Olympia im US-TV
Olympia-Werbung in Pyeongchang (Foto: Fotoagentur Kunz/Augenklick)

Sinkende Quoten, auch bei jüngeren Zuschauern

Das olympische Feuer ist erloschen, zwei Wochen Winterspiele vor dem TV-Bildschirm in den USA sind Geschichte. Erstmals habe ich als Visiting Professor der Indiana University in Bloomington das Sportfest live in einem anderen Land verfolgt. Ein Fernseh-Fazit.

Von Thomas Horky

Olympia wird digital. Eine Entwicklung, die in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern dank öffentlich-rechtlicher Programme noch in den Startblöcken steckt, ist in den USA bereits vollzogen: NBC, Rechtehalter bis 2032, hat mit den Übertragungen aus Südkorea in der Primetime reichlich Aufmerksamkeit verloren. Im Schnitt etwa 16 Prozent weniger Seher als noch vor vier Jahren in Sotschi, obwohl viele der interessanten Medaillen-Entscheidungen erneut in der Hauptsendezeit am Abend bis 24 Uhr stattfanden.

Aber NBC verfolgt ein anderes Programmkonzept: Im Gegensatz zu den Spielen in Russland wurden die meisten Highlights auf digitale Livestreams verteilt. Das Eishockey-Finale der Frauen, das die USA im Shootout gegen Kanada gewannen, war nur im Internet live zu sehen (auch das dramatische Männerfinale mit Deutschland). Im Hauptprogramm dagegen Eiskunstlaufen, Snowboarding, Halfpipe und zeitversetzte Zusammenfassungen vom Abschneiden US-amerikanischer Sportlerinnen und Sportler (Horky-Foto: Macromedia). Auch mit den digitalen Angeboten konnte NBC den Rückgang jedoch nicht bremsen, zusammengerechnet mit etwa 21,9 Millionen Sehern in Pyeongchang ergibt sich im Vergleich zu Sotschi (23,7 Millionen) immer noch ein Minus von rund acht Prozent.

Besonders bitter für NBC: In der werberelevanten Zielgruppe der 18- bis 49-Jährigen verlor der Sender sehr viel Publikum, ein Rückgang von rund 17 Prozent. Dennoch sei laut NBC für das Programm aus Pyeongchang etwa 900 Millionen US-Dollar an Werbung eingenommen worden. Eine Entwicklung, die sich auch bei den Sommerspielen beobachten lässt. Ob das zukünftige Milliardeninvestitionen rechtfertigt?

Kaum Innovationen oder Abwechslung

Vielleicht ist aber auch die Art der Präsentation ein Grund für den olympischen Fernseh-Rückschritt: kaum Innovationen oder Abwechslung, im Hauptprogramm ein älterer Anchorman oft vor dem Kaminfeuer sitzend. In einem der seltenen Interviews geht es mit Lindsey Vonn mehr um ihren verstorbenen Großvater als um die Bronzemedaille, auf Sportler anderer Nationen wartet man vergeblich. Diese Form des TV-Nationalismus lässt die meisten Amerikaner die Spiele live auf sozialen Netzwerken verfolgen: Twitter, Instagram und auch Snapchat verzeichneten olympische Rekorde.

Zwei Wochen Olympia sind vorüber, in den USA beginnt nun endlich der richtige Fernseh-Sport: „March Madness“. Im Vergleich werden die Finalspiele im College-Basketball das deutlich größere Medienevent.

VDS-Partner und Macromedia-Professor Thomas Horky nimmt 2018 einen mehrmonatigen Lehrauftrag in den USA wahr. Es ist in Bloomington/Indiana. Die dortige Medienfakultät genießt internationale Anerkennung.

26.02.2018






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