VDS-Präsident Erich Laaser
VDS-Präsident Erich Laaser (Foto: Wolfgang Weihs)

„Kreativität und ein gutes Händchen“

Der Sportjournalismus steht seit langem vor großen Herausforderungen. Daran wird sich auch im kommenden Jahr nichts ändern. VDS-Präsident Erich Laaser hofft, dass trotz der vielerorts schwierigen Arbeitssituation weiterhin gute journalistische Qualität geliefert wird.

In diesen Tagen vor dem Ende des Jahres wird wieder überall Bilanz gezogen. Und man versucht, für das neue Jahr gute Vorsätze zu formulieren. Wieder einmal der Versuch, nicht mehr zu rauchen? Oder abzunehmen? Mehr aus seinem Leben zu machen? Leicht gesagt, oft schwer getan, zumal in (Sport-)Journalist*innenkreisen, wo die letzten Jahre insgesamt keine Verbesserung der Arbeitssituation gebracht haben.
 
Im vergangenen Monat – dem November 2019 – jährten sich zwei Ereignisse, die nachdenklich stimmen. 30 Jahre Mauerfall wurde an vielen Orten gefeiert, speziell natürlich in Berlin, wo am 9. November 1989 die berühmten Worte von Günter Schabowski die Mauer wirklich zu Fall brachten, aber auch beim Deutschen SportpresseBall in der Alten Oper Frankfurt. Die vergangenen 30 Jahre haben für viele Menschen deutliche Verbesserungen in ihrem Leben gebracht; nicht alle werden dem zustimmen, aber wenn ich mir den Rest der Welt anschaue, können wir in unserem Land durchaus zufrieden sein (Foto Berliner Mauer 1984: Fotoagentur Kunz/Bernhard Kunz/Augenklick).
 
Das zweite Ereignis war Robert Enkes zehnter Todestag am 10. November. Damals war die Betroffenheit groß, die Krankheit „Depression“ ein Thema. Wenn ich Sportberichte heute konsumiere, lese ich oft von „Versagern“, „Flaschen“ oder „Deppen“. Es fehlt der Respekt vor den Objekten der Berichterstattung, den Menschen. Und die Folgen dieser Berichterstattung sollten in jedem Fall bedacht werden.
 
Die Digitalisierung hat unsere Welt rapide verändert, nicht immer zum Guten. Social Media ist ein Begriff, der zur Jahrtausendwende noch nicht sonderlich bekannt war. Inzwischen kommen viele Menschen ohne Facebook, Instagram oder Twitter nicht mehr durchs Leben, für manche sind es sogar die Hauptinformationsquellen.

Nachprüfbare Fakten – so schlägt Qualität Schnelligkeit
 
Mit der Fülle an Informationen – ohne journalistische Einordnung – ist man aber oft überfordert. Wir sind täglich einer Flut von Informationen und Einflüssen ausgesetzt. Journalist*innen sammeln, sortieren, ordnen Nachrichten ein, kommentieren und tragen zur Meinungsbildung bei. Im Idealfall werden Nachricht und Meinung getrennt, im Idealfall orientiert man sich an nachprüfbaren Fakten. So schlägt Qualität Schnelligkeit.
 
Ich persönlich wünsche mir für das neue Jahr weiterhin gute journalistische Qualität. Wichtig erscheint mir eine klare Sprache, die erklärt und aufklärt, die sich nicht in Fachchinesisch oder Denglisch verliert, die alle Menschen erreicht und nicht für Verwirrung sorgt. Texte, die nicht oberflächlich und fehlerhaft sind und die der deutschen Grammatik entsprechen.
 
Ihnen allen wünsche ich fürs neue Jahr Gesundheit und Zufriedenheit, Kreativität und ein gutes Händchen im Beruf sowie die Kraft, allen Schwierigkeiten zum Trotz gute Arbeit leisten zu können.
 
Alles Gute, Ihr Erich Laaser (VDS-Präsident)

30.12.2019






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