten. So stimmte nur der Verband Westdeutscher Sportjournalisten (VWS) gegen die Beitragserhöhung, was Geschäftsführer Klaus Göntzsche jedoch nicht als grundsätzliche Ablehnung verstanden wissen wollte. Vielmehr erlaube die VWS-Satzung erst für das Jahr 2018 eine Anhebung der Beiträge.

Reduzierung bei Erscheinungsweise des sportjournalist möglich
 
Sechs Euro mehr Jahresbeitrag (Rentner drei Euro) fließen also ab 2017 dem Verband zu, das Volumen per anno steigt auf 200.000 Euro. Jeder Regionalverein entscheidet eigenständig, ob er die Erhöhung an seine Mitglieder weitergibt oder aus der eigenen Kasse bestreitet.
 
Noch nicht beschlossen, aber offenbar ebenfalls mehrheitsfähig ist eine mögliche Sparmaßnahme: Wenn das zu einem respektablen Magazin gewachsene Verbandsorgan sportjournalist nicht mehr monatlich, sondern alle zwei Monate erscheinen würde, wäre das eine erhebliche finanzielle Entlastung. „In Kombination mit der Beitragserhöhung könnte das heißen, dass wir die Einnahmeverluste wegen des Ausstiegs der Sponsoren ausgleichen können“, sagte Schatzmeister Christoph Schumann.
 
Die Umstellung, mit der sich laut der Mitglieder-Befragung eine deutliche Mehrheit anfreunden kann, ist noch keine beschlossene Sache. Das Präsidium verfolgt das Projekt und wird entscheiden. Auch in Hamburg regte sich kein Widerspruch, zumal Präsident Laaser seinen bekannten Satz wiederholte: „Solange ich Präsident bin, wird es den sportjournalist immer in irgendeiner gedruckten Form geben.“
 
Und Präsident will der 64-Jährige, der 1999 als Nachfolger von Karl-Heinz Cammann erstmals in das Amt gewählt wurde, auch bleiben. Beim Wahlkongress in Hannover stellt sich Laaser zur Wahl und wird dann drei Kandidaten für das Präsidium vorschlagen.
 
Erstmals nannte er in Hamburg die Namen derer, die die Nachfolge von Hans-Joachim Zwingmann (1. Vizepräsident), Christoph Fischer (2. Vizepräsident) und Albert Mehl (Beisitzer), die sich aus Altersgründen zurückziehen, besetzen sollen. Dies sind André Keil (49), Vorsitzender des Sportjournalisten-Vereins Mecklenburg-Vorpommern und Leiter des NDR-Landesfunkhauses Schwerin (Foto: NDR), Timon Saatmann (43), derzeit nach Stationen bei Agenturen und TV-Sendern für N24/Welt in Berlin tätig, und Andreas Dach (58), 1. Beisitzer im VWS und Ressortleiter Sport beim Remscheider Generalanzeiger.
 
Als kommissarisches Mitglied des Präsidiums wurde der Fotografensprecher Norbert Schmidt vorgestellt, der nach dem Rücktritt des langjährig amtierenden Markus Gilliar von den Fotografen gewählt worden war. Bei der Fotografen-Versammlung am 24. Januar in Frankfurt am Main wird der Gilliar-Nachfolger für die nächsten zwei Jahre gewählt. Unklar ist, ob es wie vormals in Matthias Hangst und Kai Pfaffenbach zwei Stellvertreter geben wird.
 
Fairplay-Preis künftig ohne Bundesinnenministerium

Zu den Enttäuschungen der Versammlung zählte die Nachricht vom  Rückzug des Bundesinnenministeriums aus dem Fairplay-Preis. Der Verzicht der für den Sport zuständigen Institution auf die Beteiligung an dem wichtigsten deutschen Preis zur Förderung und Würdigung elementarer Werte löste allgemeines Unverständnis aus.
 
„Umso mehr müssen wir als Berufsverband dafür sorgen, dass es diesen Preis weiter gibt, erst recht angesichts der Auswüchse, die wir vor allem im Profisport erleben“, sagte Carsten Harms, 1. Vorsitzender des Vereins Hamburger Sportjournalisten, der die Veranstaltung im Lindner Park-Hotel Hagenbeck zusammen mit dem 2. VHS-Vorsitzenden Thomas Metelmann mustergültig vorbereitet hatte.
 
Kurz vor dem Ende der harmonischen Versammlung, bei der nur der Sächsische Sportjournalisten-Verein fehlte, verkündete der 1. Vorsitzende Stefan Esser das Aus des Sportmedienverbandes Pamina-Kurpfalz (SKP). Den Mitgliedern des kleinsten Regionalvereins im VDS bietet der Sportjournalisten-Verein Baden-Pfalz die vorbehaltlose Aufnahme an.
 
Ehrenrats-Vorsitzender Walter Mirwald bat um gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt, wohlwissend, dass die Auflösung nur der Schlusspunkt eines alten Konflikts ist. Diesen wollte die Versammlung weder aufwärmen noch diskutieren. Offen ist derzeit, wie sich die SKP-Mitglieder entscheiden werden.

20.10.2016






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