Studie zu Dopingberichterstattung – Teil III
Sportlerin zeigt Anti-Doping-Slogan (Foto: Bernhard Kunz/Fotoagentur Kunz/Augenklick)

ARD genießt die höchste Wertschätzung

Die Studie „Wissen und Einstellungen von Sportjournalisten in Deutschland zum Thema Doping und Dopingberichterstattung“ hat gezeigt, dass immer noch vielen Medienleuten wenig von der Thematik bekannt ist. Immerhin wird der ARD eine hohe Kompetenz bescheinigt.

Im ersten Teil der dreiteiligen Studienauswertung, ging es um die großen Unsicherheiten, die in puncto Dopingberichterstattung bei den Medienvertrern existieren. Der zweite Teil zeigte, dass das Wissen über den Dopingkomplex weiterhin gering ist. Die Autoren Prof. Dr. Michael Schaffrath, Dr. Thorsten Schulz, Dr. Fabian Kautz und Nils Olson sind wissenschaftliche Mitarbeiter an der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften der TU München. Sie haben die Replikationsstudie „Wissen und Einstellungen von Sportjournalisten in Deutschland zum Thema Doping und Dopingberichterstattung“ durchgeführt.

Zu den sogenannten „Leitmedien“ gehören diejenigen, denen es gelingt, dass die von ihnen aufgegriffenen Themen von der publizistischen Konkurrenz weiterverarbeitet werden, und denen man einen besonders großen Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung attestieren kann. In der aktuellen Studie sollte eruiert werden, ob sich auch für die Dopingberichterstattung solche Leitmedien identifizieren lassen. Die Befragten sind sich da eher uneinig.
 
Auf der einen Seite sagen 58,2 Prozent, dass bei der Dopingberichterstattung ein oder mehrere Leitmedien existieren. Demgegenüber vertreten 23,4 Prozent die Auffassung, dass es keine gibt. 18,4 Prozent sind sich nicht sicher.

Diejenigen, die der Meinung sind, dass es Leitmedien gibt, wurden gebeten, diese konkret zu benennen. Von den 450 Personen wurden hier insgesamt 700 Medien eingetragen.

Mit 284 fielen die meisten Nennungen auf die ARD. Das Erste ist also Doping-Leitmedium Nummer 1. Die Süddeutsche Zeitung liegt auf Platz zwei mit 189 Nennungen, vor der FAZ mit 88, dem Spiegel mit 44 sowie dem ZDF mit 29 und dem WDR mit 19. Die 47 übrigen Nennungen wurden unter „Sonstige“ zusammengefasst.
 
Die Angaben der Sportjournalisten dokumentieren eher geringe Publikationsfrequenzen, die in den vergangenen Jahren nochmals zurückgegangen sind. Das Thema Doping wird nur von wenigen journalistischen Experten intensiv bearbeitet. Fast zwei Drittel berichten darüber nichts (Abbildung: TU München).

Neben der fehlenden Zeit und den hohen Kosten für die notwendige Recherche wird Dopingberichterstattung behindert durch das subjektive Gefühl fehlender Kompetenz und den Eindruck, hierfür nicht adäquat ausgebildet zu sein.
 
Dementsprechend sind auch die Wissensbestände bei diesem komplexen und komplizierten Sujet bei vielen Sportmitarbeitern eher gering. Daran kann auch der VDS durch das Angebot von Fortbildungsveranstaltungen etwas ändern. Entsprechende Anfänge wurden bereits gemacht, so gab es im Dezember 2018 einen Doping-Workshop, der zusammen mit der TU München angeboten wurde.

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15.05.2020






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