Nachwuchspreisträgerin Lea Löffler im Interview
Nachwuchspreisträgerin Lea Löffler (Foto: privat)

„Im Hintergrund bewegt sich immer etwas“

Für ihren im Deutschlandfunk gesendeten Hörfunk-Beitrag „Quo vadis, Sportdeutschland?“ wurde Lea Löffler mit dem Nachwuchspreis von VDS und DOSB ausgezeichnet. Auf sportjournalist.de spricht die 22-Jährige über vermeintlichen Stillstand und einen Berufseinstieg in Pandemie-Zeiten.

Lea Löffler ist ehemalige Kanutin und studiert seit 2018 an der Deutschen Sporthochschule in Köln Sport mit Schwerpunkt Sportjournalismus. Vor ihrem Studium absolvierte sie eine einjährige Schauspiel- und Synchronsprecher-Ausbildung. Löffler ist freie Mitarbeiterin beim Deutschlandfunk. Den vom Deutschen Olympischen Sportbund geförderten VDS-Nachwuchspreis 2020 gewann sie mit ihrem Beitrag „Quo vadis, Sportdeutschland?“ zum Wettbewerbsthema „Der Sport in Corona-Zeiten“. Die Jury lobte: „Löfflers Hörfunkbeitrag ist eine umfassende Darstellung der Situation, breit recherchiert und dadurch sehr informativ, gleichzeitig mit guter Dramaturgie kurzweilig dargestellt.“

sportjournalist: Frau Löffler, wie kommt man von einer Schauspielausbildung zum Sportjournalismus?

Lea Löffler: Mit dem Einblick in die Welt des Schauspiels direkt nach dem Abi habe ich mir einen Kindheitstraum erfüllt. Aber ich habe währenddessen gemerkt, dass mich gar nicht so sehr das Schauspiel an sich interessiert, sondern das Sprechen am Mikrofon. Schauspiel und Synchronsprechen haben mich also letztlich zum Radio gebracht. Die Vorkenntnisse waren sicher auch ein Vorteil bei der Bewerbung für das Praktikum beim Deutschlandfunk.

sj: Warum fiel Ihre Wahl auf das Sportressort?

Löffler: Ich habe sieben Jahre lang Leistungssport betrieben. Ich war nicht wahnsinnig erfolgreich, aber ich habe immer viel trainiert, Sport war ein Teil meines Lebens. Deshalb war es eigentlich folgerichtig, Sportjournalismus auszuwählen. Den Reiz am Ressort macht für mich aus, dass Sport ein unheimlich großes Feld ist. Selbst wenn wie jetzt wegen der Beschränkungen so viel still steht, bewegt sich im Hintergrund trotzdem immer etwas. Man kann neben der 1:0-Berichterstattung ganz viel ausschöpfen. Mich diesen Beziehungen zwischen Vereinen, Verbänden und Athleten zu widmen, das zu recherchieren und auszuarbeiten – das finde ich spannend. Derzeit interessiert mich das sogar viel mehr als Berichterstattung von einem Wettkampf.

sj: Wie hat sich die Corona-Pandemie auf Ihren Berufseinstieg ausgewirkt?

Löffler: Ich musste das Praktikum unterbrechen. Aber als eine Art Ausgleich, und weil ich mich offenbar ganz gut angestellt hatte, habe ich ein Sprechtraining finanziert bekommen. Das hat viel geholfen, denn es ist ja ein ganz spezielles Sprechen. Außerdem hatte ich Glück, weil ich vor dem ersten Shutdown noch vier Wochen in der Sportredaktion war. Aber es ist natürlich viel weggefallen: zu Wettkämpfen fahren, einfach noch viel mehr erleben. Aber rückblickend hat es sich ja nicht zum Schlechten entwickelt, ganz im Gegenteil: Ich bin in der Sportredaktion seit Herbst als freie Mitarbeiterin angestellt.

sj: Der Hörfunk lebt von O-Tönen wie kaum ein anderes Medium. Wie lassen sich Beiträge trotz Kontaktbeschränkungen realisieren?

Löffler: Da ist ein bisschen zusätzliche Kreativität gefragt. Aufgezeichnete Telefonate sind für Radio-Beiträge nicht so toll. Das geht per Videokonferenz deutlich besser, wenn das Gegenüber unser Gespräch mit dem Handy aufnimmt und mir die Datei schickt. Dann ist die Qualität super. Vor allem, wenn man ältere Interviewpartner und -partnerinnen hat, die technisch nicht so versiert sind, wird es schwierig.

sj: Wie viel Redaktionsalltag ist für Sie derzeit überhaupt möglich?

Löffler: Wenig. Ich darf momentan nicht in die Redaktion, das hat einiges verändert. Die Berichte entstehen fast ausschließlich von zu Hause. Aber Not macht erfinderisch – ich nehme die Stücke immer unter der Bettdecke auf. Das klappt ganz gut.

sj: Viele Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ressorts haben ihre Laufbahn im Sport begonnen und sind dann gewechselt.

Löffler: Das habe ich erstmal nicht vor. Ich bin gerade sehr zufrieden, wo ich bin, und bewerbe mich auf ein Volo.

Mit Lea Löffler sprach Katrin Freiburghaus. Dieses Interview stammt aus dem sportjournalist. Hier geht es zur Bestellung von Einzelheften beim Meyer & Meyer Verlag. Mitglieder des VDS erhalten den alle zwei Monate erscheinenden sportjournalist automatisch per Post und können sich das Heft zudem im Mitgliederbereich kostenlos als PDF herunterladen. Dies gilt auch für ältere Ausgaben.

08.06.2021






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