Studie zu Dopingberichterstattung – Teil II
Dopingkontrolle im Handball (Foto: sampics Photographie/Augenklick)

Weiterhin nur geringes Wissen

Die Studie „Wissen und Einstellungen von Sportjournalisten in Deutschland zum Thema Doping und Dopingberichterstattung“ zeigt ein klares Ergebnis. Laut TU München ist der Wissensstand der Medienvertreter seit Jahren konstant niedrig. Details finden Sie im zweiten Teil der Studienauswertung auf sportjournalist.de.

Im ersten Teil der dreiteiligen Studienauswertung ging es um die großen Unsicherheiten, die in puncto Dopingberichterstattung bei den Medienvertrern existieren. Die Autoren Prof. Dr. Michael Schaffrath, Dr. Thorsten Schulz, Dr. Fabian Kautz und Nils Olson sind wissenschaftliche Mitarbeiter an der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften der TU München. Sie haben die Replikationsstudie „Wissen und Einstellungen von Sportjournalisten in Deutschland zum Thema Doping und Dopingberichterstattung“ durchgeführt.

Die subjektiv wahrgenommenen Kompetenzdefizite korrespondieren mit objektivierbaren Wissenslücken. Die Abfrage von Wissen ist im Rahmen von Online-Befragungen methodisch schwierig, weil die Befragten die korrekten Antworten recherchieren könnten und dann nicht ihr Wissen, sondern das Ergebnis ihrer Recherche angeben. Dennoch wurde auch in der Replikationsstudie der Versuch unternommen, Wissensbestände abzufragen.
 
Um einen Vergleich zwischen 2012/2013 und 2018/2019 ziehen zu können, wurden dieselben drei Wissensfragen in der aktuellen Studie erneut gestellt. Es ging erstens um die „Anzahl positiver Dopingproben“, zweitens um „Dopingsanktionen“ und drittens um die „Aufgaben der NADA“. Bei diesen drei Fragen wären insgesamt 13 richtige Antworten möglich gewesen. Dies schafften von 666 Befragten gerade einmal zwei, was 0,3 Prozent entspricht.
 
Die von der Autorengruppe vorgenommene Klassifikation der Wissensbestände, bei der zehn oder mehr richtige Antworten als „hohes“ Wissen gelten soll, sechs bis neun als „mittleres“ Wissen, eine bis fünf als „geringes“ Wissen und keine korrekte Antwort als „kein“ Wissen, zeigt folgende Verteilung. 16,1 Prozent der Befragten kann man „hohes“ Wissen attestieren; 61,8 Prozent verfügt über „mittleres“, 20,3 Prozent über „geringes“ Wissen. 1,8 Prozent weiß nichts zum Thema Doping.
 
Auch wenn Doping in den vergangenen Jahren unter anderem wegen der Aufdeckung des russischen Staatsdopings ab 2014 oder auch aufgrund der Verabschiedung des Anti-Doping-Gesetzes Ende 2015 in verschiedenen Medien intensiv thematisiert worden ist, haben sich die Wissensbestände nicht erhöht.

Das zeigt der Mittelwertvergleich zwischen der Erst- und der Replikationsstudie. 2012/2013 wurden genau wie 2018/2019 im Durchschnitt 7,2 richtige Antworten von den Sportjournalisten gegeben (Abbildung: TU München).
 
Dass das Wissen vom Grad der Berichterstattungsintensität abhängt, dokumentiert der Mittelwertvergleich. Die Gruppe der „Viel-Publizierer“ weiß mit durchschnittlich 9,2 richtigen Antworten mehr als die „Wenig-Publizierer“ mit 7,9 und die „Nicht-Publizierer“ mit 6,7 zutreffenden Antworten. Der Zusammenhang zwischen Wissen und Berichterstattungsintensität ist signifikant, wie die Korrelationsanalyse belegt (r=0,268; p=0,01). Anders ausgedrückt: Wer viel berichtet, weiß auch mehr.

Größtes Wissen bei Presseagenturen und im öffentlich-rechtlichen Bereich

Außerdem wird das Wissen positiv beeinflusst vom formalen Bildungsgrad, der Position in der Redaktionshierarchie sowie der Teilnahme an Fortbildungen zum Thema Doping. Das Alter der Befragten spielt keine Rolle.

Betrachtet man die Medienzugehörigkeit so zeigt sich, dass die Sportjournalisten, die bei Presseagenturen in der Abteilung „Video regional“ arbeiten, sowie die Mitarbeiter im öffentlich-rechtlichen Hörfunk am meisten wissen, gefolgt von den Kollegen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sowie den Redakteuren überregionaler Tageszeitungen.

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06.05.2020






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