Es ist ein aktuelles, hoch emotionales Thema. Doch als jetzt in der macromedia university of applied sciences über die Hamburger Olympia-Bewerbung diskutiert wurde, ging es trotz sehr unterschiedlicher Meinungen angenehm sachlich und respektvoll zu. Bei der gemeinsamen Veranstaltung des Vereins Hamburger Sportjournalisten und der Hochschule kamen dreieinhalb Wochen vor dem Referendum am 31. Mai praktisch alle Argumente für und gegen die Hamburger Bewerbung und Olympische Spiele im Allgemeinen zur Sprache.
Auf dem Podium vertrat Janette Hoschke, Leiterin der Kommunikation des Vorprojekts Olympische und Paralympische Spiele in Hamburg, die Seite der Befürworter. Eckart Maudrich war als Sprecher der Hamburger Initiative NOlympia ihr Widerpart. Der dritte Diskutant, Alexander Laux, begleitet als Sport-Ressortleiter des Hamburger Abendblatts das Thema aus der Position des objektiven Beobachters und Berichterstatters.
Janette Hoschke betonte in der rund einstündigen Podiumsdiskussion, die von Macromedia-Professor und VHS-Mitglied Thomas Horky und der Macromedia-Studentin Hanna Füller moderiert wurde, die Vorteile des auf Kompaktheit ausgerichteten Hamburger Olympia-Konzepts. Es sei „gegenüber dem Konzept von 2015 zeitgemäßer“. Damals sollte in der HafenCity ein ganzes Viertel für die Spiele neu erschlossen werden. Jetzt werde viel stärker auf vorhandene Sportstätten gebaut. Zudem sollen markante Punkte in der Stadt, wie etwa die Binnenalster, zu zentralen Veranstaltungsorten werden (Foto: VHS).
Eckart Maudrich, einst selbst Kader-Athlet im Hochsprung, der aber nie Olympische Spiele vor Ort erlebt hat, kritisierte am Hamburger Konzept, dass die anfallenden Sicherheitskosten bisher gar nicht im Finanzplan auftauchen und dass es keine Garantie dafür gibt, dass die neu zu errichtende Mehrzweck-Arena am Volkspark tatsächlich von privater Hand und ohne öffentliche Mittel gebaut werden kann.
Alexander Laux betonte, dass das IOC seine Anforderungen an die Bewerberstädte im Vergleich zu vorherigen Bewerbungen „komplett verändert“ habe. Es gäbe zum Beispiel keine hohen Mindestvorgaben an die Zuschauerplätze in den einzelnen Sportstätten mehr. Hinsichtlich der immer wieder genannten Milliardenkosten für die Spiele mahnte er, man müsse dabei sehr genau unterscheiden zwischen den Investitionen, die der Stadt nach den Spielen erhalten bleiben und den reinen Veranstaltungskosten. Als Beispiel nannte er mit Blick auf die Sommerspiele 2024 in Paris die Reinigung der Seine, die 1,3 Milliarden Euro gekostet habe. Diese Maßnahme wurde zwar für die Olympischen und Paralympischen Spiele umgesetzt, wirkt aber weit darüber hinaus zum Wohle der Stadt und der Bevölkerung.
Im Anschluss an Podiumsdiskussion zahlreiche und vielschichtige Fragen zum hoch aktuellen Thema Olympia-Bewerbung
Gleichzeitig zeigte Alexander Laux aber auch Verständnis für die Zweifel, die bei den Kritikern bestehen, ob Hamburg es überhaupt schaffen kann, die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen eventuell schon bis 2036 zu realisieren. „Es dauert jetzt schon Ewigkeiten, dass die Hamburger Basketball- und Handball-Bundesligisten eine dringend nötige, geeignete Halle bekommen“, sagte er. Im Anschluss an die Podiumsdiskussion zeigte sich an den zahlreichen und vielschichtigen Fragen, dass das Thema Olympia-Bewerbung spannend und hoch aktuell ist. Auf eine Vorhersage, wie das Referendum am 31. Mai ausgeht, mochte sich keiner der drei Gäste wirklich festlegen.
Bedauerlich war, dass auf dem Podium die Hamburger Hockey-Nationalspielerin und Olympia-Teilnehmerin Emma Davidsmeyer unverschuldet fehlte. Beim Training am Nachmittag war sie von einer Hockeykugel am Kopf getroffen worden und musste ins Krankenhaus transportiert werden. Glücklicherweise erlitt sie dabei keine Brüche und konnte schon am Abend wieder nach Hause. Thomas Horky übermittelte ihr die Genesungswünsche des gesamten Auditoriums, das wieder aus Studierenden der macromedia university und Mitgliedern des VHS bestand.
Text: Carsten Harms // Aufmacherfoto (von links nach rechts): Thomas Horky, Eckart Maudrich, Janette Hoschke, Alexander Laux und Hanna Füller // in der Mai-Ausgabe des monatlichen VDS-Newsletters finden Sie ein Hintergrundstück zur Berichterstattung Hamburger Medien über die Olympia-Bewerbung